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Wirtschaft

Neuer Übergangschef für Opel

Opel erhält mehr Eigenständigkeit und einen neuen Chef. Der Brite Nick Reilly, Topmanager des Mutterkonzerns General Motors, wird vorübergehend die Verantwortung für das Geschäft von GM in Europa übernehmen.

Der neue Europachef von Opel/Vauxhall Nick Reilly (Foto: AP)

Der neue Europachef von Opel/Vauxhall Nick Reilly

Wie General Motors am Dienstag (10.11.09) mitteilte, sollen Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall einen neuen Chef bekommen. Nick Reilly werde ab sofort die Verantwortung für das Geschäft von Opel und Vauxhall in Europa übernehmen. Reilly, der über umfangreiche Erfahrung mit den Marken Opel und Vauxhall verfügt, soll das europäische Führungsteam im Tagesgeschäft unterstützen und eine langfristige Strategie für Opel/Vauxhall entwickeln.

Der 59-jährige Brite soll das Europageschäft von GM nur vorübergehend leiten, bis eine langfristige Lösung gefunden ist. Er behält die Gesamtverantwortung für das internationale Geschäft von General Motors. In den vergangenen Tagen war bereits über Reillys Berufung spekuliert worden.

GM-Chef in Rüsselsheim

Betriebsratsvorsitzender bei Opel Klaus Franz (foto: AP)

Betriebsratsvorsitzender bei Opel Klaus Franz

Am Dienstag kam GM-Konzernchef Fritz Henderson in Rüsselsheim mit dem Opel-Betriebsrat zusammen, um die Zukunft des Unternehmens zu besprechen. Nach dem gescheiterten Verkauf von Opel an Magna hat Opels Gesamtbetriebsrats-Chef Klaus Franz einen harten Kurs gegenüber GM gefahren. Er forderte vom Mutterkonzern dieselben Zugeständnisse, die Autozulieferer Magna Opel eingeräumt hätte.

Henderson erklärte bei dem Treffen mit Franz, dass Opel in Europa wieder zur alten Stärke geführt werden und ein hohes Maß an Unabhängigkeit und Eigenständigkeit innerhalb des Konzerns erhalten solle. Um das Ziel der Eigenständigkeit von Opel zu bekräftigen, forderte Franz von General Motors erneut die Umwandlung von Opel in eine Aktiengesellschaft. Außerdem drängte er auf einen umfassenden Unternehmensplan bis 2014 sowie ein solides Finanzierungskonzept.

Wieviele Stellen werden gestrichen?

GM will für die Sanierung rund 10.000 Stellen streichen. Nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und des "Handelsblatts" befürchtet Klaus Franz allein in Deutschland den Wegfall von 8000 Stellen. Der Betriebsratsvorsitzende des Werks in Bochum, Rainer Einenkel, rechne hingegen damit, dass alle deutschen Werke erhalten bleiben. In jüngeren Konzepten von General Motors sei von Schließungen der vier deutschen Standorte keine Rede mehr gewesen.

Regierungserklärung der Kanzlerin

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Regierungserklärung (Foto: AP)

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Regierungserklärung

Auch Kanzlerin Angela Merkel verlangte von General Motors ein umfassendes und verlässliches Konzept. In ihrer Regierungserklärung bedauerte sie die Entscheidung von General Motors Opel, nun doch nicht zu verkaufen, und forderte die fristgerechte Rückzahlung des Brückenkredits. Weiterhin machte sie klar, dass GM die Restrukturierung von Opel weitgehend aus eigenen Mitteln bestreiten müsse.

GM hat indessen einen weiteren Teil des Brückenkredits zurückbezahlt. Am Dienstag seien 200 Millionen Euro überwiesen worden. Noch vor Ende November will General Motors nach eigenen Angaben die noch offenen 600 Millionen Euro zurückzahlen.

Wirtschaftsinstitute gegen Staatshilfen

Führende deutsche Wirtschaftsinstitute haben sich klar gegen Staatshilfen für Opel ausgesprochen. In einer Befragung durch das ARD-Magazin Plusminus vom Montag (09.11.09) ließen die Experten auch das Argument der Rettung von 26.000 Arbeitsplätzen nicht gelten. Diese Arbeitsplätze gingen bei gesunden Konkurrenten verloren. Auch kritisierten sie die Höhe der angedachten Hilfe. "120.000 Euro pro Opel-Arbeitsplatz sind drei Milliarden Euro. Dafür kann man die Firma auf der grünen Wiese neu erstellen", kritisierte Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner ifo-Instituts.

Autor: Rebekka Drobbe (ap, dpa, rtr)

Redaktion: Martin Schrader