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Politik

Neuer Premier soll Krisenstaat Haiti führen

Kleiner Machtwechsel in Haiti: Der Wirtschaftsexperte Ericq Pierre folgt als Premierminister auf Jacques-Edouard Alexis, der nach den Revolten gegen die hohen Lebensmittel-Preise zurücktreten musste.

Proteste Mitte April - AP

Die Proteste Mitte April lösten eine Regierungskrise aus

Haitis Präsident René Preval hat den Wirtschaftsexperten Ericq Pierre als neuen Premierminister benannt. Nach lokalen Medienberichten vom Montag (28.04.2008) wird Pierre Nachfolger von Jacques-Edouard Alexis, der vor drei Wochen in Folge einer durch hohe Lebensmittelpreise ausgelösten Revolte gestürzt worden war.

Pierre muss noch von beiden Kammern des Kongresses bestätigt werden. Die Vorsitzenden des Senats und der Deputiertenkammer hatten der Kandidatur schon am Sonntag zugestimmt. Der 63-Jährige ist derzeit Berater für Haiti bei der Interamerikanischen Entwicklungsbank. Er kandidierte schon 1997 für das Amt des Ministerpräsidenten, wurde aber vom Parlament abgelehnt. Préval war damals ebenfalls Präsident Haitis (1996-2001).

Absetzung des Premiers beendete Plünderungen

Präsident René Preval - AP

Haitis starker Mann: Präsident René Preval

Die Unruhen, bei denen insgesamt sechs Menschen ums Leben kamen, hatten sich Anfang April in der südhaitianischen Stadt Les Cayes an den explosionsartig steigenden Preisen für Grundnahrungsmittel wie Reis, Mais und Bohnen entzündet. Sie griffen auf mehrere Städte und vor allem auf die Hauptstadt Port-au-Prince über.

Dort zogen tausende von jungen Männern in die wohlhabenden Viertel und plünderten Banken, Tankstellen, Geschäfte und Privathäuser. Nachdem der Senat die Absetzung des Premierministers beschlossen hatte, beendeten die Meuterer die Plünderungen. Zuvor hatten sie auch den Rücktritt der Regierung gefordert.

Das ärmste Land Amerikas

Haiti, Premierminister Jacques Edouard Alexis

Musste zurücktreten: Ex- Premier Jacques Edouard Alexis

Haiti, das gemeinsam mit der Dominikanischen Republik auf der Karibikinsel Hispaniola liegt, ist das ärmste Land Amerikas. Alleine die jährliche Reiseinfuhr Haitis beläuft sich derzeit auf 800 Millionen US-Dollar. Dadurch wird das Land, in dem 80 Prozent der 8,7 Millionen Menschen in Armut leben, besonders hart von den weltweit steigenden Agrarpreisen getroffen.

Jahrzehnte der Ausbeutung durch Diktatoren und eine korrupte Elite haben das Land in wirtschaftliches und politisches Chaos gestürzt. Seit 2004 ist eine internationale UN-Mission in Haiti, um das Land zu stabilisieren. (tos)

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