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Wirtschaft

Neuer Rückschlag für Toyota

Schwere Zeiten für Toyota: Erst mussten sieben Millionen Autos mit Fehlern am Gaspedal in die Werkstatt, jetzt gibt es Probleme mit den Hybridautos. Eine halbe Million müssen wegen unsicherer Bremsen repariert werden.

Prius- Produktion in Japan (Foto: apn)

Fehlerhaftes Gaspedal: Prius- Produktion in Japan

Toyota-Chef Akio Toyoda vor einem Prius der dritten Generation (Foto: dpa)

Toyota-Chef Akio Toyoda vor einem Prius der dritten Generation

"Ich entschuldige mich, dass wir wegen Qualität und Sicherheit vielen Kunden Sorgen bereiten", erklärte Toyota-Chef Akio Toyoda am Dienstag (09.02.2010) in Tokio. Weltweit sind insgesamt 437.000 Hybridfahrzeuge betroffen, teilte der japanische Konzern mit. In Deutschland werden 4000 Autos in die Werkstätten gerufen. Europaweit seien gut 52.900 Fahrzeuge der Baujahre von April 2009 bis Januar 2010 in 32 Ländern von dieser Rückrufaktion betroffen, teilte der japanische Hersteller am Dienstag in Köln mit. Das Problem betrifft vor allem den Prius der dritten Generation. Fast 200 Autofahrer in den USA und Japan haben sich bislang beschwert, weil es zwischen dem Treten des Bremspedals und der eigentlichen Bremsung eine kleine Verzögerung gibt. Toyota will das Problem mit einem Software-Update lösen.

Der Prius ist das meistverkaufte Hybridauto der Welt. Seit Produktionsstart 1997 wurden weltweit rund 1,6 Millionen Fahrzeuge abgesetzt, 2009 kam die dritte Generation zu den Händlern. Seit Hollywoodstars wie Leonardo DiCaprio mit dem Prius unterwegs sind, gilt der 25.000 Euro teure Wagen nicht nur als ökologisch korrekt, sondern auch als schick. Hybidautos haben zwei Antriebe: einen klassischen Benzinmotor und einen kleinen Elektromotor mit Batterie. Wenn der Fahrer bremst, verpufft die Bremsenergie nicht wie bei klassischen Autos an den Bremsscheiben in Reibung. Stattdessen geht ein Teil in einen Generator. Der Generator erzeugt Strom und lädt die Batterie. Beim nächsten Ampelstart fährt der Wagen elektrisch los, es wird kein Benzin verbraucht. Grundsätzlich spielt der Prius sein Sparpotential vor allem in der Stadt aus: Bei Stop-and-go-Verkehr kann oft der Elektro-Antrieb übernehmen.

Auch Lexus betroffen

Der Lexcus ausgestallt auf dem World Future Energy Summit 2010 (WFES) in Abu Dhabi (Foto: dpa)

Auch das Hybrid-Modell Lexus HS250H muss in die Werkstatt

Eine Tochtergesellschaft von Toyota plant einem Medienbericht zufolge wegen Bremsenproblemen die Produktion des Luxus-Hybridmodells Lexus HS250h vorübergehend zu stoppen. Das berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Dienstag unter Berufung auf informierte Quellen. Der Lexus hat das gleiche Bremssystem wie die Hybrid-Modellserie Prius. Toyota hat bereits wegen sich verhakender Fußmatten und klemmender Gaspedale weltweit mehr als sieben Millionen Autos verschiedenster Modelle zurückgerufen oder plant dies. Toyota Deutschland verzeichnet deswegen inzwischen einen massiven Absatzrückgang, den Alain Uyttenhoven, Geschäftsführer von Toyota Deutschland, auf 20 Prozent beziffert. Wegen der zögerlichen Reaktion auf die Probleme mit den Fußmatten und den Gaspedalen war die Unternehmensführung massiv in die Kritik geraten.

"Wir nehmen die Sicherheitsbedenken unserer Kunden ernst", versuchte Toyoda nun gegenzusteuern. "Wir haben die neue Rückrufaktion beschlossen, weil die Sicherheit unserer Kunden für uns oberste Priorität hat."

Imageschaden für die ganze Branche

Ein Toyota-Fahrer in Florida beleuchtet mit einer Taschenlampe das Gaspedal seines Wagens (Foto: apn)

Verunsichert Toyota-Besitzer: Von außen ist nichts zu erkennen

Der Prius Hybrid, das grüne Vorzeigemodell des Unternehmens, war von den bisherigen Rückrufaktionen nicht betroffen. Dass nun auch bei diesem Wagen erhebliche Mängel aufgetreten sind, könnte das Image des Automobilherstellers weiter beschädigen. Der Finanzchef des japanischen Autoherstellers Honda sieht die Pannenserie beim Rivalen Toyota deshalb auch mit gemischten Gefühlen. "Wenn Kunden Zweifel an der Qualität und Sicherheit hegen, dann würde das ein Problem für die ganze Branche", sagte Yoichi Hojo dem "Wall Street Journal". Insbesondere die US-Konkurrenz versucht Toyotas Lage auszunutzen und umwirbt die Kunden des weltgrößten Autoherstellers mit großzügigen Rabatten. Honda, das stellte Finanzchef Yoichi Hojo klar, werde keine extra Aktionen starten. Honda ist einer der schärfsten Rivalen Toyotas in Japan und Nordamerika.

Der Imageschaden für den Autobauer, der bislang immer weit vorne in der Kundenzufriedenheit lag, ist gewaltig. Das hat sich der Konzern auch wegen seiner katastrophalen Informationspolitik und seines dilettantischen Krisenmanagements selbst zuzuschreiben. Seit Herbst 2009 ruft Toyota Autos zurück - eine Stellungnahme ließ aber bis gestern auf sich warten. Zudem soll der Konzern bereits 2007 von Gaspedal-Problemen gewusst haben, ohne die Öffentlichkeit zu informieren.

Probleme mit der Größe

Noch vor kurzem pilgerten Manager aller Branchen in die Toyota-Werke ins japanische Nagoya, um die beispielhafte Qualitätskultur der Japaner kennenzulernen und das effektive Produktionssystem, das dem Konzern eine hohe Profitabilität bescherte. "Wenn einer so hoch oben auf das Podest gestellt wird, kann er auch leicht tief fallen", beschreibt Götz Klink, Automobilexperte der Unternehmensberatung A.T. Kearney, die Folgen. "Was Experten nervös macht ist, dass selbst bei einem Unternehmen wie Toyota mit einer so hohen Prozessdisziplin etwas schiefgehen kann", grübelt Klink. "Größe ist nicht per se gefährlich, aber schwierig zu beherrschen."

Autor: Rolf Wenkel (dpa, afp, rtr, apn)
Redaktion: Klaus Ulrich