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Wirtschaft

Neuer Markt wird abgeschafft

Nach fünf Jahren ist der Neue Markt am Ende. Die Deutsche Börse will dieses Marktsegment bis Ende 2003 abschaffen. Damit zieht die Börse die Notbremse.

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Gähnende Leere am Neuen Markt

Der Neue Markt hatte bei den Anlegern durch gefälschte Bilanzen, Pleiten und Insidergeschäfte völlig an Vertrauen verloren. Einige der solideren Firmen wie der Windanlagenbauer Energiekontor haben den Neuen Markt bereits seit längerem verlassen.

Seit seinen Hochzeiten im Frühjahr 2000 bei einem Stand von etwa 9.600 Punkten hat der Nemax50 über 95 Prozent an Wert verloren. Damals waren die über 200 Firmen des Neuen Marktes satte 234 Milliarden Euro wert. Heute kann man alle Firmen für knapp 30 Milliarden kaufen.

In Zukunft soll es zwei Segmente an der Börse geben: Zum einen das so genannte Segment "Prime Standard", das hohe Anforderungen an die Unternehmen bezüglich ihrer Veröffentlichungspflichten stellen soll. Das bedeutet zum Beispiel, alle drei Monate einen Geschäftsbericht vorzulegen. Hier werden die meisten Firmen, die derzeit zum DAX oder dem marktbreiteren MDAX gehören, landen. Zum anderen soll es einen so genannten "Domestic Standard" geben, in dem nur die deutschen Mindest-Vorschriften Pflicht sein sollen.

Im Zuge der Umstellung soll übrigens auch das Kleinwertesegment SDax eingestellt werden, das nie so richtig in Schwung gekommen ist. Damit das Ganze in Kraft tritt, muss aber noch der Börsenrat zustimmen.

Trotz der Meldung über die geplante Auflösung des Neuen Marktes, konnte der Nemax50 an diesem Donnerstag um 2,6 Prozent auf 367 Punkte zulegen. Auch der DAX lag am zweiten Tag in Folge im Plus und kletterte wieder über die 3.000 Punkte-Marke. Er gewann 2 Prozent auf 3.021 Punkte. Dabei beflügelten Daten aus den USA die Kurse. Dort waren die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe überraschend stark zurück gegangen.

Die Auto-Branche lag deutlich im Plus, nachdem sich zahlreiche Unternehmen vom Automobilsalon in Paris mit positiven Geschäftsaussichten gemeldet hatten. BMW gewann 7 Prozent und Volkswagen gar 8 Prozent. Ohne Nachrichten setzte sich der Versorger E.on mit plus 9 Prozent an die Spitze des DAX. Hier gab es offenbar einige große Kauforders, die den Preis nach oben drückten.

Im Blickpunkt standen wieder einmal die beiden großen deutschen Versicherungen: Die Münchener Rück konnte deutlich um 8 Prozent zulegen. In den USA hat ein Gericht entschieden, dass die Anschläge auf das World Trade Center nur als ein Schadensereignis zu werten sind. Der Eigentümer des Gebäudes, Larry Silverstein, sah in den Anschlägen zwei getrennte Schadensereignisse. Er war pro Schadensereignis jeweils nur für den Verlust eines der beiden Türme versichert. Durch das Urteil müssen die Versicherungen nun keine weiteren Entschädigungen zahlen. Das spart der Münchener Rück als weltweit größtem Rückversicherer viel Geld. Sie hat durch die Terror-Anschläge bereits einen Schaden von über 2 Milliarden Euro.

Weniger gut sah es bei der Allianz aus, die 5,4 Prozent verlor. Sie will mit einem massivem Personalabbau um 11.000 Stellen und Kostensenkungen in Höhe von zwei Milliarden Euro ihre Tochter Dresdner Bank wieder fit machen. Außerdem soll sich die Dresdner Bank aus Asien und Lateinamerika zurückziehen. Eine Ohrfeige für das Sparprogramm kam aber von der führenden amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch. Sie stufte die Allianz auf "Verkaufen" herab. Es bestehe weiterhin ein wesentliches Abwärtsrisiko, betonen die Analysten. Die Merrill Lynch-Analysten sehen den fairen Wert der Aktie nur bei 90 Euro. Vor wenigen Monaten lag der Allianz-Kurs noch bei über 250 Euro.

Die führende Kreditbewertungsagentur Standard and Poor's sieht die Finanzkraft der Allianz aber weiterhin bei "AA+", also "sehr gut". Allerdings mit negativem Ausblick: Man analysiert derzeit den Restrukturierungsplan der Dresdner und dessen Auswirkungen auf die Allianz.

Die Bundesbank stellte die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen bei 4,13 Prozent fest. Am Vortag hatte sie 4,11 Prozent betragen. Der Bund-Future verlor leicht um 0,1 Prozent auf 112,12.

Wenig Bewegung auch bei den Devisenkursen. Nach den Referenzkursen der Europäischen Zentralbank entsprach ein Euro: 0,9796 US-Dollar, 0,6274 Britische Pfund und 120,22 Japanische Yen.

Die Dax-Kurse im Einzelnen, wie immer in Euro und ohne Gewähr:

Altana 40,02 (+ 0,74)

adidas-Salomon 67,02 (+ 0,41)

Allianz 97,28 (- 5,59)

BASF 37,40 (+ 0,69)

Bayer 19,82 (+ 0,84)

HypoVereinsbank 16,11 (- 0,11)

BMW 34,32 (+ 2,21)

Commerzbank 7,54 (- 0,13)

DaimlerChrysler 37,20 (+ 1,23)

Deutsche Bank 50,60 (- 0,25)

Deutsche Post 9,17 (- 0,10)

Deutsche Telekom 9,62 (- 0,13)

E.ON AG 50,00 (+ 4,20)

EPCOS 8,54 (- 0,30)

Fresenius Med. Care 23,46 (+ 0,67)

Henkel 65,11 (- 0,79)

Infineon Techno 6,68 (- 0,33)

Linde 37,06 (+ 0,61)

Lufthansa 10,19 (+ 0,51)

MAN 14,99 (+ 0,07)

Metro 18,84 (+ 0,24)

MLP 8,94 (+ 0,02)

Münchener Rück 121,97 (+ 8,98)

TUI AG 17,32 (+ 0,02)

RWE 31,81 (+ 1,57)

SAP 49,20 (- 2,52)

Schering 53,11 (+ 3,31)

Siemens 38,00 (- 0,32)

ThyssenKrupp 11,40 (+ 0,20)

VW 39,66 (+ 3,02)

  • Datum 26.09.2002
  • Autorin/Autor Johannes Beck
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2heM
  • Datum 26.09.2002
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