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Wirtschaft

Neuer Absturz nach kurzer Verschnaufpause

Ein bloßes Gerücht hat gereicht, um die weltweiten Aktienmärkte erneut schlingern zu lassen. Spekulationen, ob Frankreich der nächste Kandidat für eine Abwertung sein könnte, schickten Dax, Dow & Co wieder auf Talfahrt.

Kurstafel an der Wall Street in New York (Foto: dapd)

Auch der Dow Jones-Index ("INDU") schloss wieder im Minus

Marktgerüchte über die französische Kreditwürdigkeit haben die Aktienmärkte am Mittwoch (10.08.2011) wieder in heftige Turbulenzen gestürzt. Der kurze Höhenflug, ausgelöst von guten Vorgaben aus New York und Tokio, endete am Nachmittag jäh: Der deutsche Leitindex Dax sprang im Tagesverlauf um mehr als 500 Punkte rauf und runter und ging schließlich mit einem Minus von 5,1 Prozent bei 5613 Punkten aus dem Handel. Ähnlich hohe Verluste gab es in Paris und Madrid mit jeweils 5,5 Prozent. Die Mailänder Börse verlor sogar 6,6 Prozent. An der Londoner Börse endete der Handelstag mit einem vergleichsweise moderaten Minus von 3,1 Prozent.

Am Morgen standen die Zeichen am deutschen Aktienmarkt noch auf Erholung: Der Dax war zwischenzeitlich deutlich im Plus und übersprang zeitweise sogar die Marke von 6000 Punkten.

Gerücht lässt nervöse Börsen wieder taumeln

Börsenhändler in Frankfurt am Main (Foto: AP)

Börsenhandel in Frankfurt am Main

Für die zunächst gute Stimmung an den Börsen hatte die Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve gesorgt, im Kampf gegen die flaue US-Konjunktur zwei weitere Jahre an ihrer extremen Niedrigzins-Strategie festzuhalten. Doch Spekulationen, Ratingagenturen könnten der zweitgrößten europäischen Wirtschaftsmacht Frankreich die Top-Bonität "AAA" entziehen, ließen alle Hoffnungen wieder platzen und führten zu einem Kurssturz, der die Bankaktien besonders hart traf.

In Paris geriet neben der Großbank Société Generale auch die Bank BNP Paribas unter die Räder. Die Verkaufswelle machte vor deutschen Banken nicht Halt: Die Aktien der Deutschen Bank verbilligten sich zeitweise um neun Prozent. Die Commerzbank-Aktien büßten zeitweise 8,6 Prozent ein. Unter Verkaufsdruck standen auch die Aktien der italienischen Großbank Unicredit.

Paris dementiert Meldungen über Rückstufung

Die Regierung in Paris wies alle Meldungen über eine Rückstufung umgehend als haltlos zurück. Auch die Ratingagenturen Moody's und Fitch traten den Gerüchten nachdrücklich entgegen. Standard & Poor's hatte schon am Dienstag erklärt, es bestehe kein Risiko, dass Frankreich die Bonitäts-Bestnote "AAA" entzogen werde. Frankreich hat derzeit die Rating-Bestnote, wie Deutschland und vier weitere Euro-Zonen-Länder. Allerdings hat Paris von den sechs Staaten mit Spitzenbonität die höchste Verschuldung.

Sarkozy kündigt Sparplan an

Präsident Nicolas Sarkozy (Foto: AP)

Ein nachdenklicher Präsident Nicolas Sarkozy sucht nach Wegen zur Beruhigung der Lage

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy versuchte, die Lage mit der Ankündigung zu beruhigen, den Schuldenabbau schneller voranzutreiben. Er unterbrach eigens seinen Urlaub, um eine Arbeitssitzung mit den wichtigsten Ministern seiner Regierung in Paris zu leiten. Im Anschluss kündigte er einen neuen Sparplan an, mit dem das Defizit im Haushalt bis 2013 auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts gedrückt werden soll. Dieses Jahr beträgt es noch 5,7 Prozent. Die Sparvorschläge sollten am 24. August vorgestellt werden, hieß es in einer Erklärung des Elysée-Palastes.

Auch Italiens Regierung will den Sparkurs jetzt beschleunigen und dabei die Gewerkschaften und die Arbeitgeber mit ins Boot holen. Bis zum 18. August will Ministerpräsident Silvio Berlusconi einen Gesetzentwurf mit zusätzlichen Maßnahmen vorlegen, wie italienische Medien am Mittwoch berichteten. Italiens Mitte-Rechts-Regierung hat bereits Reformen angekündigt, die schon 2013 zu einem ausgeglichen Staatsetat führen sollen, und nicht erst wie ursprünglich geplant 2014. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Regierung zusätzliche 20 Milliarden Euro einsparen, wie Analysten vorrechneten. Im Juli hatte Rom ein Sparpaket über 48 Milliarden Euro bis 2014 verabschiedet.

Wall Street schließt deutlich im Minus

An der New Yorker Wall Street startete der Aktienhandel gleich im Minus. Der Dow-Jones-Index ging nach seinen deutlichen Vortagsgewinnen unter der 11.000-Punkte-Marke in den Handelstag. Auch in den USA gerieten besonders die Bankwerte unter Druck: Die Bank of America, Goldman Sachs, Citibank, JP Morgan und Morgan Stanley büßten teilweise bis zu zehn Prozent ein.

Am Ende blieben auch an der Wall Street dicke Minuszeichen: Der Dow Jones schloss mit einem Abschlag von 4,6 Prozent bei 10.719 Punkten. Nach der zwischenzeitlichen Erholung haben nun an der Börse die Pessimisten wieder die Führung übernommen.

Autorin: Ulrike Quast (dpa, rtr, afp)
Redaktion: Martin Schrader/Frank Wörner

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