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Aktuell Deutschland

Neuer Mordversuch-Vorwurf gegen Zschäpe

Für eine Überraschung im NSU-Prozess hatte zuletzt Carsten S. gesorgt. Er brachte mit seiner Aussage über einen Rohrbombe-Anschlag in Nürnberg die Ermittler auf eine neue Spur: auch hier soll der NSU zugeschlagen haben.

Bevor der Prozess gegen Zschäpe und vier weitere Angeklagte heute in München fortgesetzt wurde, sorgte ein Zeitungsbericht für Wirbel. Danach hat der Generalbundesanwalt offiziell Ermittlungen gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe eingeleitet. Der Vorwurf: Mordversuch im Jahr 1999 in Nürnberg. Damals war in der Toilette einer Gaststätte in der Scheurlstraße eine Rohrbombe zum Teil explodiert und hatte einen 18-Jährigen verletzt.

Ein Straßenschild mit der Aufschrift 'Scheurlstraße' (Foto: dpa)

In einer Bar in der Scheurlstraße wurde die Rohrbombe deponiert

Die Bundesanwaltschaft gehe davon aus, dass bei dem Anschlag ein Mensch getötet werden sollte, sagte der Sprecher der Behörde, Markus Köhler der "Süddeutschen Zeitung". Die Bombe galt offensichtlich dem türkischen Wirt der Nürnberger Kneipe. Eine Putzhilfe fand den als Taschenlampe getarnten Sprengstoff unter dem Waschbecken, betätigte einen Knopf und wurde durch die darauf folgende Explosion leicht verletzt.

Gefährliche Bombe

Nach "SZ"- Informationen war das 13,5 mal zwei Zentimeter große Eisenrohr, in dem der Sprengstoff abgefüllt war, nicht geplatzt und hatte so keine Splitterwirkung entfaltet. Offenbar waren die Enden des Rohrs nicht fest genug verschraubt, so dass der Druck entweichen konnte. "Wäre das Rohr geplatzt, wie von den Tätern geplant, dann hätte das Opfer keine Hände mehr und vermutlich auch keine Augen", zitiert die Zeitung einen Experten, der mit den Ermittlungen von 1999 vertraut ist. "Auf jeden Fall hätte das Opfer Bombensplitter in Gesicht und Brust."

Carsten S. mit Kapuze (Foto: Reuters)

Die Aussage von Carsten S. führte zu den neuen Ermittlungen

Die Teile der Bombe liegen dem Bericht zufolge noch in der Asservatenkammer. Sie würden nun auf DNA und Fingerabdrücke von Zschäpe und ihren beiden mutmaßlichen, mittlerweile toten Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt untersucht. 1999 hatte die Polizei keine Hinweise auf ein Motiv.

Weitere Befragung von Carsten S.

Der NSU-Prozess wurde mit der Befragung von Carsten S. vor dem Oberlandesgericht München fortgeführt. Dabei wurde er vor allem von den Anwälten der Nebenkläger zu seinen Verbindungen in der rechten Szene befragt. Der 33-jährige Sozialpädagoge hatte bereits am Donnerstag umfassend ausgesagt. Der Mitangeklagte, der die Tatwaffe für neun Morde besorgt haben soll, ist seit langem aus der Neonazi-Szene ausgestiegen. Beate Zschäpe muss sich bisher wegen zehnfachen Mordes und mehrerer Mordversuche des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) verantworten.

li/sti (dpa, rtr)