Neuer Klang fürs Opernhaus von Sydney | Musik | DW | 12.08.2016
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Musik

Neuer Klang fürs Opernhaus von Sydney

Das weltberühmte Opernhaus von Sydney wird saniert. Das Herzstück des 140-Millionen-Euro-Projekts liegt in deutschen Händen. Experten aus München optimieren den Raumklang. Kein leichter Job.

Ihre Referenzliste ist lang und exklusiv. Gunter Engel und Jürgen Reinhold haben schon Opernhäusern, Theater- und Festsälen auf der ganzen Welt zu brillantem Klang verholfen – dem Moskauer Bolschoi-Theater ebenso wie der neuen Oper in Florenz, der Felsenreitschule in Salzburg oder dem nach einem Brand wiederaufgebauten Teatro La Fenice in Venedig. Nun sollen sie es in Sydney richten, im Wahrzeichen Australiens. Denn trotz der spektakulären Hülle – das 1973 von Queen Elizabeth II. eröffnete Opernhaus machte seither mit einer miserablen Akustik von sich reden.

Die Münchener Raumakustik-Experten Gunter Engel (re) und Jürgen Reinhold vor dem Operhaus von Sydney. Foto: Müller-BBM

Die Münchener Raumakustik-Experten Gunter Engel (re) und Jürgen Reinhold

Zu klein und zu verschachtelt sei das Mehrzweckgebäude, das seit 2007 zum Weltkulturerbe zählt und jährlich rund acht Millionen Besucher anzieht. Im Orchestergraben des Opernsaals hätten gerade mal Liliputaner mit Piccoloflöten Platz, monierten Kritiker. Den Architekten des Wunderwerks, den Dänen Jørn Utzon, traf keine Schuld: Er war die Streitereien leid - über vielfach höhere Kosten, überzogene Fristen, aber auch über permanente Kritik an seiner gewagten Konstruktion. Utzon packte entnervt seine Koffer und zog sich zurück. 1966 war das. Architekten der Regierung bauten das Projekt zu Ende, mit teuren Spätfolgen: 202 Millionen australische Dollar (rund 139 Millionen Euro) muss der australische Bundesstaat New South Wales jetzt für die Renovierung ausgeben.

Deutsche Klangexperten in Sydney

Blick in das Opernhaus von Sydney. Foto: Privat

Sydneys Opernhaus vor der Sanierung

Zwei Aufträge zur Raumklangoptimierung hat die Münchener Spezialfirma Müller-BBM ergattert, deren Projektleiter Engel und Reinhold eher leise Töne anschlagen. Zumindest beim Konzertsaal des Opernhauses, sagt Engel, sei "der Ruf schlechter als der Klang". Reinhold nennt die Konzertsaal-Akustik, die vor Jahren schon einmal verändert wurde, "schon ganz gut". Einziges Manko: Die Raumproportionen seien ungünstig, der Raum zum Teil kirchenhoch, was den Zuschauern einen unerwünschten Nachhall beschere. Ein größerer Umbau scheint unumgänglich.

Aber auch im Opernsaal zeigt die Akustik laut Reinhold "gewisse Schwächen". Ob Mozart, Beethoven oder Grieg: Der Ton klingt nicht nach. Fachleute nennen den Effekt "trockene Akustik". "Im Orchestergraben herrschen Platzverhältnisse, die ein europäisches Spitzenorchester nicht lange mitmachen würde", sagt Engel.

Blick in den Konzertsaal. Foto: Privat

Der Konzertsaal

Orchestergraben und Saal, auch das hat die Bestandsaufnahme ergeben, müssen deshalb akustisch verbessert werden. Engel und Reinhold möchten die glatten, schallreflektierenden Flächen verringern und durch schallschluckende ersetzen. An der drangvollen Enge freilich können auch sie nichts ändern.

Elektronische Raumakustik hilft

Bei ihrer Arbeit müssen die deutschen Experten die Auflagen des Denkmalschutzes beachten. "Was wir hineinhängen", erklärt Reinhold, "muss wieder herausnehmbar sein." Das Erscheinungsbild des Opernhauses darf nicht verändert werden. "Unser Job ist die Quadratur des Kreises." Aber die Experten aus Deutschland haben noch ein Ass im Ärmel, die Elektronik: "Wo die natürliche Raumakustik an ihre Grenzen stößt, setzen wir Mikrofone und Lautsprecher ein", so Projektleiter Engel, "immer nur so, dass die Leute es nicht merken." Auch anderswo kam solche Technik bereits zum Einsatz, etwa in der Royal Albert Hall in London oder in der Staatsoper Berlin.

Die Musik soll schöner klingen. Blick in den Opernsaal. Foto: Privat

Das Ziel: besserer Klang dank elektronischer Akustik

Wie bekannt das Opernhaus von Sydney ist, zeigte sich bei der Bewerbung um die Olympischen Spiele 2000: Die angedeutete Silhouette des Daches reichte als Erkennungszeichen aus. Keine Attraktion Australiens zieht heute mehrMenschen an. Rund 1,3 Millionen Besucher sehen dort jedes Jahr eine Veranstaltung, 300.000 nehmen an einer Führung teil, sieben Millionen kommen, um zu staunen und zu fotografieren. Als der damals kaum bekannte Jørn Utzon Ende der 1950er Jahre den Auftrag für den Bau gewann, war die Vorstellung, ein Tourist würde nach Australien reisen, um ein Gebäude zu sehen, absurd. Die Begriffe "Kultur" und "Australien" passten kaum zusammen. Das hat sich gründlich geändert, nicht zuletzt durch das lange umstrittene Opernhaus.

Der Däne Jørn Utzon erhielt 2003, fünf Jahre vor seinem Tod, den Pritzker-Preis, eine Art Nobelpreis für Baukunst. Sein Meisterwerk in Sydney bekam er nie selbst zu Gesicht, nie hörte er ein Konzert in der schönen, segelgleichen Bauskulptur, deren architektonische Hülle, wie es scheint, einfach nur falsch gefüllt wurde. Denn wo Utzon den größeren Opernsaal plante, zog das Orchester ein. Im von ihm geplanten Konzertsaal werden heute Opern aufgeführt.

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