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Afrika

Neuer MINUSMA-Chef Annadif: "Kein Frieden ohne die Malier"

Trotz Friedensvertrag, trotz Blauhelmeinsatz: Im Norden Malis herrschen weiter Chaos und Gewalt. Jetzt übernimmt der Tschader Mahamat Saleh Annadif die UN-Mission MINUSMA. Im Interview spricht er über seine Ziele.

Deutsche Welle: Herr Annadif, am 15. Januar lösen Sie offiziell den Tunesier Mongi Hamdi an der Spitze der MINUSMA ab, der derzeit verlustreichsten UN-Mission. Es gibt zwar ein

Friedensabkommen

zwischen Malis Regierung und verschiedenen Rebellengruppen, aber die Gewalt gerade im Norden des Landes geht weiter. Wie wollen sie das ändern?

Mahamat Saleh Annadif: Ich habe ein einfaches Prinzip: Wenn die Vereinten Nationen vor Ort sind, wenn ich vor Ort bin, dann dient das einzig und allein einem Zweck: den Maliern zu helfen. Es kann keinen Frieden geben ohne die Malier. Die MINUSMA-Truppen sind seit ungefähr zwei Jahren im Land und ich habe das Glück, dass es bereits einen Fahrplan gibt, der im Abkommen von Algier vom 20. Juni 2015 festgelegt wurde. Ich werde mit den Maliern dafür kämpfen, diesen Friedensvertrag umzusetzen - das heißt mit allen Akteuren, die am politischen Prozess beteiligt sind. Dabei muss man immer betonen, dass die Umsetzung im Interesse von Mali und seinen Partnern ist. Deshalb werde ich auch mit den Nachbarländern Gespräche führen, aber auch mit Frankreich und der Europäischen Union.

Vor allem in Nordmali ist die Sicherheitslage äußerst angespannt, aber auch in der Hauptstadt Bamako haben Terroristen am 20. November 2015 das

Hotel Radisson Blu attackiert

, 20 Menschen wurden getötet, darunter 14 Ausländer. Was kann die MINUSMA unternehmen, um solche Angriffe künftig zu verhindern?

Mahamat Saleh Annadif (Foto. Dariustone Blaise / DW)

Der neue MINUSMA-Chef: Mahamat Saleh Annadif

Die MINUSMA ist eine UN-Friedensmission und hat als Hauptaufgabe die Versöhnung der Malier untereinander, besonders derjenigen, die das Abkommen unterschrieben haben. Gleichzeitig gibt es verschiedene terroristische Gruppen, die diesen Weg nicht mitgehen wollen. Oft kennt man ihre Ziele nicht. Sie sind vom Töten, Terrorisieren und Zerstören überzeugt. Trotzdem werden wir das Friedensabkommen umsetzen, auch mit der Hilfe Frankreichs. Wir werden alles unternehmen, um die Terroristen zu bekämpfen, damit sie keine ähnlichen Angriffe wie in Bamako durchführen können.

Die Terroristen erhöhen aber den militärischen Druck auf die MINUSMA. Brauchen Sie nicht ein robusteres Mandat, das einen aktiveren Anti-Terror-Kampf der UN-Truppen erlaubt?

Das Mandat ist robust genug, um gegen Terroristen vorzugehen. Ich setze viel mehr darauf, den malischen Akteuren klar zu machen, dass die MINUSMA da ist, um sie bei der Versöhnung zu unterstützen. Ich werde mich zuerst für eine Versöhnung zwischen der MINUSMA und den Maliern einsetzen, um das Vertrauen wieder aufzubauen. Gemeinsam werden wir der malischen Armee helfen, damit sie den asymmetrischen Krieg gegen die Terroristen führen kann.

Wird die MINUSMA dann direkt intervenieren?

Natürlich. Das Mandat erlaubt der MINUSMA sich zu verteidigen, wenn sie attackiert wird. Ich bin optimistisch, dass die UN-Soldaten, die malische Armee und die französischen Kontingente diesen asymmetrischen Krieg unter Kontrolle bringen können.

Flüchtlinge, die versuchen über Mauretanien nach Nord-Mali zu gelangen, um nach Europa zu kommen, werden oft von bewaffneten Gruppen aufgehalten. Haben Sie keine Angst, dass diese Menschen von diesen Milizen angeworben werden könnten?

Ich muss mir erst ein Bild über die konkrete Lage vor Ort verschaffen, aber ich weiß, dass das eine Möglichkeit ist. Sogar die malischen Flüchtlinge, die in Burkina Faso, Mauretanien oder Niger sind, könnten rekrutiert werden. Es ist unsere Aufgabe und die der internationalen humanitären Organisationen, die Flüchtlinge zu schützen, damit sie nicht in die Hände von Drogenhändlern und Terroristen fallen.

Ihre Vorgänger hatten nicht besonders gute Beziehungen zur malischen Regierung. Wie wollen Sie die Zusammenarbeit verbessern?

Ich kenne die Beziehung meiner Vorgänger zur malischen Regierung nicht. Ich weiß nur, dass die Regierung in Bamako mit meiner Ernennung einverstanden war. Meine Aufgabe wird es sein, den Maliern zu helfen, zurück zum Frieden zu finden und die territoriale Integrität des Landes zu bewahren. Ich setze auf Dialog: diskutieren, verhandeln und sich mit den Maliern verständigen.

Herr Annadif, danke für das Gespräch.

Der Tschader Mahamat Saleh Annadif war von 1997 bis 2003 tschadischer Außenminister und ab 2004 Direktor des Kabinetts von Präsident Idriss Déby. Seit November 2012 leitete er die Mission der Afrikanischen Union in Somalia (AMISOM). Im Dezember 2015 ernannte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon Annadif zum neuen Chef der 10.000 UN-Soldaten in Mali.

Das Interview führte Blaise Dariustone.

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