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Kultur

Neuer Nachwuchs-Wettbewerb

Fusionsgerüchte bei Opern und Orchestern, Sparmaßnahmen bei öffentlich-rechtlichen Sendern: Konsequenzen hat die Ebbe in den Kulturkassen auch für die ohnehin nicht rosige Lage der Nachwuchskomponisten in Deutschland.

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Auch früher schon konnten große Meister nur durch Zuwendungen adeliger Gönner überleben. Aber was einst Mozart und Wagner vor den Gläubigern rettete, ist heute durch ein ebenso unsicheres System ersetzt: Der Komponistennachwuchs braucht Förderung. Nach der klassischen Musikhochschulausbildung freischaffend zu arbeiten und ab und an einen lukrativen Kompositionsauftrag zu bekommen, das ist ein selten erfülltes Idealbild. Kaum ein Berufsanfänger könne sich inzwischen noch von seiner Kunst ernähren, sagen Experten.

Geförderte Weiterentwicklung

Die Lage ist aber nicht hoffnungslos. Auch wenn der Frankfurter Komponist und Dirigent Michael Sell kürzlich eine kunstfeindliche Gesellschaft und die Ignoranz von Politikern beklagte: Deutschland ist, bei allen Sparmaßnahmen, noch immer eines der im Kulturbereich am besten ausgestatteten Länder. Und für Komponisten gibt es nach dem Abschluss des Studiums eine Reihe von Möglichkeiten, ihre Kunst weiter entwickeln zu können: Fördermaßnahmen, Stipendien und Studienaufenthalte im In- und Ausland.

Diese Unterstützung ist auch notwendig, denn Komponisten finden - anders als etwa Maler oder Bildhauer - für ihre Werke eher selten private Abnehmer. Sie scheinen deshalb auf Arbeitsaufträge von Theatern oder Sendern angewiesen. Georg Katzer, der selbst eine klassische Ausbildung absolviert hat und schon lange freischaffend als Komponist erfolgreich ist, differenziert gegenüber DW-WORLD: "Komponisten sind besser dran als bildende Künstler, die auf Verkäufe angewiesen sind." Denn Komponisten können zumindest theoretisch von den Lizenzen für ihre Werke leben.

Zweites Standbein

Wer für einen eher "kleinen Kreis" komponiert, wie den Bereich der E-Musik, kann oft von der Musik allein nicht leben. Trotzdem bezeichnet auch Franz Müller-Heuser, der Präsident des Deutschen Musikrates, die Situation als kaum schwieriger als in der Vergangenheit. Lediglich die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten hielten sich mit Aufträgen zurück. Aber auch ohne die aktuellen Haushaltskürzungen brauchen die meisten Komponisten ein zweites Standbein. Und das ist in den meisten Fällen der Lehrberuf, als Dozent an einer Hochschule oder als Privatlehrer.

Sebastian Stier, Absolvent der Hanns-Eisler-Schule, lebt "ungefähr zur Hälfte" vom Komponieren. Auch der 32-Jährige unterrichtet nebenher, als Absicherung - und um Freiraum zu haben für Projekte, die ihn interessieren. Seine Situation ist stabil - und deshalb mag er "nicht einstimmen in diese weinerliche Stimmung", so Stier gegenüber DW-WORLD. Der junge Komponist betont vor allem die Kontakte, die er bei seiner Arbeit außerhalb der Hochschule geknüpft hat.

Vorbereitung auf die Durststrecke

Um auf die Marktsituation zu reagieren, bieten auch verschiedene Musikhochschulen Weiterbildungsmöglichkeiten an. Die Pressesprecherin der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (hfmdk), Sylvia Dennerle, erklärt: "Wir werden künftig interdisziplinär ausbilden und unseren Studenten damit Wege in die so genannten Brückenberufe weisen". Brückenberufe sind jene, die im Umfeld des eigentlichen Studiums angesiedelt sind, etwa der des Journalisten oder des Theater- oder Kulturmanagers. Zwar sei die Zahl der Kompositions-Studenten an der hfmdk mit rund zehn in den vergangenen Jahren nicht gestiegen, aber es gebe insgesamt zu viele Musikhochschulen in Deutschland mit zu vielen Absolventen, erklärt Dennerle.

Auch wenn sich Begabtenförderung nicht nur nach Marktkriterien richten darf, muss auch Georg Katzer gewisse Härten zugeben: "Man braucht einen Überschuss, damit man eine Auswahl hat." Fünf bis zehn Jahre dauert es, bis sich ein Komponist nach der Ausbildung etabliert hat. Auf dieser "Durststrecke" müssen die Nachwuchskünstler erst ihren Stil finden. Kann man heute jungen Künstlern dennoch empfehlen Komposition zu studieren? Katzer ist da realistisch: Manche schaffen es, manche nicht. Und "Glück gehört auch ein bisschen dazu."

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