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Wirtschaft

Neuer EZB-Chefvolkswirt kommt aus Belgien

Paukenschlag in Frankfurt: Nicht Jörg Asmussen wird neuer Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, sondern der Belgier Peter Praet. Damit wird dieser wichtige Posten erstmals nicht von einem Deutschen besetzt.

Peter Praet (Foto: dpa)

Neuer EZB-Chefökonom wird Peter Praet aus Belgien

Das neue Jahr beginnt in der Europäischen Zentralbank (EZB) mit einer faustdicken Überraschung: Der Belgier Peter Praet wird neuer Chefvolkswirt. Eine entsprechende Entscheidung habe das Direktorium der Bank am Dienstag (03.01.2012) getroffen, teilte die EZB mit. Praet folgt damit auf Jürgen Stark, der aus Protest gegen die Anleihepolitik der EZB den Posten geräumt hatte. Überraschend an der Entscheidung ist die Personalie: Eigentlich galt es als ausgemachte Sache, dass der deutsche Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen den Schlüsselposten innerhalb des EZB-Direktoriums bekommen sollte. Auch der Franzose Benoit Coeuré, den Paris in Position gebracht hatte, ging leer aus.

In Deutschland geboren

Neuer EZB-Chefökonom: Peter Praet aus Belgien (Foto: Patrick Van Den Branden/Belgian National Bank/dapd)

Peter Praet: Lachender Dritter im Poker um den wichtigen EZB-Posten

Seit Gründung der EZB im Jahr 1998 war stets ein Deutscher Chefvolkswirt von Europas Währungsbehörde. Nun also fiel die Wahl auf einen Belgier: Der 62 Jahre alte Ökonom genießt in Notenbankkreisen der ganzen Welt hohes Ansehen. Er ist ausgewiesener Fachmann auf den Gebieten Finanzaufsicht und Finanzstabilität. Geldpolitisch gilt er als "Taube", setzt sich also eher für eine wachstumsorientierte Richtung ein und nicht so stark für die Bekämpfung der Inflation. Praet ist zudem wegen seiner Herkunft der ideale Kompromisskandidat zwischen Deutschland und Frankreich: Er ist nämlich in Deutschland geboren und aufgewachsen, hat seine Ausbildung und Karriere aber in Belgien durchlaufen.

Streit vorerst vermieden

EZB-Chef Mario Draghi (Foto: DW TV)

Weise Entscheidung: EZB-Chef Mario Draghi

EZB-Chef Mario Draghi hat mit der Berufung von Praet wohl einen deutsch-französischen Dauerstreit von vornherein im Keim ersticken wollen: Denn die geldpolitischen Positionen der beiden Kandidaten Jörg Asmussen und Benoit Coeuré lagen meilenweit auseinander. Aus Sicht der Bundesbank hat Coeurés Geldpolitik einen entscheidenden Haken: Er gilt nicht als Verfechter einer Stabilitätskultur deutscher Prägung, sondern als Pragmatiker, der auch vor unorthodoxen Maßnahmen nicht zurückschrecken würde. So setzte er sich dafür ein, die vor allem in Deutschland umstrittene Strategie der Aufkäufe von Anleihen krisengefährdeter Eurostaaten durch die EZB noch auszuweiten.

Asmussen wird EZB-"Aussenminister"

Jörg Asmussen (Foto: dapd)

Auf der Karriereleiter gebremst: Jörg Asmussen

Für den karrierebewussten deutschen Kandidaten Jörg Asmussen ist diese Entscheidung ein Rückschlag. Zwar zieht auch er in das Direktorium der EZB ein, aber eben nicht auf dem prestigeträchtigen Posten des Chefvolkswirts. Der 45jährige Flensburger wird für internationale und europäische Beziehungen zuständig sein und zudem die Rechtsabteilung der EZB leiten. Er sei "zufrieden mit der Entscheidung", sagte Asmussen der "Bild"-Zeitung. Der Franzose Coeuré hingegen wird verantwortlich für Marktoperationen, eine Abteilung, die für Finanzgeschäfte der EZB zuständig – auch für Anleihekäufe also. Für Spannung dürfte auch nach der weisen Entscheidung des Direktoriums zugunsten des Belgiers Peter Praet gesorgt sein.

Autor: Henrik Böhme (mit dpa, dapd, afp)
Redaktion: Klaus Ulrich

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