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Wirtschaft

Neue Verzögerungen bei A380-Auslieferung

Die schlechten Nachrichten über Airbus und seinen Megajet A380 häuften sich in den letzten Monaten. Ende September ist mit einem neuen, abermals verzögerten Auslieferungsplan zu rechnen - die Ursachen bleiben ungelöst.

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Bisher nur im Test: Der Airbus A380 hebt ab

Unendliche Geschichte - so könnte der Titel des Auslieferungsplan der A380 lauten. Nach der Bekanntgabe technisch begründeter Lieferverzögerungen im Juni hat Airbus heute (21.9.) seinen Zeitplan erneut revidiert. Das Unternehmen unterrichte tags zuvor die A380-Besteller, dass es "Präzisierungen des Auslieferungsprogramms" geben werde. Der französischen Zeitung "Les Echos" zufolge betragen diese "Präzisierungen" etwa sechs Monate. Das Unternehmen selbst hat noch keine Zahlen genannt; Einzelheiten will es in den kommenden vier Wochen bekannt geben.

Bereits im Juni hatte EADS Lieferverzögerungen des A380 und damit verbundene Gewinnausfälle von zwei Milliarden Euro angekündigt. Grund seien Probleme bei der Verkabelung gewesen, die sich in den folgenden drei Jahren auf die Produktion auswirken würden. Es kam daraufhin zu Kursverlusten und zu einer Neubesetzung der Airbus-Führung: Das zerstrittene Führungsduo Noël Forgeard und Gustav Humbert wurde von Christian Streiff abgelöst. Dieser wollte das A380 einer umfassenden internen Prüfung unterziehen.

Reaktion auf Ingenieursmangel - vorläufiger Einstellungsstop

Airbus Fertigung in Hamburg

Ingenieure gebraucht: Airbus-Fertigungshalle in Hamburg (Archivfoto 2001)

Am 1. September hatte Streiff einen vorläufigen Einstellungsstop verfügt, bis er die Lage übersähe. Damit ging er über die Kritik des Airbus-Betriebsrates hinweg, der Ende Juli über Personalmangel geklagt hatte. In Deutschland fehlten dem Unternehmen nach Einschätzung des Hamburger Betriebsratschefs Horst Niehus 700 Ingenieure: "Wir hätten schon vor drei bis vier Jahren höher qualifizierte Mitarbeiter gebraucht". Der EADS-Konzernbetriebsratschef Rüdiger Lütjen erweiterte die Kritik, indem er die mangelhafte Zusammenarbeit zwischen Airbus und seinen Zulieferern bemängelte.

Neben diesen internen Problemen droht eine Verzögerung bei der Zulassung des A380. Laut einem "Focus"-Bericht vom 17. September werde die europäische Agentur für Flugsicherheit EASA den Riesen-Airbus nicht wie geplant am 2. Oktober zum Luftverkehr zulassen. Die Musterzulassung werde mindestens drei Monate später erteilt. Eine Woche zuvor waren die ersten Passagiertestflüge erfolgreich verlaufen. Airbus widersprach dem Bericht und bestätigte, dass die ersten A380-Maschinen Ende 2006 ausgeliefert würden. Dieser Termin scheint mit der heutigen Ankündigung obsolet geworden zu sein.

Airbus-Kunden treu, noch

Die Serie von Verzögerungen zeigt erste Folgen. Das britische BAE-Systems, größter Rüstungskonzern Europas, hat sich am 12. September entschieden, seinen 20-prozentigen Airbus-Anteil an EADS zurückzuverkaufen. Am 4. Oktober sollen seine Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über den Verkauf abstimmen; 2,75 Milliarden Euro, weniger als erwartet, soll der Anteil erbringen.

Die Airbus-Kunden sind bislang zuversichtlich. Die Fluggesellschaft Emirates, mit 43 bestellten A380 der größte Kunde, will ihre Bestellungen nicht stornieren. Gleichwohl stellte Emirates-Chef Scheich Ahmed bin Said al-Maktum am 16. September fest: "'Das ist eine

Option, die wir haben, aber die haben wir bislang noch nicht in Erwägung gezogen". Gegenüber Konkurrent Boeing zieht Airbus trotz treuer Kunden den Kürzeren: Bis einschließlich August hat Boeing nach eigenen Aussagen in diesem Jahr 548 Neuaufträge akquirieren können, Airbus indes nur 222. Allerdings liegt Airbus bei der Zahl der Auslieferungen mit 283 Flugzeugen 25 Maschinen vor Boeing - die für den Umsatz relevantere Zahl, weil das Gros des Kaufpreises zu diesem Zeitpunkt fällig wird. Dieser Vorsprung dürfte allerdings angesichts der unendlichen A380-Geschichte nicht lange währen. (th)

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