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Wissen & Umwelt

Neuer Aids-Impfstoff schwächer als erwartet

Vor einem Monat wurde der in Thailand getestete Aids-Impfstoff als möglicher Durchbruch bezeichnet. Jetzt wurden die Einzelheiten der Studie veröffentlicht - und ihre Bedeutung deutlich heruntergeschraubt.

Bei der thailändischen Impfstudie sollte es endlich geklappt haben. Zum ersten Mal sei es gelungen, so die beteiligten Forscher, das Risiko einer HIV-Infektion deutlich zu senken - um etwa 31 Prozent. Die Meldungen überschlugen sich, es war die Rede von einem Durchbruch in der Aids-Forschung. Experten wie Jürgen Rockstroh, Präsident der Deutschen Aids-Gesellschaft, sahen das von Anfang an recht nüchtern: "Das Wichtige an der Studie ist, dass es jetzt einen Hoffnungsschimmer gibt."

Klitzekleiner Hoffnungsschimmer

Hoffnung gibt es sicherlich noch immer. Auch wenn die Teilnehmer der internationalen Aids-Impfstoff-Konferenz in Paris betonten, dass die vollständigen Ergebnisse, die nun präsentiert wurden, nur einen "bescheidenen Erfolg" zeigten. Denn von den 16.000 Testpersonen hätten sich ohnehin nur 125 mit dem Aids-Virus angesteckt, davon 51 mit Impfung und 74 ohne Impfung. Dies sei eine vergleichsweise kleine Gruppe, um nicht zu sagen, eine zu kleine Gruppe, kritisieren die Wissenschaftler. Hinzu komme, dass die Wirkung des Impfstoffs mit der Zeit nachlasse, sagte Oberst Nelson Michael, der das Aids-Forschungsprogramm der US-Armee leitet und an der Studie der thailändischen Regierung beteiligt war. Er wisse nicht, wie die Langzeitwirkung des Vakzins sei.

Infografik zur weltweiten Verbreitung von HIV/Aids (Quelle: UNAIDS)

Doppelschlag-Verfahren

Die Impfstudie wurde 2003 in Thailand gestartet. Für den Test wurden zwei alte Impfstoffe kombiniert, die zuvor einzeln wenig erfolgreich waren. Die Strategie: Das Immunsystem soll das HI-Virus kennen, lange bevor es zur Infektion kommt. Dafür spritzen die Forscher den Probanden ein ungefährliches Vogelvirus, in das sie zuvor die genetischen Informationen für einige Proteine von HIV packten. Daraufhin produziert der Körper Teile des HI-Virus. Das Immunsystem soll so seine Killerzellen aktivieren und trainieren, damit sie im Falle einer tatsächlichen HIV-Infektion die befallenen Zellen aufspüren und zerstören.

Die Probanden bekamen darüber hinaus einen zweiten Wirkstoff, nämlich große Mengen eines gereinigten HIV-Proteins. Bei diesem sehr aufwändigen Doppelschlag-Verfahren soll ein erster Wirkstoff durch den zweiten verstärkt werden.

Modell eines HI-Virus (Foto: AP)

Modell eines HI-Virus

Impfstudie ist ein kleiner, wichtiger Schritt

Es sei unglaublich schwierig, einen Impfstoff gegen das HI-Virus zu entwickeln, viel schwieriger als beispielsweise gegen Grippe-Erreger, sagt Stefan Kaufmann, Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin. Denn das Aids-Virus mutiere ununterbrochen. "Immer wenn Sie die Waffe scharf gemacht haben, hat sich der Erreger so weit verändert, dass der Impfstoff nicht mehr wirken kann."

Die Impfstudie in Thailand sei dennoch kein Rückschlag sondern eine erste kleine Erfolgsmeldung, meint Kaufmann. "Wir müssen bei der Aids-Impfstoffentwicklung davon abkommen, 100 Prozent Schutz zu erwarten, wie es bei den klassischen Impfstoffen geht."

Doch immerhin würde ein 50-prozentiger Schutz jedes Jahr eine Million Todesfälle verhindern.

Grundlagenforschung enorm wichtig!

Auch der Präsident der Deutschen Aids-Gesellschaft, Jürgen Rockstroh, ist sicher, dass HIV weiterhin unberechenbar bleibt. Ein Durchbruch wäre es, wenn die trainierten Immunzellen extrem viele HIV-Varianten erkennen, auch die stark abgewandelten von Patientengruppen aus vielen Teilen der Welt. "Deswegen wenden sich viele meiner Kollegen wieder der Grundlagenforschung zu", sagt Rockstroh. Denn die sei weiterhin von entscheidender Bedeutung, um den Gegner noch besser kennenzulernen.

Autorin: Judith Hartl

Redaktion: Dеnnis Stutе