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Wirtschaft

Neuer Weltbankpräsident will Afrika helfen

Am 1. Juni scheidet James Wolfensohn aus dem Amt als Weltbankpräsident aus. Während er weltweites Ansehen genießt, gilt sein Nachfolger Paul Wolfowitz als Architekt des Irakkriegs und Sachverwalter von US-Interessen.

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Misstrauisch beäugt: Paul Wolfowitz, designierter Weltbankpräsident

James Wolfensohn gilt als Freund der Armen dieser Welt. In Afrika ist er populärer als mancher Staatsmann, und auch Entwicklungshilfeexperten rund um den Globus stellen dem scheidenden Weltbankpräsidenten ein gutes Zeugnis aus.

So findet Heidemarie Wieczoreck-Zeul, die deutsche Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit, für Wolfensohn nur positive Worte: "Für James Wolfensohn gilt, dass er die Weltbank geöffnet hat, dass er sie auf Armutsbekämpfung orientiert hat, dass er aber auch selbst jemand war und ist, der für Frieden, Toleranz und Kooperation weltweit steht", sagt die Ministerin. In ihren Augen ist der gebürtige Australier mit amerikanischer Staatsbürgerschaft einer der wenigen globalen Führer, der in allen Kontinenten das Vertrauen der Menschen genießt.

Immer dialogbereit

James Wolfensohn Weltbank

Dialog auch mit Globalisierungsgegnern: James Wolfensohn

Wolfensohn war in seiner Amtszeit ein Mann des Interessensausgleichs zwischen erster und dritter Welt, zwischen Globalisierungsgegnern und ihren Befürwortern, ein Mann, der den Dialog mit Nichtregierungsorganisationen ebenso führte wie mit Staats- und Regierungschefs. Sein persönliches Fazit fällt nach zehn Jahren im Amt ebenfalls positiv aus: "Ich habe bei meinem Abschied das Gefühl, dass die Weltbank eine Institution geworden ist, die in sich geschlossen ist, die sich vom Mitgefühl für andere tragen lässt und deren Mitarbeiter wissen, dass nicht nur das Geld wichtig ist, sondern auch das Können und die Expertise der Mitarbeiter, deren wahrer Charakter heute viel besser wahrgenommen wird."

Hardliner mit Akzeptanzproblemen

Demgegenüber eilt Paul Wolfowitz der Ruf voraus, ein reiner Sachwalter amerikanischer Interessen zu sein. Der 61-Jährige ist sich seines Images als einer der Architekten des Irakkriegs und als Hardliner der Bush-Administration wohl bewusst. In zahllosen Gesprächen mit den Gouverneuren der Weltbank, mit den Europäern und Vertretern der Nichtregierungsorganisationen hat er sich schon im Vorfeld seines Amtsantritts um Akzeptanz bemüht. "Ich glaube, wenn es um Armutsbekämpfung geht, sind wir uns alle in der Zielsetzung einig", sagt er. "Ich kann gut zuhören und werde mir viel anhören."

Die Popularität, die sein Vorgänger in Afrika genießt, scheint auch Wolfowitz anzustreben. Den Kampf gegen die Armut in Afrika wolle er zu seiner höchsten Priorität machen, sagte er unmittelbar vor seinem Amtsantritt an diesem Mittwoch in Washington. Die Not des Kontinents sei größer als die jeder anderen Weltregion. Ein Element sei dabei die Wirtschaftsförderung. Mehrere afrikanische Länder hätten schon gezeigt, dass sie auf einen Wachstumspfad kommen können. Die nachhaltige Wirtschaftsentwicklung sei ein Teil der Lösung im Kampf gegen die Armut. Dazu müsse die Korruption rigoros bekämpft werden. Der bisherige stellvertretende US-Verteidigungsminister will in den nächsten Wochen nach Afrika reisen, um sich selbst ein Bild zu machen.

Wichtige Entscheidungen stehen an

Wolfowitz gilt als außerordentlich intelligent. Erfahrung in der Entwicklungshilfe konnte er bisher allenfalls in seiner Zeit als US-Botschafter in Indonesien sammeln. Unter seiner Führung kommen auf die Weltbank in den nächsten Jahren wichtige Entscheidungen zu. Soll die Bank künftig mehr Zuschüsse und nicht mehr nur Kredite vergeben? Wie sollen bei schrumpfenden Staatshaushalten in den Industriestaaten neue Quellen für die Entwicklungshilfe erschlossen werden? Und in welchem Maß soll gute Regierungsführung in den einzelnen Ländern künftig zum Kriterium für die Unterstützung durch die Weltbank werden?

Fragen, bei denen es unter den Mitgliedern durchaus unterschiedliche Auffassungen gibt. Wolfowitz wird neben Kompromissbereitschaft und Dialogfähigkeit auch Führungsstärke demonstrieren müssen. Eine Eigenschaft, die er in seinen Jahren im US-Verteidigungsministerium gelernt haben dürfte - er selbst schreibt sie sich jedenfalls zu: "Dies ist eine Mission, in der Führungsstärke gefragt ist, und ich fühle mich geehrt, diese auch demonstrieren zu dürfen."

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