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Wirtschaft

Neuer Flughafen für eine Woche in Betrieb

Die Eröffnung des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg ist gerade wieder verschoben worden. Trotzdem wird es jetzt eine Woche regen Flugbetrieb auf dem Gelände geben - und Zehntausende Messe-Besucher.

Langsam rollt ein großer olivgrüner Hubschrauber der Bundeswehr zu seiner Parkposition am Rand der neuen Südbahn des Flughafens Berlin-Brandenburg. Dort stehen bereits ein Tornado, ein Eurofighter sowie zwei Kampfflugzeuge der US Air Force. Sie alle sind hier auf dem BER - so das Kürzel für den neuen Berliner Flughafen - gelandet, einem Flughafen, von dem Jürgen Freytag, Sicherheitschef der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA, nicht erwartet hatte, dass er im September 2012 noch geschlossen sein würde. "Was uns vor die Aufgabe gestellt hat, die sicherlich ein bisschen anspruchsvoll war, dass wir den BER für die ILA in Betrieb nehmen müssen." Mit allem, was dazu gehört, von der Sicherheitsüberprüfung über die Vogelflug-Prävention bis zur Zaunsicherung. "Die ILA betreibt jetzt den Südteil des Flughafens als den neuen BER", so Freytag.

A320 und A380 (Foto: Reuters)

Sie werden sicher auf der ILA Anziehungspunkte sein: Der Airbus A 320neo (li.) und der A 380

Sechs Tage Flugbetrieb, dann wieder Baustelle

Allerdings nur bis zum 16. September, dann erlöschen die temporär erteilten Genehmigungen. Bis dahin allerdings werden auf dem 250.000 Quadratmeter großen ExpoCenter Airport sechs Tage lang 270 Fluggeräte präsentiert, darunter die weltweit größten Passagierflugzeuge von Boeing und Airbus. 1200 Aussteller aus 40 Ländern sind zur Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA angereist. Die deutsche Luftwaffe sowie polnische, finnische und türkische Staffeln zeigen ihre Flugkünste, wenn auch unter sehr strengen Sicherheitsauflagen. Seit dem katastrophalen Unfall bei einer Flugschau auf der Air Base in Ramstein 1988 sind Kunstflüge mit militärischen Strahlflugzeugen in Deutschland verboten. "Was sie hier sehen werden, ist kein Kunstflug, sondern die Manöver die gezeigt werden, gehören zur Grundausbildung und zum Training von Militärpiloten", sagt Wolfram Cornelius, der Flugprogrammleiter der ILA.

Große Deals und kleine Geschäfte

Doch auch ohne risikoreiche Kunststücke werden auf der ILA mehr als 200.000 Besucher erwartet, darunter viele Fachbesucher. Die Messe gilt als das wichtigste Branchenereignis des Jahres auf dem europäischen Kontinent und ist neben Le Bourget bei Paris und Farnborough bei London weltweit die drittgrößte Ausstellung dieser Art. Im Gegensatz zu anderen Messen, die der Anbahnung von Geschäften dienen, ist eine Luftfahrtschau allerdings in erster Linie ein Schaufenster für die Branche. ILA-Direktor Stefan Graves erklärt das damit, dass Projekte in der Luft- und Raumfahrt einen sehr langen Vorlauf haben. Viele der milliardenschweren Geschäfte würden lange vorher angebahnt und dann presse- und öffentlichkeitswirksam auf solchen Messen verkündet. "Wir haben aber auch einen Bereich auf der ILA, wo sich kleine und mittelständische Zulieferer-Unternehmen präsentieren und dort werden auch kurzfristige Geschäfte abgeschlossen", so Graves.

C-130H (Foto: Reuters)

Auch Militärmaschinen wie diese C-130H Hercules locken die Besucher

Branche im Höhenflug

Trotz Schuldenkrise und Konjunkturflaute geht es der Luft- und Raumfahrtindustrie blendend. Die Auftragsbücher sind voll, denn der Luftverkehr wächst kontinuierlich. Jedes Jahr steigt das weltweite Passagieraufkommen um durchschnittlich fünf Prozent. Vor allem die Branchenriesen können einen Rekordauftrag nach dem anderen an Land ziehen. Allerdings werden die Airlines immer anspruchsvoller. Neue Maschinen sollen leiser und spritsparender sein. Eine Herausforderung vor allem für Turbinenhersteller wie MTU. Das Unternehmen zeigt auf der ILA unter anderem sein ziviles "Triebwerk der Zukunft", das ab 2015 im neuen Airbus A320neo arbeiten und den subjektiv empfundenen Lärm halbieren soll. In einer ersten Stufe, so erläutert Pressesprecherin Melanie Wolf, werde das Triebwerk eine CO2- und Kraftstoffersparnis von 15 Prozent ermöglichen. "Wir werden das in einer zweiten Stufe auf 20 Prozent steigern und im Jahr 2035 werden wir bei 30 Prozent CO2-Ersparnis sein."

Vom Weltall auf die Strasse

Technische Meisterleistungen sind auf der ILA auch im Space Pavilion zu sehen. Das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) stellt erstmals einen Roboter auf vier Rädern vor, der auf Erkenntnissen der planetaren Raumfahrt-Robotik basiert. Das Fahrzeug kann schräg und seitwärts fahren, auf der Stelle drehen und sich dank Kameras und Sensoren eigenständig orientieren. Das Robomobil, so erklärt Andreas Schütz vom DLR, sei ein Technologieträger der Zukunft. "Unsere Aufgabe ist es, aus großen Teilen der Grundlagenforschung Ergebnisse in die irdische Anwendung zu überführen." Deswegen baue das DLR solche Technologieträger," um beispielsweise die Mobilität auf der Straße, mit der es zunehmende Probleme gibt, aber auch die Elektromobilität sicherzustellen". Das auf der ILA ausgestellte Fahrzeug, so Schütz, könne in zwanzig oder dreißig Jahren durchaus die Straße erobern.

Im Space Pavilion werden außerdem alle wichtigen deutschen und europäischen Raumfahrtprojekte und -programme vorgestellt. Sie sollen unter anderem zeigen, wie nützlich die Raumfahrt für viele irdische Angelegenheiten ist und so dem Besucher wohl auch vermitteln, dass milliardenschwere staatliche Zuschüsse und damit Steuergelder gut angelegt sind.

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