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Politik

Neue Unruhen am Tempelberg

Neue israelische Grabungen in Jerusalem lösen gewalttätige Proteste von Plästinensern aus, die nach den Freitagsgebeten eskaliert sind. Auch in Ägypten wurde wegen der Bauarbeiten demonstriert.

Israelische Polizei in Jerusalemer Altstadt (Quelle: AP)

Neue Auseinandersetzungen in der Jerusalemer Altstadt

Der Streit um Bauarbeiten Israels am Fuße des Tempelberges in Jerusalem ist nach den Freitagsgebeten (9.2.2007) in der Al-Aksa-Moschee heftig eskaliert. Die israelische Polizei habe das Gelände der Moschee auf dem Tempelberg gestürmt, berichteten Augenzeugen. Während muslimische Gläubige Steine warfen, feuerten Polizisten Tränengas und Schockgranaten. Zusammenstöße gab es auch an anderen Stellen der Jerusalemer Altstadt. Insgesamt wurden mehr als 30 Menschen verletzt. Die Polizei nahm 17 Demonstranten fest.

Ein Teil der Muslime verbarrikadierte sich in der Moschee, berichteten Augenzeugen. Der palästinensische Politiker Mustafa Barguti warf den Israelis vor, sie seien noch vor dem Ende der Freitagsgebete gewaltsam auf das Gelände der Al-Aksa-Moschee vorgestoßen. Ein israelischer Polizeisprecher sagte, Aufgabe der Einheiten sei es, für Ruhe zu sorgen. Die Polizei habe die Lage "voll unter Kontrolle". Für Männer unter 45 Jahren war der Zugang auf den Tempelberg am Freitag verboten. Die Behörden hatten vor dem Freitagsgebet vorsorglich 3000 Polizisten in Bereitschaft versetzt, etwa drei Mal so viel wie sonst üblich. Auch an einem Hauptkontrollpunkt vom Westjordanland nach Jerusalem kam es zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften.

Appell an UN Sicherheitsrat

Israelische Behörden lassen an einem im Jahr 2004 teilweise eingestürzten Fußweg am Fuße des Tempelberges arbeiten, der vom Platz der Klagemauer auf den Tempelberg führt. Die Ausgrabungen sind umstritten: Arabische Staaten befürchten, dass sie das Fundament der Moschee beschädigen könnten und haben Israel gebeten, die Arbeiten einzustellen. Die arabischen Mitglieder der Vereinten Nationen (UN) appellierten am Donnerstag an den UN-Sicherheitsrat, einzuschreiten und die Ausgrabungen zu stoppen. In ihrer Stellungnahme hieß es, der Sicherheitsrat solle "sofort und dringend Maßnahmen ergreifen, um den israelischen Verstößen Einhalt zu gebieten".

Tempelberg in Jrusalem (Foto: Jim Holländer)

Wieder entzündet sich Streit am Tempelberg

Israel will mit den Arbeiten eigenen Angaben zufolge Kunstwerke retten, die durch den Bau einer Fußgängerbrücke zur Moschee gefährdet seien. Die Gefahr, das Fundament zu beschädigen, besteht nach israelischen Angaben nicht. Die rund 1400 Jahre alte Moschee ist das drittwichtigste Heiligtum der Muslime.

Proteste auch in Ägypten

Die ägyptische Polizei sperrte am Freitag Tausenden von Muslimen den Weg zum Freitagsgebet in der Kairoer Al-Azhar-Moschee, um Protestaktionen gegen die israelischen Bauarbeiten zu verhindern. Die aufgebrachten Gläubigen demonstrierten daraufhin in den umliegenden Straßen. Die spontane Demonstration wurde jedoch schon nach weniger als einer halben Stunde von der Polizei beendet. Nach Angaben von Augenzeugen wurden Dutzende von Menschen festgenommen, darunter mehrere Mitglieder der offiziell verbotenen Muslimbruderschaft.

Konflikte um den Tempelberg waren mehrfach Auslöser heftiger Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis. Bei Zusammenstößen wegen der Öffnung eines Tunnels kamen 1996 etwa 80 Menschen ums Leben. Ein Besuch des damaligen Oppositionsführers Ariel Scharon auf dem Tempelberg löste am 28. September 2000 die zweite Intifada mit mehrjährigen Unruhen aus. (rri)

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