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Wissen & Umwelt

Neuer Aids-Impfstoff weckt Hoffnung

In Thailand wurde ein Aids-Impfstoff getestet, mit dem es gelungen ist, das Ansteckungsrisiko um ein Drittel zu senken. Die wenigsten Experten haben diesen Erfolg - auch wenn er bescheiden ist - erwartet.

Impfung (Foto: Bilderbox)

Bald eine erfolgreiche Impfung gegen Aids?

"In meinem Kollegenkreis ist das für alle überraschend!", sagt Jürgen Rockstroh, Präsident der Deutschen Aids-Gesellschaft. Und in der Tat: Viele Wissenschaftler hatten einen Impfstoff gegen das Aids-Virus schon aufgegeben. Zu viele Rückschläge gab es in den letzten Jahren. "Bei einigen Studien hatte man sogar das Gefühl, dass mehr Infektionen entstanden sind."

Bei der am Donnerstag (24.09.2009) vorgestellten Impfstudie, die in den vergangenen Jahren in Thailand durchgeführt wurde, soll es dagegen geklappt haben. Zum ersten Mal scheint es Forschern gelungen zu sein, das Risiko einer HIV-Infektion deutlich zu senken. Die beteiligten Forscher sprechen von einem um 31 Prozent reduzierten Infektionsrisiko. Sie überschlagen sich mit Superlativen, sprechen von einem Durchbruch. Jürgen Rockstroh sieht das etwas nüchterner: "Das wichtige an der Studie ist, dass es jetzt einen Hoffnungsschimmer gibt."

Doppelschlag-Verfahren

Aids-Schleife

Derzeit sind etwa 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, jedes Jahr sterben etwa 2 Millionen Aids-Kranke

2003 wurde die Impfstudie in Thailand gestartet. Für den Test wurden zwei alte Impfstoffe kombiniert, die zuvor einzeln wenig erfolgreich waren. Die Strategie: Das Immunsystem soll das HI-Virus kennen, lange bevor es zur Infektion kommt. Dafür spritzen die Forscher den Probanden ein ungefährliches Vogelvirus, in das sie zuvor die genetischen Informationen für einige Proteine von HIV packten. Daraufhin produziert der Körper Teile des HI-Virus. Das Immunsystem erkennt die fremden Bruchstücke und soll seine Killerzellen aktivieren und trainieren, damit sie im Falle einer tatsächlichen HIV-Infektion die befallenen Zellen aufspüren und zerstören.

Die Probanden bekamen darüber hinaus einen zweiten Wirkstoff, nämlich große Mengen eines gereinigten HIV-Proteins. Bei diesem sehr aufwändigen Doppelschlag-Verfahren soll ein erster Wirkstoff durch den zweiten "geboostet", also verstärkt werden.

Umstrittene Studie

Modell eines HI-Virus (Foto: AP)

Modell eines HI-Virus

Die Studie in Thailand sei von Anfang an kritisiert worden, sagt Jürgen Rockstroh von der Deutschen Aids-Gesellschaft. "Es gab durchaus Leute, die gesagt haben, man soll die Studie abbrechen, das mache eh keinen Sinn." Bei der Frage, ob er denn jetzt an einen Impfstoff glaubt, lacht Rockstroh: "Ich bleibe erst einmal skeptisch. Dafür sind mir die Unterschiede noch zu gering, außerdem kennen wir die genauen wissenschaftlichen Daten noch nicht." Die sollen erst Ende Oktober vorgestellt werden. Trotzdem betonen die Weltgesundheitsorganisation WHO und das Aids-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS) schon jetzt, dass ein sicherer und hocheffektiver HIV-Impfstoff Wirklichkeit werden könne - trotz der nur mäßigen Wirksamkeit des Test-Impfstoffs von rund 30 Prozent.

Grundlagenforschung enorm wichtig!

Doch Jürgen Rockstroh ist sicher, dass HIV weiterhin unberechenbar bleibt. Das Problem: Das Aids-Virus baut, wenn es sich vermehrt, ungewöhnlich viele Fehler in seine neue Erbsubstanz ein und verändert sich ständig. Ein Durchbruch wäre es, wenn die trainierten Immunzellen extrem viele HIV-Varianten erkennen, auch die stark abgewandelten von Patientengruppen aus vielen Teilen der Welt. "Deswegen wenden sich viele meiner Kollegen wieder der Grundlagenforschung zu", sagt Rockstroh, denn die sei weiterhin von entscheidender Bedeutung, um den Gegner noch besser kennenzulernen.

Autorin: Judith Hartl

Redaktion: Julia Elvers-Guyot