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Politik

Neuer Streit um den Afghanistan-Einsatz

Nach dem Tod deutscher Soldaten in Afghanistan ist in Deutschland eine Debatte um den Einsatz entbrannt. Während im Norden Afghanistans getrauert wurde, töteten US-geführte Truppen im Süden neun afghanische Soldaten.

Trauerfeier in Kundus. Quelle: ap

Abschied von deutschen Soldaten: Die Trauerfeier in Kundus

Mit einer Trauerfeier hat die Bundeswehr in Kundus Abschied von den zwei getöteten Soldaten genommen. Der Kommandeur des Lagers, Oberst Rainer Buske, lobte den Einsatz der jungen Männer: "Gemeinsam mit ihren Fallschirmjägerkameraden haben sie Nacht für Nacht für Sicherheit gesorgt." Die Soldaten hätten die Gefahr ihres Einsatzes gekannt, ergänzte der Kommandeur der Nordregion, General Jürgen Weigt. "Sie sind trotzdem gekommen."

Die beiden 22 und 25 Jahre alten Soldaten waren mit ihrer Truppe als Verstärkung nach Kundus geflogen. Am Montag wurden sie zusammen mit fünf Kindern von einem Selbstmordattentäter getötet, als dieser sich neben ihnen auf einen Fahrrad in die Luft sprengte.

Internationales Beileid

Jung. Quelle: ap

Verteidigungsminister Jung trauert mit den Angehörigen

Der Luftwaffen-Airbus mit den Särgen der toten Soldaten wird am Abend im pfälzischen Zweibrücken erwartet. An diesem Freitag wird dort eine Trauerfeier stattfinden, an der auch Verteidigungsminister Franz Josef Jung und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhahn teilnehmen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. Auch die EU-Ratspräsidentschaft verurteilte den Anschlag scharf und betonte die uneingeschränkte Solidarität mit Deutschland und Afghanistan.

Keine Zweifel

Trotz des Selbstmordattentats wird auch weiterhin der Bundeswehr-Einsatz von der Bundesregierung nicht infrage gestellt. Ohne Sicherheit sei ein Wiederaufbau des Landes nicht möglich, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Mittwoch (22.10.2008) in Berlin. SPD-Fraktionschef Franz-Josef Struck sagte, militärisch sei dieser Konflikt nicht zu gewinnen. "Das ist ein Kampfeinsatz, das ist Krieg gegen den Terrorismus, dort können Soldaten sterben."

Kritik am Bundeswehrverband

Fallschirmjäger. Quelle: ap

Fallschirmjäger sorgen für die Sicherheit in Afghanistan

Scharfe Kritik übte die Bundesregierung an den Äußerungen des Bundeswehrverbandes. Der stellvertretende Vorsitzende, Oberstleutnant Ulrich Kirsch, hatte Zeitungsberichten zufolge erklärt: "Die Bundesregierung trägt eine Mitverantwortung. Die heutige Situation hätte durch mehr ziviles Engagement verhindert werden können." Kirsch forderte eine Stärkung des zivilen Aufbaus in Afghanistan. "Die große Koalition betont zwar, dass unsere Aufgabe in Afghanistan zu 80 Prozent durch zivilen Aufbau gelöst werden muss. Nur: 80 Prozent der deutschen Gelder fließen in den Militäreinsatz", sagte Kirsch. Er forderte die Bundeskanzlerin auf, ein Ende des Afghanistan-Einsatzes zu benennen.

Die Bundesregierung reagierte empört auf die Aussagen. Regierungssprecher Steg forderte Kirsch auf, diese "geschmacklose Äußerung" zurückzunehmen. Es sei angemessen, dass dieses "verantwortungslose Gerede" mit dem "Ausdruck des Bedauerns zurückgenommen wird", so Steg. Nach Kritik ruderte Kirsch zurück: Er sei falsch verstanden worden. Es sei eine Mitverantwortung der Bundesregierung an der Gesamtsituation gemeint gewesen.

Plötzlich beschossen


Im Süden Afghanistans tötete die US-geführte Koalition am Mittwoch versehentlich neun afghanische Soldaten. Sie waren als Sicherheitskräfte stationiert gewesen und wurden plötzlich von Hubschraubern aus beschossen. Das afghanische Verteidigungsministerium kritisierte den Angriff scharf: "Die Übeltäter werden nach den geltenden Gesetzen verfolgt", hieß es. Der Vorfall werde "auf das Schärfste verurteilt." Das US-Militär räumte ein, "möglicherweise irrtümlicherweise afganissche Soldaten getötet" zu haben. Solche Vorfälle schwächen die Moral der afghanischen Sicherheitskräfte, am Wideraufbau des Landes und im Kampf gegen die Taliban mitzuhelfen. (ako)

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