1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Neues Antibiotikum - Wunderwaffe gegen resistente Keime?

Sie bereiten der modernen Medizin große Sorge: Bakterien, gegen die kein Antibiotikum mehr hilft. Doch jetzt könnten viele ihren Schrecken verlieren. Wenn ein neuer Wirkstoff hält, was er verspricht.

Es kommt aus dem Boden. Genauer gesagt von einen Bodenbakterium, das bisher noch kein Forscher untersucht hatte. Doch jetzt zeigt sich: Das Bakterium "Eleftheria terrae" produziert das Antibiotikum "Teixobactin" - und das ist nach ersten Tests gegen Krankheitserreger wirksam, die längst gegen andere Antibiotika resistent sind. Es tötet zum Beispiel Tuberkuloseerreger oder MRSA-Keime, also die bekannten multiresistenten Bakterien, die sich in Krankhäusern ausbreiten.

Ein neuer Wirkmechanismus

Jetzt haben Wissenschaftler aus Deutschland, Großbritannien und den USA ihre gemeinsame Entdeckung im Fachjournal "Nature" veröffentlicht. Der Titel der Arbeit klingt vielversprechend: "A new antibiotic kills pathogens without detectable resistance", also "Ein neues Antibiotikum tötet Krankheitserreger ohne nachweisbare Resistenzen".

Tatsächlich wirkt das neue Antibiotikum gegen ein breites Spektrum von Krankheitserregern. Dabei tötet es die Bakterien etwas anders als bisherige Präparate. Zwar greift es die Bakterienzellwand an, was auch andere Antibiotika tun - aber "Teixobactin" beeinträchtigt den Aufbau der Zellwand nicht nur durch einen einzigen Mechanismus. "Es greift an vielen Stellen in den Aufbau ein", sagt Dr. Tanja Schneider von der Universität Bonn, "das macht bakterielle Anpassungsstrukturen so gut wie unmöglich".

Im Labor des Instituts für Mikrobiologie

Tanja Schneider (2 v.r.) mit ihrem Team im Labor des Institus für Mikrobiologe in Bonn

Noch nicht bei Menschen erprobt

Durch die mehrfache Störung müsste sich auch das Bakterium gleich auf mehrfache und genau passende Weise verändern, um eine Resistenz zu entwickeln. Das klingt unwahrscheinlich. Ob Krankheitserreger aber nicht doch in einigen Jahren oder Jahrzehnten einen Weg finden werden, sich an das neue Antibiotikum anzupassen, kann niemand vorhersagen. Zudem wurde das neue Präparat bisher nur an Mäusen getestet. Hier bezeichneten die Forscher die Ergebnisse als vielversprechend. Studienautorin Schneider sagt: "Antibiotika mit neuem Wirkmechanismus sind ein Durchbruch für die Forschung".

Labormaus

Was bei Mäusen wirkt, muss nicht beim Menschen helfen

Das ändert aber nichts daran, dass man erst noch testen muss, ob das Antibiotikum für Menschen verträglich und wirksam ist. Falls alle weiteren Tests erfolgreich sind, könnte das Medikament in frühestens sechs Jahren verfügbar sein.

Mehr als ein einziges Antibiotikum

Doch auch wenn sich herausstellen sollte, dass "Teixobactin" die großen Hoffnungen seiner Entdecker nicht erfüllt, könnte die jetzt veröffentliche Studie einen Durchbruch bei der Suche nach neuen Antibiotika bedeuten - nur auf andere Weise.

Neben dem Bakterium "Eleftheria terrae", das "Teixobactin" bildet, können die Forscher jetzt nämlich auch viele andere Bakterien und Pilze untersuchen, die potentiell Antibiotika bilden könnten. Bisher wachsen 99 Prozent der Bakterien nicht unter Laborbedingungen. Die Wissenschaftler haben für ihre Studie aber eine neue Methode entwickelt, mit der sie viele neue Bakterien und Pilze kultivieren können. Sie lassen diese dazu zeitweise wieder im Boden wachsen und können so nach eigenen Angaben in Zukunft bis zu 50 Prozent der Bakterien kultivieren. So könnten sie viele weitere Kandidaten für Antibiotika finden.

Die Redaktion empfiehlt