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Kultur

Neuer Papst muss Ökumene voranbringen

Pontifex heißt Brückenbauer. Doch tragfähige ökumenische Brücken sind in der Amtszeit von Papst Benedikt XVI. kaum entstanden. Noch immer trennen tiefe Gräben die christlichen Konfessionen.

Die Ökumene, also der Dialog und die Zusammenarbeit zwischen der römisch-katholischen Kirche und den anderen Kirchen, hat in den vergangenen Jahrzehnten keine spektakulären Erfolge gezeitigt. Am ehesten ging noch der Dialog Roms mit den Kirchen der Reformation voran. Da gab es punktuell Fortschritte. Doch entscheidende Durchbrüche?  Fehlanzeige! Nicht zuletzt lag das auch am obersten Glaubenswächter der katholischen Kirche, der von 1982 - 2005 Joseph Ratzinger hieß.

Zwei Erfolge 

Zwei nennenswerte Ergebnisse zwischen dem Vatikan und den großen evangelischen Kirchen kamen immerhin zustande. Dazu zählt die so genannte Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre von 1999. Die Frage, wie der Mensch vor Gott Gnade finden kann, war vor 500 Jahren Hauptursache für die von Martin Luther ausgelöste Kirchenspaltung. Allerdings konterkarierte Kardinal Ratzinger dieses Papier, das deutlich seine Handschrift trug, bereits im Jahr darauf. In einem offiziellen Dokument attestierte er den reformatorischen Kirchen, keine Kirchen im vollwertigen Sinne zu sein. Für evangelische Christen ein Schlag ins Gesicht.

Dennoch gab es im Jahr 2006, dem zweiten Amtsjahr Ratzingers als Papst, einen weiteren Erfolg. Seitdem erkennen beide Konfessionen wechselseitig die Taufe an - das Grundsakrament christlicher Existenz. Danach herrschte wieder Funkstille.

Papst Benedikt XVI. (r.) wird am Freitag (23.09.11) in Erfurt am Augustinerkloster vor Beginn eines oekumenischen Gottesdienstes vom Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, begruesst. Foto: Matthias Rietschel/dapd

Papstbesuch 2011: Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, begrüßt in Erfurt Papst Benedikt XVI.

Kein Gastgeschenk

Umso größer die Verwunderung auf evangelischer Seite im Jahr 2011: Papst Benedikt XVI. habe persönlich veranlasst, bei seinem Deutschlandbesuch 2011 der ökumenischen Begegnung breiten Raum zu geben, verlautete aus dem Vatikan. Das wurde als starkes Symbol verstanden, denn Schauplatz der Begegnung sollte Mitteldeutschland sein, das Kernland der Reformation, mehr noch: mit dem Erfurter Augustinerkloster jener Ort, an dem der spätere Reformator Martin Luther von 1505 bis 1511 als katholischer Mönch und Priester lebte und studierte. Hier bekamen Luthers Vorstellungen einer erneuerten Kirche erste Konturen und gingen schließlich um die Welt.

Allerdings betonte der Papst bei der Begegnung mit den Spitzen der Evangelischen Kirche, ein "ökumenisches Gastgeschenk" werde es nicht geben. Das sorgte für Enttäuschung in beiden Konfessionen. Selbst mit dem Abstand von eineinhalb Jahren kritisieren sogar Katholiken, dass Benedikt, der Papst aus Deutschland, in Erfurt nur den katholischen Martin Luther gewürdigt hat und nicht den Reformator Luther.

Erfurt: Luther-Denkmal vor der Kaufmannskirche. Foto: Klaus Krämer, 05.07.2011, Bilder des Tages quer und freies Bildformat. Außerdem Symbolbild, Text: Martin Luther machte 1517 mit der von ihm vorangetriebenen Reformation eine klare christliche Zeitansage.

Zeit für Ökumene? Luther-Denkmal

Zwar feierte der Papst einen ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Klosterkirche. Eine weitere Annäherung der Konfessionen blieb jedoch aus. So verwundert es nicht, dass konservative Katholiken in gehobenen Leitungsfunktionen einer von evangelischer Seite angeregten Einladung zur Teilnahme am 500-jährigen Reformationsjubiläum 2017 eher kritisch gegenüber stehen.

Jedenfalls wünscht sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, vom neuen Papst, dass der weiter das Gespräch mit den Kirchen der Reformation sucht. Ein wichtiges Ziel wäre das gemeinsame Abendmahl katholischer und evangelischer Christen, so der höchste evangelische Repräsentant in Deutschland.

Liebe zur Orthodoxie

In der ersten Zeit seines Pontifikats hatte Benedikt XVI. hingegen die Ökumene mit der Orthodoxie ganz oben auf die Agenda gesetzt. Vor allem in Fragen des Kirchenverständnisses und der Liturgie gibt es bis heute weitreichende Übereinstimmungen. Auch gegen Ende seines Deutschlandsbesuchs 2011 betonte Benedikt bei einem Treffen mit orthodoxen Vertretern, er habe die Orthodoxie "lieben gelernt" und sprach ausdrücklich von einer "Wiederherstellung der vollen Einheit, die wir erhoffen".

Istanbul, TURKEY: Pope Benedict XVI and Ecumenical Orthodox Patriarch Bartholomew celebrate a mass at the Holy Spirit Cathedral in Istanbul, 01 December 2006. The Pope released four white doves, symbols of peace, into the air outside the Cathedral of the Holy Spirit before celebrating the second and final mass of his busy four-day visit to Turkey. AFP PHOTO / ARTURO MARI / OSSERVATORE ROMANO (Photo credit should read ARTURO MARI / OSSERVATORE ROMANO/AFP/Getty Images)

Der Papst mit mit dem Orthodoxem Patriarchen Bartholomäus I.

Benedikt pflegte den regelmäßigen Austausch mit dem Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christenheit, Patriarch Bartholomäus I. von Konstantinopel. Ein Treffen mit dem Oberhaupt der zahlenmäßig größten orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill I. von Moskau oder dessen Vorgänger, kam allerdings nie zustande. Dennoch würdigt der Außenamtschef der russisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Hilarion, den Beitrag von Papst Benedikt XVI. zur Verbesserung des katholisch-orthodoxen Verhältnisses. Seit Benedikts Pontifikat gebe es in den Beziehungen beider Kirchen eine "positive Dynamik", so Hilarion.

Konkrete Wege in Richtung Kircheneinheit wurden jedoch auch hier mangels tragfähiger ökumenischer Brücken nicht beschritten.