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Aktuelles

Neue Version zum Anschlag auf Staatschef

Fast 18 Jahre nach dem Attentat auf den ruandischen Präsidenten Habyarimana hat eine französische Kommission einen neuen Untersuchungsbericht vorgelegt. Die Experten kommen zu einem überraschenden Ergebnis.

Der ruandische Präsident Paul Kagame (Foto: Yonhap)

Der ruandische Präsident Paul Kagame

Der tödliche Anschlag vom 6. April 1994 auf das Flugzeug von Juvenal Habyarimana, einem Hutu, markiert den Beginn des Völkermordes in Ruanda. Die Maschine wurde über der Hauptstadt Kigali von einer Boden-Luft-Rakete getroffen und stürzte ab. Hutu-Extremisten töteten anschließend nach UN-Angaben mehr als 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu. Viele Opfer wurden mit Macheten zerstückelt oder lebendig verbrannt. Erst eine von Kagame geführte Exilarmee konnte nach ihrem Einmarsch vom benachbarten Uganda aus den Massenmord beenden.

Eine französische Untersuchung aus dem Jahr 2006 legte das Attentat den damaligen Tutsi-Rebellen der Ruandischen Patriotischen Front unter dem Befehl des heutigen Präsidenten Paul Kagame zur Last. Das Kagame-Lager bestritt diese Darstellung stets.

Ein tückischer Plan?

Ein neuer französische Untersuchungsbericht kommt nach 20-monatigen Prüfungen jetzt zu einem ganz anderen Ergebnis: Die Rakete wurde aus einem Lager der damaligen Präsidentengarde abgeschossen. Demnach hätten Extremisten aus dem Kreis der Hutu-dominierten Armee das Attentat gegen ihren Präsidenten verübt, um den Anschlag der Volksgruppe der Tutsi zuschreiben und damit den Völkermord rechtfertigen zu können.

Die Untersuchungskommission bestand aus Sachverständigen der Ballistik, Brand- und Sprengstoffexperten. Sie machten sich ein Bild von der Absturzstelle und führten Interviews vor Ort. Auslöser der erneuten Untersuchung war die Klage von französischen Angehörigen der Flugzeugbesatzung, die bei dem Absturz ebenfalls ums Leben kam. Die ruandische Regierung erklärte, der neue Bericht bestätige die von ihr seit Jahren vertretene Haltung.

Diplomatische Verwicklungen

Nach dem ersten Bericht hatte ein französischer Untersuchungsrichter 2006 neun internationale Haftbefehle gegen Vertraute Kagames und ranghohe Militärs erlassen. Die ruandische Führung brach daraufhin vorübergehend ihre diplomatischen Beziehungen zu Frankreich ab.

Erst 2010 belebten beide Länder ihre diplomatischen Beziehungen wieder, nachdem sie sich zuvor gegenseitig Mitverantwortung für den Genozid vorgeworfen und komplexe juristische Verfahren eingeleitet hatten. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy leitete die Annäherung 2010 in Ruanda ein. Mit Blick auf den Genozid hatte er schwere Fehler seines Landes eingeräumt, aber eine öffentliche Entschuldigung vermieden. Die Anwälte der sieben Kagame-Vertrauten, gegen die immer noch ermittelt wird, rechnen nun damit, dass die Verfahren eingestellt werden.

kle/gmf (afp, dpa, epd)

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