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Filme

Neuer Glanz für alten Löwen

Kurz vor dem Start des Filmfestivals Venedig an diesem Donnerstag (29.08.02) setzt der neue Festspiel-Chef Moritz de Hadeln auf Provokation. "Der Goldene Löwe ist nichts mehr wert", meckerte er über seine eigene Trophäe.

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Möchte ihn überhaupt noch jemand haben?

Das soll jetzt anders werden.Tatsächlich ist der 62-jährige de Hadeln, der über 20 Jahre Leiter der Berlinale war, dabei, in Venedig einiges auf den Kopf zu stellen: Erstmals seit vier Jahren starten bei dem Film-Wettbewerb, der noch bis zum 8. September geht, auch wieder deutsche Filmemacher.

Moritz de Hadeln, Venedig Film Festival

Moritz de Hadeln, 62, Festspiel-Direktor

Statt reihenweise schwer Verdaulichem, vor allem aus fernöstlichen Ländern, sind diesmal Hollywood-Produktionen angesagt. "Kino ist nicht nur Kunst, das ist auch eine Industrie", sagte de Hadeln. "Viele Stars, wenig Osten", bringt eine italienische Zeitung die Trendwende dankbar auf den Begriff und fragt "sind die langen Jahre der Tristesse am Lido vorbei?"

Dörrie & Co

Vor allem die Deutschen dürfen sich freuen. Mit "Nackt" von Doris Dörrie und "Führer Ex" von Winfried Bonengel sind gleich zwei deutsche Beiträge unter den 21 Wettbewerbsfilmen. Hinzu kommen Koproduktionen: die Liebesgeschichte "Bear's Kiss" des russischen Regisseurs Sergej Bodrov ("Gefangen im Kaukasus") und "Julie Walking Home" der polnischen Regisseurin Agnieszka Holland.

Doris Dörrie trumpft mit Starbesetzung auf: Heike Makatsch, Benno Fürmann, Nina Hoss und Jürgen Vogel spielen in dem bizarren Beziehungsfilm, in dem mehrere Paare das Experiment eingehen, ob Männer denn die eigene Frau mit geschlossenen Augen erkennen können. Das Buch dazu hat die 47-jährige Regisseurin selbst geschrieben.

Bei "Führer Ex" geht es um ein Stück deutsch-deutscher Vergangenheit: Zwei Freunde wollen aus der DDR in den Westen türmen, scheitern zunächst - und schließen sich düsteren Neo-Nazi-Gruppen an.

Wehmütige Erinnerungen

Mira Nair

Vorjahressiegerin Mira Nair gewann den Golden Löwen für den Besten Film

Deutsche Erfolge in Venedig sind lange her. Als 1998 "Lola rennt" im Wettbewerb stand, ging der Film leer aus. Den letzten Goldenen Löwen für einen Deutschen gab es 1982. Wim Wenders erhielt ihn für "Der Stand der Dinge". Das klingt heute, als sei es ein anderes Zeitalter gewesen.

Damals war Autorenkino in Venedig angesagt. Jahrzehnte lang wollte man sich am Lido vom schnöden Kommerz absetzen. Dritte-Welt-Filme wurden gefördert - mit zweifelhaftem Erfolg. Selbst wohlwollende Kritiker begannen in den vergangenen Jahren laut zu stöhnen.

Der neue italienische Ministerpräsident und Fernsehmann Silvio Berlusconi ließ gleich nach seiner Wahl vor einem Jahr durchblicken, dass er sich das Ganze künftig etwas anders vorstellt - da stöhnte wiederum die italienische Kulturlinke auf. De Hadeln trägt das nach seiner Zeit in Berlin mit Fassung: "Sicherlich, dass ist das erste Festival unter der Mitte-Rechts-Regierung. Aber für mich ist das nichts Neues: Ich habe die Berlinale 16 Jahre lang unter der Regierung Kohl geleitet."

Alte Haudegen

Die chinesische Schauspielerin Gong Li ist Jurymitglied der Filmfestspiele in Venedig

Gong Li, Vorsitzende der Jury

Internationale Prominenz spielt diesmal reihenweise in Venedig auf: Etwa das Gangsterstück "Road to Perdition" von Sam Mendes ("American BeautyK") mit Tom Hanks und Paul Newmann, "Frida" von Julie Taymor, unter anderem mit Antonio Banderas, oder "Dirty Pretty Things" von Stephen Frears. Topstars treten auch außerhalb des Wettbewerbs an, etwa Clint Eastwood ("Blood Work") oder Steven Soderbergh mit "Full Frontal".

Vorsitzende der Jury ist der chinesische Topstar Gong Li ("Die rote Laterne"). Hier gibt es nur ein kleines Problem, räumt Festivaldirektor de Hadeln ein. "Sie spricht nur Chinesisch und braucht einen Übersetzer. Sie sagt mir schon seit zehn Jahren, dass sie Englisch lernt." (mas)

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