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Wissen & Umwelt

Neuer Genmais für Europas Felder

Europa steht kurz davor, den Anbau einer neuen Sorte Genmais zu erlauben- wenn die EU-Regierungen zustimmen. Vor der Entscheidung gab es jahrelang Streit, Umweltschützer lehnen das genmanipulierte Getreide ab.

Die EU-Kommission stellte den Mitgliedsstaaten am Mittwoch (6.11.2013) einen Vorschlag für den Anbau einer neuen Sorte Genmais vor. Die Erlaubnis für den Anbau des sogenannten Mais 1507 soll noch dieses Jahr erteilt werden - es sei denn, eine Mehrheit der EU-Regierung lehnt den Vorschlag ab.

Die Maissorte wurde von der US-Firma Pioneer DuPont entwickelt, die den Antrag bereits 2001 bei der EU eingereicht hatte. Die Kommission schob ihn von einem Komitee ins nächste, ohne zu einer Entscheidung zu kommen, bis DuPont schließlich eine Beschwerde einreichte. Im September kam Europas zweithöchster Gerichtshof zu dem Schluss, dass die Kommission EU-Recht gebrochen hatte, in dem sie die Entscheidung über insektenresistenten Mais hinausgezögert hatte.

Mais mit vielen Talenten

Mais 1507 ist nicht nur insektenresistent - er produziert außerdem ein Pestizid und kann intensiv mit einem Unkrautbekämpfungsmittel namens Glufosinat Ammonium besprüht werden. Das genveränderte Getreide ist laut DuPont-Pressesprecher Jozsef Mate der Schlüssel zu ertragreicheren Ernten.

"Unser Produkt ist eine Lösung für Länder, in denen Insekten ein großes Problem für Landwirte darstellen, wie zum Beispiel in Spanien", sagt Mate der DW. "Die Landwirte können herbe Verluste erleiden. Es gibt Felder, wo 100 Prozent der Ernte vom Maiszünsler Schädling zerstört wurde."

Ein Landwirt zeigt am Donnerstag, 27. September 2007, auf einem Feld im brandenburgischen Badingen zwei Kolben des umstrittenen genmanipulierten Mais MON 810 des US-Konzerns Monsanto (Foto: AP Photo/Sven Kaestner)

Links zwei von Schädlingen befallene Maiskolben, rechts zweimal Genmais

Außerdem habe der Genmais schon sieben Kontrollen bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hinter sich. "Alle sind positiv und bestätigen, dass das Produkt sicher ist und keinerlei Probleme für Mensch, Tier und Umwelt macht", fügt Mate hinzu.

Greenpeace: kein wissenschaftlicher Konsens

Die Umweltschützer von Greenpeace nannten die EFSA Tests allerdings "schmerzlich unzureichend" und beschuldigten das Expertenteam, die Unbekannten in den Daten nicht erkannt zu haben. Der EU-Landwirtschaftsexperte von Greenpeace, Marco Contiero, sagt der DW, dass es in der Wissenschaftswelt immer noch keine Übereinstimmung über die Sicherheit von gentechnisch veränderten Lebensmitteln gibt.

Ein Mädchen hält ein Schild hoch, auf dem der Begriff GMO durchgestrichen ist. (Foto: REUTERS/Eduardo Munoz)

Weltweit gibt es Proteste gegen gentechnisch veränderte Organismen (GMO)

"Die Technologie kann unbeabsichtigte und unvorhersehbare Folgen haben", sagt Contiero. "Das ist eine unfertige Technik. Wir wissen, wie man irgendwie bis zu vier Gene in den Chromosomensatz einer Pflanze injiziert, aber wir wissen nicht, wie das dann den Chromosomensatz beeinflusst."

Contiero sagt, dass Genmanipulation dazu führen kann, dass sich DNA-Teile entwickeln, die keine klare, bekannte Bedeutung haben. Es gebe nicht genügend Informationen darüber, wie diese Teile des Chromosomensatzes, auch "Abfall-DNA" genannt, die Pflanzen und die Menschen, die sie essen, beeinflussen.

"Wir wissen einfach zu wenig über mögliche Folgen", sagt Contiero. "Es hat noch keine Studie über die Auswirkungen von genmanipulierten Lebensmitteln auf Menschen gegeben, ob kurz-, mittel- oder langfristig."

Keine Einigkeit bei Landwirten

Mais 1507 stößt in Frankreich, Österreich und Polen auf scharfe Ablehnung. In Großbritannien, Spanien und Schweden gibt es hingegen immer mehr Befürworter. Laut einer Umfrage von "Farmers Weekly" würden mehr als 60 Prozent der britischen Landwirte gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen, wenn es legal wäre.

"Zurzeit durchläuft genmanipuliertes Getreide mehr Sicherheitskontrollen als alle anderen Getreidearten", sagt Sian Davis von der britischen National Farmers Union der DW. "Wenn Landwirte in Spanien oder Portugal etwas anbauen wollen, dann ist Gentechnik ihre beste Lösung."

Ein Kunde steht vor einem Supermarktregal. (Foto: Oliver Berg/dpa)

In europäischen Supermärkten werden bereits gentechnisch veränderte Lebensmittel verkauft

DuPont Pressesprecher Mate fügt hinzu, dass Landwirte in der Lage sein sollten, selbst zu entscheiden, was sie anbauen. "Wenn ein Landwirt natürliche Samen anbauen möchte, soll er das tun. Wenn er lieber gewerbliche oder Biotech-Samen haben möchte, sollte das auch in Ordnung sein."

Mate kritisierte auch, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel, die auf europäischen Feldern verboten sind, aus anderen Ländern importiert werden. "Das ist weder wettbewerbsfähig, noch logisch oder rational", sagt er.

Die EU-Regierungen werden im Dezember über den Genmais-Vorschlag der Kommission abstimmen.

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