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Kultur

Neuer Besucherrekord in Leipzig

Jedes Jahr pilgern mehr Bücherfans zur Leipziger Buchmesse. Auch diesmal überzeugte das Konzept - mit einer guten Mischung aus Belletristik, Kinder- und Jugendbuch sowie Literatur vom Balkan.

Menschen auf einer Rolltreppe auf dem Messegelände Leipzig (Foto: DW)

Oliver Zille hat in den vergangenen Jahren gelernt, während der Buchmesse mit nur vier Stunden Schlaf auszukommen. Zille ist Direktor der Leipziger Buchmesse und in dieser Funktion nonstop im Einsatz: Veranstaltungen, Protokolle, Lesungen und natürlich auch Gespräche mit Verlagen und Autoren.

Das ganze Jahr über bereiten sich er und sein Team auf diese vier Messetage vor. Natürlich freut er sich daher ganz besonders, dass auch in diesem Jahr die Besucherzahl einen neuen Rekord erreicht hat. 163.000 Bücherfans besuchten die Messe, 6000 mehr als im Jahr zuvor. "Wir haben eine sehr positive Rückmeldung von unseren Ausstellern und Besuchern bekommen", sagt Zille. Es gebe kaum einen, der im nächsten Jahr nicht wieder kommen wolle.

Besonders voll war es traditionsgemäß am Samstag. Die Gänge waren teilweise so vollgestopft, dass Messe-Mitarbeiter mit Megafonen auf Ausweichwege verwiesen. Besonders auffällig: Unter den Besucher waren viele Kinder und Jugendliche. Die Messe Leipzig kümmert sich nämlich mit Schwerpunkten wie Manga und Comics, einem eigenen Kinder- und Jugendbuchbereich und einem großen Angebot an Lesungen für kleine Leser besonders um den Nachwuchs.

Literarisches Interesse für Serbien

Buchmesse-Stand des Gastlandes Serbien (Foto: Nadine Wojcik)

Stand des Gastlandes Serbien

Ein traditioneller Schwerpunkt der Leipziger Buchmesse ist die Literatur Ost- und Südosteuropas. Im Mittelpunkt stand diesmal der Balkan und insbesondere Serbien, das diesjährige Gastland der Buchmesse. Zum ersten Mal präsentierte sich das literarische Serbien seit dem Zerfall Jugoslawiens in Westeuropa.

Dafür wurden extra 30 serbische Bücher ins Deutsche übertragen. Mirjana Wittmann hat gemeinsam mit ihrem Mann fünf dieser Titel übersetzt. "Das Echo der Besucher und der Presse ist groß und durchweg positiv", sagt Wittmann, die während der Messe einige der 40 angereisten serbischen Autoren betreute.

Sie hoffe, dass damit auch die serbische Literatur bekannter in Deutschland werde. "Mit der serbischen Literatur ist das so: Als der Krieg auf dem Balkan ausbrach, war sie sehr gefragt, nach dem Motto: Mal gucken, was diese Bösewichte so schreiben." Mit dem Ende des Krieges sei aber auch das Interesse sofort abgeflaut. Auf der Buchmesse habe sie nun aber den Eindruck gewonnen, dass "das Interesse echt wird und die Neugierde nun wirklich literarischer Natur ist".

Kraniche für Erdbeben-Opfer in Japan

Manga-Fans falten als Zeichen ihrer Anteilnahme für die Erdbebenopfer in Japan Papierkraniche (Foto: Nadine Wojcik)

Origami als Solidaritätsaktion für Japan

Bei den jüngeren Besuchern ist besonders ein Land im Fokus: Japan. Von dort kommen die Mangas, also japanische Comics, und auch die finden auf der Buchmesse ihren Platz. Jedes Jahr reisen Fans aus ganz Deutschland nach Leipzig, meist verkleidet als Figuren aus ihrem jeweiligen Lieblings-Manga. Im diesem Jahr wurde dieses bunte Treiben durch die Erdbeben-Katastrophe in Japan überschattet. Die vielen Japan-Fans drückten ihre Anteilnahme in einer spontanen Bastel-Aktion aus: Gemeinsam falteten sie rund 3000 Kraniche nach japanischer Origami-Papierkunst.

Die Buchmesse schweißt zusammen. Und das ist auch nur möglich, weil die Messe in Leipzig etwas kleiner und gemütlicher ist als der große Branchenbruder in Frankfurt am Main. Das bekommen im Besondern die kleinen und unabhängigen Verlage zu spüren. Sie haben in Leipzig seit einigen Jahren schon eine eigene Leseinsel. "Die Atmosphäre in Leipzig ist immer sehr angenehm", sagt Jörg Sundermeier vom Verbrecher Verlag. "Inzwischen sind wir von den sogenannten jungen Verlagen alle miteinander befreundet und die Stimmung ist sehr kollegial."

Die Frankfurter Buchmesse stellt übrigens nach Leipziger Vorbild nun auch den jungen Verlagen eine Extrafläche mit Leseinsel zur Verfügung. Wer hätte vor einigen Jahren je gedacht, dass auch Frankfurt etwas von der kleinen Schwester in Leipzig lernen könnte.

Autorin: Nadine Wojcik
Redaktion: Thomas Grimmer