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Afrika

Neuer Militärchef soll Milizen bekämpfen

Tausende Menschen sind vor den heftigen Kämpfen in Mogadischu auf der Flucht. Ein Krankenhaus musste geschlossen werden. Nun hat Somalias Präsident einen Wechsel an der Spitze des Militärs verfügt.

Radikal-islamische Milizen haben Stellungen nahe dem Präsidentenpalast in Mogadischu ein (Foto: AP)

Radikal-islamische Milizen liefern sich schwere Kämpfe mit dem Militär

Der somalische Präsident Sheik Sharif Ahmed hat am Freitag (15.05.2009) inmitten schwerer Kämpfe zwischen Regierungstruppen und radikal-islamischen Milizen einen neuen Militärchef ernannt. Nach Berichten eines somalischen Rundfunksenders befehligt nun der frühere Polizeioffizier General Yusuf Osman Dhumal das Militär und führt den Kampf gegen die Milizen weiter. Die Milizen bringen die Übergangsregierung zunehmend in Bedrängnis.

Somalias Präsident Sheik Sharif Sheik Ahmed (Foto: AP)

Somalias Präsident Sheik Sharif Ahmed ernennt neuen Militärchef

Dhumals Vorgänger, General Said Dheere Mohamed, wurde zum Sicherheitsberater des Präsidenten bestellt, wie unter Berufung auf einen Regierungssprecher verlautete. Seit mehr als einer Woche dauern die jüngsten Gefechte in der somalischen Hauptstadt Mogadischu an. Dabei wurden offiziellen Regierungsangaben zufolge mehr als 100 Menschen getötet und 420 weitere verletzt. Tausende sind seit vergangenem Donnerstag aus Mogadischu geflohen. Die somalische Regierung gibt die Zahl der Flüchtlinge mit rund 18.000 an, das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen, UNHCR, spricht von etwa 30.000 Menschen. Die UN-Organisation äußerte sich tief besorgt über die jüngste Eskalation der Gewalt und das erneute Flüchtlingselend in Somalia.

Sorge über die hohe Zahl ziviler Opfer

Somalis tragen einen Toten in der Hauptstadt Mogadischu (Foto: AP)

Die blutigen Unruhen in Somalia fordern viele Opfer

Viele Einwohner hätten wegen der anhaltenden schweren Kämpfe tagelang in ihren Häusern in Mogadischu in der Falle gesessen und hätten nicht einmal die Stadt verlassen können, sagte eine UNHCR-Sprecherin in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Die Flüchtlinge seien mit Hunderten von Kleinbussen in die Stadt Afgooye gebracht worden, die nordwestlich von Mogadischu liegt. Dort lebten inzwischen rund 400.000 Bürgerkriegsflüchtlinge auf engstem Raum, so die Sprecherin des UN-Flüchtlingswerks.

Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes äußerte sich besorgt über den hohen Anteil von Zivilisten unter den Opfern. Allein in dieser Woche seien in den beiden noch funktionierenden Krankenhäusern in Mogadischu mehr als 400 Zivilisten behandelt worden, darunter viele Frauen und Kinder, hieß es.

"Ärzte ohne Grenzen" schließen Klinik

Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" musste wegen der heftigen Kämpfe eine Klinik im Norden von Mogadischu schließen; trotz des großen Andrangs von Verletzten. Die Mitarbeiter drohten zwischen die Fronten der Kämpfenden zu geraten, so die Organisation. Das Krankenhaus werde wieder geöffnet, sobald die Sicherheitslage es zulasse.

In dem ostafrikanischen Land herrscht seit dem Sturz von Diktator Siad Barre im Jahr 1991 Bürgerkrieg. Es gibt keine funktionierende Zentralregierung mehr. Die Übergangsregierung von Präsident Sheik Sharif Ahmed liefert sich seit dem Abzug verbündeter äthiopischer Truppen zu Beginn des Jahres immer heftigere Kämpfe mit radikalen Islamistenmilizen.

Bundesregierung warnt vor Fahrten vor Somalias Küste

Ein Piratenboot nimmt Kurs auf eine Fregatte (Foto: dpa)

Die Lage vor der somalischen Küste bleibt gefährlich

So lange die instabile Lage in Somalia anhält, bleibt auch die Lage am Golf von Aden brisant. Die Bundesregierung bekräftigte ihre Warnungen vor Fahrten vor Somalias Küste. "Es bleibt dabei: Dieses Seegebiet ist gefährlich. Unser Appell ist, das Seegebiet zu meiden", sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, am Freitag in Berlin. Verteidigungsminister Franz Josef Jung hatte es zuvor als "hochriskant und fahrlässig" verurteilt, dass vor Somalias Küste noch immer Segelregatten starteten und Kreuzfahrtschiffe Vergnügungsreisen unternähmen.

Im Kampf gegen die Piraten schickt Japan nun Aufklärungsflugzeuge an die Küste vor Somalia. Verteidigungsminister Yasukazu Hamada gab am Freitag den Einsatzbefehl für zwei Flugzeuge, die die beiden japanischen Zerstörer unterstützen sollen, die seit März im Golf von Aden patrouillieren. Die Aufklärungsflugzeuge werden ihren Einsatz voraussichtlich im Juni beginnen. In der Region sind bereits mehr als ein Dutzend anderer Kriegsschiffe aus verschiedenen Ländern im Einsatz, darunter auch aus Deutschland. Trotzdem gelingt es den Piraten immer wieder, neue Schiffe in ihre Gewalt zu bringen, für die sie anschließend Lösegeld verlangen. Zurzeit befinden sich mindestens 20 Schiffe in der Hand von Piraten, darunter auch drei deutsche. (kis/chr/dpa/afp/epd)

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