1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Neues Augenlicht für Blinde?

Aachener Forscher haben eine Sehprothese für Blinde entwickelt. Das so genannte Retina-Implantat kann den Betroffenen in Zukunft etwas von ihrer Sehkraft wiedergeben.

default

Neue Hoffnung für Blinde?

Vor gut 20 Jahren erfuhr Hans-Joachim Sturm, dass er an Retinitis Pigmentosa leidet. Wenig konnte er zunächst damit anfangen, die Diagnose: Retinitis Pigmentosa ist eine unheilbare Erbkrankheit, die die Betroffenen langsam erblinden lässt. Erste Anzeichen sind der Verlust des Farb- und Kontrastsehens oder die Nachtblindheit. Weltweit sind zwei bis drei Millionen Menschen daran erkrankt.

Für den heute 64-jährigen Hans-Joachim Sturm war die Erblindung ein besonders qualvoller Prozess. Denn weder er noch die Ärzte noch er wussten, wie lange er seine Sehkraft noch behalten würde. "Das ging schubweise", erinnert er sich. "Manchmal ändert sich lange nichts und verschwanden Dinge plötzlich einfach aus meinem Blickfeld."

Reste reaktivieren

Das Besondere an dieser Krankheit ist, dass nur die lichtempfindlichen Zellen auf der Netzhaut langsam absterben. Die dahinter liegenden Nervenzellen, die die Bildinformationen ans Gehirn weiterleiten, bleiben bis zu 30 Prozent erhalten. Könnten die visuellen Reize also die beschädigte Netzhaut umgehen, wären die Betroffenen wieder in der Lage zu sehen.

Scannsystem zur Iriserkennung auf der CeBIT in Hannvoer

Wie umgeht man die beschädigte Netzhaut?

Hier setzt die Sehprothese an, die an der Technischen Hochschule Aachen entwickelt wurde und aus zwei Teilen besteht: Einer High-Tech-Brille und einem Implantat, das ins Auge eingepflanzt wird. In die Brille wird eine kleine Videokamera eingebaut, die die Bildinformationen in Signale umrechnet, die die Nerven verstehen. Dann sendet er die Signale drahtlos an einen Empfängerchip, der in die Augenlinse implantiert wird. Von hier werden die Bildsignale über winzige Kabel auf eine Mikrokontaktfolie übertragen. Diese liegt direkt auf der Netzhaut und stimuliert über Elektroden die Nervenzellen, die zum Sehnerv führen: So sieht der Mensch, was die Kamera filmt.

Noch ist die Erfindung allerdings nicht ausgereift, gibt Professor Peter Walter von der Universitätsklinik Aachen zu: "Das Bild ist zunächst sehr schemenhaft. Aber es kann einem blinden Patienten helfen, wieder Tag und Nacht zu unterscheiden, vielleicht großen Gegenständen aus dem Weg zu gehen, Hindernisse zu umlaufen, Türen und Fenster zu erkennen. Es wird sicher nicht ausreichen, um Lesevermögen wiederherzustellen oder Gesichter zu erkennen."

Noch Schwachstellen

De Auflösung der übermittelten Bilder hängt von der Zahl der Elektroden auf der Netzhaut ab. Und die ist auf etwa 200 bis 300 beschränkt. Wird dem Auge mehr Energie zugeführt wird es zu warm, was zur Zerstörung des Auges führt. Derzeit forschen die Wissenschaftler noch an der Lösung dieses Problems. Dennoch ist das Interesse an der Sehprothese so groß, dass weltweit mehrere Forscherteams daran arbeiten.

Der Berliner Rentner, Irving Pudwell sonnt sich

Mittelfristig auch bei Altersblindheit einsetzbar?

Wissenschaftler der Johns-Hopkins-University in Baltimore versuchen bei den Patienten durch kurzzeitige elektronische Impulse die Nervenzellen so zu reizen, dass das Gehirn wieder Bilder wahrnehmen kann. Die Experten an der Bostoner Harvard Medical School haben in Zusammenarbeit mit dem Massachusetts Institute of Technology einen Ansatz entwickelt, der das Auge vor Überhitzung schützen soll: Sie arbeiten an einer Folienstruktur mit Mikrokontakten, die zwischen den lichtempfindlichen Zellen auf der Netzhaut und den Nervenzellen eingesetzt werden soll. Die amerikanische Gesundheitsbehörde, das National Institute of Health, hat die Forschung in den USA bislang mit mehr als zwölf Millionen Dollar unterstützt.

Sehprothese auch bei Altersblindheit

Grund für das weltweite Interesse: Das Implantat könnte mittelfristig auch anderen an Augenkrankheiten erkrankten Menschen helfen, so Professor Wilfried Mokwa vom Aachener Institut für Werkstoffe der Elektrotechnik: "Möglicherweise können wir die Sehprothese irgendwann auch bei Formen der Altersblindheit einsetzen."

Doch bis dahin hat die Forschung noch einen weiten Weg zurückzulegen. Zunächst muss die Sehprothese erfolgreich getestet werden. Derzeit wird in Aachen die neue Technik noch in Tierversuchen erprobt. Ende des Jahres soll die Sehprothese dann zum ersten Mal bei einem Menschen eingesetzt werden. Mit der Marktreife rechnen die Wissenschaftler frühestens in fünf bis sieben Jahren.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links