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Wirtschaft

Neuer Agrar-Imperialismus in Afrika?

Am Horn von Afrika bedroht eine Hungersnot Millionen von Menschen. Eine Hungersnot, die hätte vermieden werden können? Anbauflächen zur Versorgung der Bevölkerung gäbe es genug - beispielsweise in Äthiopien.

Kleinbauer in Äthiopien (Foto: AP)

Kleinbauer in Äthiopien: Bald nur noch ein seltenes Bild?

Ackerflächen, die hektarweit ins Land ragen. Auf den Feldern wachsen Mais und Getreide. Die Blätter der Pflanzen färben die Landschaft in ein helles Grün. Doch die bebauten Felder liegen weder in Europa noch im Mittleren Westen der USA. Sie liegen in Äthiopien - einem Land, in dem zahlreiche Menschen nun von der Hungersnot bedroht sind.

Afrikaner mit Saatgut (Foto: World Vision)

Äthiopien besitzt große Flächen fruchtbaren Ackerlandes, das nicht genutzt wird

Obwohl es genug Anbauflächen gibt, hungern die Menschen. Ausländische Firmen kaufen oder pachten das Land und nutzen es für die industrielle Landwirtschaft. Die äthiopische Regierung erhofft sich dadurch Deviseneinnahmen und einen Transfer von technischem Know-How für die moderne Landwirtschaft. Bisher liegt ein Großteil der nutzbaren Ackerfläche des Landes brach.

Land für ausländische Investoren

Äthiopien ist dabei besonders attraktiv für ausländische Exporteure, erklärt Dawit Tesfaye. Er hat für das äthiopische Agrarministerium gearbeitet und forscht nun an der Universität Bonn. Investoren, die nur für den Export produzieren, müssten fünf Jahre lang keine Steuern an den Staat zahlen. "Aber wenn ein Investor für den lokalen Markt produziert, dann sind es nur zwei oder drei Jahre Steuerfreiheit."

Im vergangenen Jahr hat die äthiopische Regierung drei Millionen Hektar fruchtbares Land zur Verpachtung angeboten - eine Fläche kaum kleiner als das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen. Die Praxis der sogenannten Landaneignung - also Erwerb oder Anpachtung von Land durch private Investoren oder Regierungen in anderen Ländern - ist überall in Afrika zu beobachten. Die größten Investoren sind vor allem Indien, Pakistan, Saudi-Arabien und China. Sie bauen überwiegend Nutzpflanzen zur Herstellung von Bio-Kraftstoffen oder Nahrung für den eigenen Bedarf an.

Konkurrenz für einheimische Kleinbauern


Nur ein Bruchteil der Agrarprodukte kommt auf den afrikanischen Markt. Selbst wenn die Produkte in Afrika blieben, würde die einheimische Bevölkerung nicht zwangsläufig davon profitieren. Die Chinesen investieren in lokale Agrarmärkte, wie zum Beispiel in Sambia. "Das kann problematisch sein für den einheimischen Markt", erklärt Deborah Bräutigam, Expertin für chinesisch-afrikanische Beziehungen an der American University in Washington. "Denn die Chinesen konkurrieren mit ihrem Weizen, Mais und Vieh mit den sambischen Bauern in ihrem eigenen Land."

Flüchtlinge aus Somalia (Foto: AP)

Flüchtlinge aus Somalia verschärfen die Nahrungsmittel-Knappheit

Die Landaneignung steht unter Verdacht, Mitverursacher für die derzeitige Hungersnot am Horn von Afrika zu sein. Betroffen sind Äthiopien, Somalia, Kenia und Dschibuti. Mehr als zwölf Millionen Menschen trifft die Nahrungsknappheit. Es sind aber noch mehr Faktoren, die hier zusammenkommen. Beeinflusst durch den Klimawandel nehmen Extremwetterlagen zu: Dürren und Überschwemmungen. "Das Hauptproblem ist natürlich Somalia", sagt Günter Nooke, Afrika-Beauftragter der Bundeskanzlerin im Gespräch mit DW-WORLD.DE. "Als Staat gescheitert und ohne Regierung. Die Menschen, die nichts mehr zu essen und zu trinken haben, flüchten dann nach Nord-Kenia oder nach Äthiopien."

Flüchtlinge verschärfen die Lage

Die Folge: Die hungernden Menschen drängen in die Flüchtlingslager in den Nachbarländern. Das verschärft die Situation. Genug Land zur Versorgung der Bevölkerung ist vorhanden - am Horn von Afrika, in Äthiopien. Doch wenn die afrikanischen Länder ihre Agrarpolitik nicht ändern, könnte sich das in mehreren Jahren rächen, meint Dawit Tesfaye.

Kleinbauern (Foto: dpa)

Ausländische Investoren verdrängen einheimische Kleinbauern

"Ich glaube die Folgen, die mit der Landaneignung einhergehen, werden nicht auf kurzer Sicht erkennbar sein. Wir verpachten das Land nicht für ein oder zwei Jahre - sondern für 80 oder 90 Jahre mittlerweile", sagt der promovierte Agrarwissenschaftler. "Das ist nicht nur ein Problem, das eine Generation betreffen wird. Wir müssen uns fragen: Ist das, was ich mache, für die nächsten zwei oder drei Generationen nachhaltig?"

Solange der Handel mit den landwirtschaftlichen Nutzflächen Devisen einbringt, werden die meisten afrikanischen Länder ihre Landpolitik nicht ändern. Für Äthiopien wünscht sich Tesfaye eine Quote von Agrarprodukten ausländischer Produzenten, die für einheimische Bevölkerung bestimmt ist.

Autor: Chi Viet Giang
Redaktion: Hao Gui




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