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Kultur

Neuer Dammbruch verschärft Hochwasserlage in Rumänien

In den Hochwassergebieten Osteuropas entlang der Donau und ihrer Nebenflüsse bleibt die Lage angespannt. In Südrumänien wurden nach einem Dammbruch weitere Evakuierungen vorbereitet.

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Ein Bewohner des rumänischen Dorfes Fetesti in einem improvisierten Boot

Ein neuer Dammbruch an der Donau hat am Dienstag (18.4.2006) die Lage im rumänischen Hochwassergebiet weiter verschärft. Hunderte Helfer versuchten, die Bruchstelle in der Ortschaft Bistret im Westen des Landes zu reparieren. Währenddessen bereiteten sich tausende Menschen darauf vor, ihre Häuser zu verlassen. Bewohner warfen den Behörden vor, sie nicht ausreichend über die gefährliche Lage informiert zu haben. "Wir sind Opfer der Behörden", sagte eine 53-jährige Frau. "Drei Tage haben sie uns erzählt, dass die Lage unter Kontrolle sei. Jetzt können wir nur noch auf die Gnade Gottes hoffen." Soldaten transportierten mit Lastwagen Sandsäcke, um die Bruchstelle im Deich zu sichern. Unterstützt wurden sie dabei von Bewohnern, die mit Pferdefuhrwerken ebenfalls Sandsäcke an den Deich brachten.

Kontrollierte Deichbrüche

Unterdessen wurden am Dienstag mehr als 4700 Menschen in Sicherheit gebracht. Im Süden des Landes, insbesondere in der Umgebung der Städte Clarasi und Fetesti, sind vom Hochwasser der Donau bedrohte Gegenden evakuiert worden, sagte Innenminister Vasile Blaga. Die Betroffenen seien in Schulen, Krankenhäusern und Zelten untergebracht worden. Mehrere hundert Polizisten und Feuerwehrleute arbeiten im südrumänischen Verwaltungsgebiet Dolj an einem Schutzwall, sagte der Minister weiter. Die Behörden wollten am Dienstag über zwei weitere kontrollierte Deichdurchbrüche am östlichen Borcea-Arm sowie oberhalb von Tulcea Hochwasser in unbewohnte Gebiete ableiten.

Der Wasserdruck der Donau erreichte nach Angaben des rumänischen Umweltministeriums vom Montag etwa 15.800 Kubikmeter pro Sekunde, doppelt so viel wie sonst zu dieser Jahreszeit üblich. Im Hafen von Galati im Osten des Landes erreichte der Pegel am Dienstag mehr als sechs Meter und lag damit knapp unterhalb der Rekordmarke aus dem Jahr 1897 von 6,50 Metern. Die Scheitelwelle der Donau wird erst in den nächsten Tagen in Rumänien und Bulgarien erwartet. Das Wetteramt sagte für den Süden Rumäniens leichte Regenfälle für Dienstagabend und Mittwoch voraus. Am Montagabend hatte der Präfekt von Dolj gesagt, bis zu 10.000 Einwohner aus vier Dörfern könnten in den kommenden Tagen in Sicherheit gebracht werden, wenn das Hochwasser weiter steige.

Einstürzende Häuser

Laut einer Bilanz von Dienstag waren in Rumänien bislang 119 Ortschaften vom Hochwasser betroffen. Durch Überschwemmungen seien 170 Häuser zerstört und 629 weitere beschädigt worden, von denen knapp ein Fünftel vom Einsturz bedroht sei. Außerdem wurden der Bilanz zufolge 20.000 Hektar Ackerland und 17.000 Hektar Wald sowie zahlreiche Straßenabschnitte überflutet. 18 Brücken wurden zerstört.

Bereits während der Ostertage mussten in den nahe gelegenen Ortschaften Rast und Negoi mehr als 3000 Menschen nach einem Dammbruch in Sicherheit gebracht werden. In Rast wurden nach Angaben der Behörden mehr als 600 Wohnhäuser überflutet, 115 stürzten ein. Mehr als 150 Häuser standen den Angaben zufolge in Negoi unter Wasser. Auch eine wichtige Straßenverbindung wurde überflutet.

In der westbulgarischen Stadt Widin stieg die Donau seit Montag um zwei Zentimeter auf einen neuen Rekordwert von 9,71 Meter. Dennoch wurden bislang noch keine Einwohner in Sicherheit gebracht. Flussaufwärts, in Serbien, ging der Wasserstand dagegen am Dienstag weiter zurück. Entwarnung könne aber noch keine Rede sein, teilten die Behörden in Belgrad mit. Tausende Helfer waren weiterhin im Einsatz, um Dämme zu sichern und Sandsäcke zu stapeln. Ärzteteams und Inspektoren der Gesundheitsbehörden wurden in die Hochwassergebiete entsandt, um einer möglichen Seuchengefahr vorzubeugen. (stu)

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