Neuer Schlag gegen Muslimbrüder | Aktuell Afrika | DW | 20.08.2013
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Aktuell Afrika

Neuer Schlag gegen Muslimbrüder

In Ägypten ist das Oberhaupt der Muslimbruderschaft, Badia, festgenommen worden. Er hatte sich in Kairo versteckt. Die Organisation berief umgehend einen Interimschef. Derweil eskaliert im Land die Gewalt.

Mohammed Badia (Artikelbild) sei kurz nach Mitternacht festgenommen worden, teilte das Informationsministerium mit. Der Chef der Muslimbrüder habe sich in einem Gebäude unweit des Rabaa-al-Adawija-Platzes im Vorort Nasr-City aufgehalten. Dort waren am vergangenen Mittwoch mehr als 280 Menschen getötet worden, als die Sicherheitskräfte ein Protestcamp von Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi gewaltsam räumten. Badie war seit Wochen gesucht worden. Ihm wird unter anderem Anstiftung zum Mord vorgeworfen. Zusammen mit Badie wurden nach Angaben des Innenministeriums zwei weitere hochrangige Mitglieder der Muslimbruderschaft festgenommen.

Die Muslimbrüder ernannten wenige Stunden nach der Festnahme ihres Anführers Mohammed Badie dessen bisherigen Stellvertreter Mahmud Essat zum neuen Interimschef. Essat werde die Führungsfunktion "zeitlich befristet" wahrnehmen, hieß es am Dienstag auf der Homepage der Muslimbrüder.

Muslimbrüder wollen Kampf fortsetzen

Die Muslimbrüder kündigten zudem an an, den Kampf gegen die Übergangsregierung und das Militär fortzusetzen. Badia sei letztlich auch nur eines von vielen Mitgliedern der Bruderschaft, die tief in der ägyptischen Gesellschaft verankert sei, erklärte Ahmed Aref, ein Sprecher der Bewegung.

Die Interimsführung hatte in den vergangenen Tagen auch über ein Verbot der Islamisten-Organisation diskutiert. Der Vorschlag, die Muslimbruderschaft für illegal zu erklären, stammt von Übergangspräsident Hasim al-Biblawi. Hunderte von Mitgliedern der Bruderschaft wurden in den vergangenen Tagen festgenommen.

Ein blutiger Tag

Die Organisation war während der langjährigen Amtszeit des 2011 gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak verboten, konnte aber unabhängige Kandidaten in die Parlamente bringen. Ihre neu gegründete "Partei für Freiheit und Gerechtigkeit" ging aus der Parlamentswahl nach dem Sturz Mubaraks als stärkste politische Kraft hervor. Mohammed Mursi war 2012 als Kandidat der Muslimbrüder zum Präsidenten gewählt worden. Am 3. Juli dieses Jahres wurde er vom Militär entmachtet.

Derweil fließt in Ägypten weiterhin Blut. Bei einem Angriff islamistischer Extremisten wurden am Montag auf der Halbinsel Sinai 26 unbewaffnete Polizisten getötet. Nach jüngsten Erkenntnissen der Sicherheitskräfte stoppten elf bewaffnete Männer mit Panzerfäusten zwei Minibusse der Ordnungspolizei nahe der Stadt Rafah an der Grenze zum Gazastreifen. Die Angreifer holten alle 27 Polizisten aus den Fahrzeugen. Die Polizisten mussten sich hinlegen. Anschließen sollen die Angreifer fünf Minuten lang auf sie geschossen haben. Nur einer überlebte.

Beziehungen zu Ägypten auf dem Prüfstand

Zuvor waren 37 Anhänger der Muslimbruderschaft bei einem Fluchtversuch während eines Gefangenentransportes getötet worden.

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Chef der Muslimbrüder festgenommen

Die Polizei habe Tränengas eingesetzt, die Gefangenen seien in einem Transportfahrzeug erstickt, teilte das Innenministerium mit. Die Muslimbrüder behaupten, die Gefangenen seien erschossen worden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte eine Untersuchung der Todesumstände.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnet die Lage in Ägypten als "sehr besorgniserregend" und forderte ein sofortiges Ende der Gewalt. Der demokratische Prozess müsse möglichst schnell fortgesetzt werden unter Einschluss aller politischen Kräfte, sagte Merkel der "Passauer Neuen Presse". Ägypten spiele eine zentrale Rolle für die Stabilität in der Region. Die Bundesregierung werde die Zusammenarbeit mit Ägypten "im Lichte der weiteren Entwicklung auf den Prüfstand" stellen, so die CDU Politikerin.

Die Außenminister der Europäischen Union haben für Mittwoch eine Dringlichkeitssitzung zu Ägypten angesetzt. Dabei soll eine gemeinsame Position in der Krise beschlossen werden. Zur Debatte steht unter anderem die Aussetzung der Entwicklungshilfe für Kairo.

gmf/nis (afp, dpa, rtr)

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