1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fokus Osteuropa

Neuer TV-Sender aus Polen für Belarus

Das neue vom Außenministerium in Warschau finanzierte Satellitenfernsehen für Belarus, BelSAT, wird seine Sendungen von Polen aus bereits Mitte Oktober aufnehmen. Was wird es dem belarussischen Zuschauer bieten?

default

Einer der Schwerpunkte sind Nachrichten

Die polnische Regierung hatte bereits vor einem Jahr erklärt, zum Start eines neuen Fernsehsenders für Belarus aus politischer, konzeptioneller und finanzieller Sicht bereit zu sein. Ende April genehmigte das Kuratorium des polnischen öffentlich-rechtlichen Fernsehens das Projekt des neuen TV-Senders für Belarus mit dem Namen BelSAT. Für die Finanzierung des Kanals stellt das polnische Außenministerium im laufenden Jahr etwa vier Millionen Euro zur Verfügung. Der Sender soll am 15. Oktober seinen Betrieb aufnehmen und täglich 15 Stunden Programm in belarussischer Sprache ausstrahlen.

Alternative Informationen

Die Koordinatorin des Projektes, die Journalistin des polnischen Fernsehens, Agnieszka Romaszewska, sagte der Deutschen Welle: "Wie schon mehrmals betont wurde, ist es das Ziel dieses Projektes, dem belarussischen Publikum die Möglichkeit zu geben, alternative Informationen zu bekommen. Vor allem, weil in Belarus ein staatliches Medienmonopol herrscht, können die Menschen keine bewusste, objektive Wahl treffen. Sie haben keinen Zugang zu Alternativen."

Junges Team vor schwieriger Aufgabe

Das Rückgrat des Teams bilden Journalisten aus Belarus, die auf beiden Seiten – im zentralen TV-Büro in Warschau und in den belarussischen Regionen - arbeiten werden. Romaszewska zufolge besteht das Team vor allem aus jungen Journalisten. Die Polen würden sich am Projekt hauptsächlich als Berater beteiligen. Übrigens ist noch unklar, wie die Korrespondenten in Belarus unter den Bedingungen der belarussischen Realität arbeiten werden. Denn das Gesetz über "die Diskreditierung der Republik Belarus" ist nach wie vor in Kraft. Außerdem wurde das Medienprojekt der Polen von der belarussischen Staatsmacht nicht gerade begrüßt. Präsident Aleksandr Lukaschenko erklärte bereits, das neue TV-Projekt sei "dumm, unverständlich und nicht freundschaftlich".

Kampf gegen Satelliten-Antennen

Auch die Fälle, in denen lokale Behörden gegen Besitzer von Satellitenempfangsanlagen vorgehen, sind ein Warnsignal. Könnte es passieren, dass das neue Fernsehprogramm in Belarus niemand wird sehen können? Auf diese Frage sagte die Journalistin Romaszewska: "Wir werden uns bemühen, soweit es möglich ist, alle Formalitäten mit unseren Korrespondenten in Belarus zu erledigen. Wir werden uns für sie um eine Akkreditierung bemühen. Was den Kampf der Staatsmacht gegen die Satellitenschüsseln betrifft, so bin ich ihr dafür sogar dankbar, denn das ist kostenlose Werbung für uns und erweitert unser potentielles Publikum. Ich befürchte nicht, dass in Belarus niemand den Sender schauen wird. Die Erfahrung anderer Länder hat gezeigt, dass es sehr schwierig ist, Satellitenfernsehen zu bekämpfen. Es ist praktisch unmöglich."

Nachrichten, Geschichte, Spielfilme

Die Redaktion arbeitet gerade an den Konzepten für 17 eigene Sendungen. Dazu zählen die "Nachrichten des Tages" und die Sendung "Belarus, Belarus", die Hintergrundberichte über die wichtigsten gesellschaftspolitischen Ereignisse in Belarus liefern soll. Hinzu kommen eine Sendung über die Geschichte des Landes sowie ein täglicher Überblick über die unabhängige Presse, in dessen Rahmen Live-Schaltungen in Redaktionen nicht staatlicher Medien geplant sind. Auch soll es Sendungen über Vertreter der nicht offiziellen belarussischen Kultur sowie über interessante und außergewöhnliche Personen der belarussischen politischen Elite sowie Berichte aus belarussischen Regionen geben. Den größten Raum werden allerdings Spielfilme und Dokumentationen einnehmen.

Sender will unabhängig sein

Romaszewska zufolge wird der Sender völlig unabhängig sein: "Die Grundlage des neuen TV-Senders, sein Fundament, wird die volle Unabhängigkeit sein. Niemand wird sich in den Inhalt seiner Programme einmischen, was aber nicht die Unabhängigkeit vom gesunden Menschenverstand und Ansichten der Redaktion bedeutet. Natürlich kann es eine gewisse Abhängigkeit von der Meinung des Teams, unserer Journalisten geben, aber es wird von der Politik und von den Politikern unabhängig sein."

Olga Klaskowskaja, Warschau
DW-RADIO/Belarus, 7.5.2007, Fokus Ost-Südost

Die Redaktion empfiehlt