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Deutschland

Neuer US-Botschafter in Berlin

Vom großen Geld über den großen Teich in die große Politik: Der Jurist und Finanzexperte John B. Emerson wird Ende August neuer US-Botschafter in Berlin - begleitet von großen Erwartungen auf beiden Seiten des Atlantiks.

Freundlich-gespannt blickt John B. Emerson (im Artikelbild rechts) über das Stehpult in die Runde vor ihm, leger gekleidet mit dunkelgrauer Stoffhose und schwarzem, langärmligem Poloshirt, rechts und links flankiert von seiner Familie. "Guten Tag, meine Damen und Herren. Meine Frau Kimberley und ich sowie unsere drei Töchter Jackie, Haley und Taylor freuen uns sehr, hier in Berlin zu sein." In fast perfektem Deutsch begrüßt er die Journalisten und offiziellen Vertreter, die ihn am Donnerstag (15.08.2013) am Flughafen Tegel in Empfang nehmen.

Für Emerson ist es ebenso wie für seine Frau eine Rückkehr zu den "deutschen Würzelen" ihrer jeweiligen Familien, wie er es, mit der deutschen Aussprache kämpfend, formuliert. Die Eltern seines Vaters und ihrer Mutter stammten aus Deutschland. "Schon als Zwölfjähriger habe ich Deutsch gelernt", erzählte er bei seiner Vorstellung vor dem amerikanischen Senat. "Aber ich gebe zu, dass ich es vor allem deshalb wollte, weil mein Vater und meine Großmutter sich immer auf Deutsch unterhalten haben, wenn ich nicht mitbekommen sollte, worum es ging."

Mann mit vielen Talenten

In seinem bisherigen Leben hat der 59-Jährige mehrfach bewiesen, dass er zielstrebig und erfolgsorientiert vorgehen kann. Neben dem Master-Studium in Jura belegte er die Fächer Philosophie und Verwaltung. In den 1980er Jahren arbeitete er als Jurist in einer Kanzlei, später dann als Staatsanwalt in Los Angeles. Von 1993 bis 1997 war er Berater von US-Präsident Bill Clinton in Handelsfragen - und Verbindungsbeamter des Präsidenten zu den Gouverneuren der US-Bundesstaaten.

US-Botschafter John B. Emerson mit Frau Kimberley (2.v.l.) und den drei gemeinsamen Töchtern (Foto: AP Photo/Michael Sohn)

US-Botschafter Emerson kommt mit der ganzen Famlie nach Berlin

Seine Qualifikation als Wirtschaftsfachmann nutzte auch der aktuelle US-Präsident Obama: 2010 berief er Emerson, seit 1997 Präsident der Investmentgesellschaft Capital Private Client Services, in das Beratungskomitee für Handelspolitik.

Posten als Belohnung für Wahlspenden?

Kritiker werfen der Obama-Regierung vor, besonders fleißige Wahlspendensammler mit Botschafterposten zu belohnen. So soll der neue diplomatische Vertreter in London, Matthew Barzun, laut "New York Times" 2,3 Millionen Dollar für die Wiederwahl-Kampagne des Präsidenten akquiriert haben. Und der umtriebige Kalifornier Emerson steht mit den geschätzten 1,5 Millionen Dollar an Wahlspenden auch nicht schlecht da.

Professor (em.) Christian Hacke (Foto: Hannelore Schmidt, Sekretariat, Uni Bonn)

Christian Hacke: "US-Botschafter sind die charmanteren Diplomaten"

Doch der Vorwurf trifft nicht zu, sagt der Politikwissenschaftler Christian Hacke, ehemaliger Ordinarius an der Universität Bonn, im Gespräch mit der DW: "Es ist traditionell so, dass der Präsident sich vorbehält, verdiente Persönlichkeiten zu Botschaftern zu machen. Und das sollte auch nicht nur negativ gesehen werden."

Als Beispiel nennt er Emersons Vorgänger, Phil Murphy, der vor seiner Diplomatenzeit als Investmentbanker tätig war: "Gerade der letzte Botschafter der USA in Berlin hat gezeigt, dass ein Mann von außen hochprofessionell, mit viel Charme und großer Kenntnis und mit sehr viel diplomatischem Takt so eine Position ausfüllen kann."

Große Herausforderungen

Dementsprechend groß sind die Erwartungen an John B. Emerson in Berlin. Zumal er sein Amt zu einem Zeitpunkt aufnimmt, da die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA durch die NSA-Affäre nachhaltig erschüttert sind.

Der ehemalige US-Botschafter Philip D. Murphy (Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Vorgänger Phil Murphy war ebenfalls Banker - und hinterließ Eindruck

Schon seit Längerem zählt Berlin nicht mehr zum engsten Kreis der Verbündeten Washingtons, doch durch die Ausspäh-Affäre hat sich das Verhältnis noch einmal spürbar abgekühlt.

Christian Hacke erwartet deshalb eine Charme-Offensive des "Neuen" - die ihm aber leichtfallen dürfte: "Amerikanische Diplomaten haben grundsätzlich mehr Charme und mehr diplomatische Professionalität als die meisten in Deutschland, und er wird jetzt natürlich versuchen, die Beziehungen zu glätten."

Die Politiker in Berlin werden gern hören, dass der neue US-Botschafter das Miteinander von Deutschland und den Vereinigten Staaten so beschreibt, wie es auch Präsident Obama und Außenminister Kerry bei ihren letzten Besuchen formulierten: "Das transatlantische Verhältnis ist der Grundstein für unsere Sicherheit und unsere Freiheit. Unsere Allianz ist das Fundament für weltweite Sicherheit und die Handelsbeziehungen der Motor für die Weltwirtschaft." Denn auf politischer und wirtschaftlicher Ebene verschieben sich die Verhältnisse immer mehr: Länder wie China und Russland, aber auch Brasilien und Indien beanspruchen zunehmend mehr Platz auf der Agenda.

US-Präsident Barack Obama und Außenminister John Kerry (Foto: MANDEL NGAN/AFP/Getty Images)

US-Präsident Obama und Außenminister Kerry setzen ihr Vertrauen in Emerson

Er jedoch wolle amerikanischen Firmen den Zugang zum deutschen Markt mit umweltfreundlichen Technologien ermöglichen und mithelfen, die Eurozone zu stabilisieren, sagt Emerson. Ein starker deutscher und europäischer Markt bringe auch Amerikanern Arbeitsplätze.

Blick für die schönen Dinge

John Emerson hat sich neben seiner Arbeit als Jurist und Wirtschaftsexperte aber auch den Blick für die schönen Dinge im Leben bewahrt und engagiert sich - wie seine Frau - in diversen karitativen Organisationen. Außerdem leitete er ehrenamtlich das Los Angeles Music Center, zu dem unter anderem die Los Angeles Philharmoniker und die L.A. Opera gehören.

"Im Wirtschaftsleben, im sozialen Engagement und in der Politik habe ich gelernt, wie wichtig es ist, tiefe und dauerhafte Kontakte zu entwickeln und zu pflegen", sagt Emerson bei seinem ersten Auftritt auf deutschem Boden als designierter Botschafter. Ein hoffnungsvoller Auftakt, und vielleicht ein Schritt hin zur Entspannung der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Und dass Berlin Partnerstadt seiner Wahlheimat Los Angeles ist, dürfte den Start des Kaliforniers an der Spree noch ein bisschen leichter werden lassen.

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