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Attentat in Nordirland

10. März 2009

Nur rund 48 Stunden nach dem tödlichen Überfall auf zwei britische Soldaten ist Nordirland von einem weiteren Anschlag einer radikalen Splittergruppe der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) erschüttert worden.

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Blumen vor dem Eingang der Kaserne von Antrim - dort wurden zwei Soldaten ermordet (Foto: AP)
Blumen vor dem Eingang der Kaserne von Antrim - dort wurden zwei Soldaten ermordetBild: picture-alliance/ dpa
Der Tatort in Craigavon. Polizisten riegeln das Gebiet weiträumig ab (Foto: AP)
Der Tatort in Craigavon. Polizisten riegeln das Gebiet weiträumig abBild: AP

Südwestlich von Belfast wurde am Montagabend (09.03.2009) ein Polizist erschossen. Unmittelbar nach der Tat riegelten zum Teil schwer bewaffnete Polizisten den Tatort weiträumig ab. Eine umfangreiche Fahndung nach den Tätern wurde eingeleitet. Weniger als 24 Stunden nach dem Attentat nahmen die Fahnder zwei Verdächtige fest: Einen 18-Jährigen aus Craigavon und einen 37-Jährigen, dessen Herkunft zunächst nicht genauer angegeben wurde.

Mehrere Polizisten in der etwa 30 Kilometer südwestlich von Belfast gelegenen Kleinstadt Craigavon waren nach Angaben der nordirischen Polizei am Montagabend zu einem Einsatz in einer überwiegend von Katholiken bewohnten Gegend gerufen worden. Als sie aus dem Streifenwagen stiegen, eröffneten Angreifer das Feuer und töteten einen 48-jährigen Polizisten mit einem Kopfschuss.

"Anschlag auf den Friedensprozess"

Medienberichten zufolge hat sich eine Splittergruppe der katholischen Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) zu dem jüngsten Anschlag bekannt. Die Continuity IRA (Fortdauernde IRA) erklärte nach Angaben der Nachrichtenagentur Press Association in einem verschlüsselten Bekennerschreiben, die Angriffe würden so lange weiter gehen, wie es britische Einmischung in Irland gebe.

Politiker aller Parteien verurteilten das Attentat. Großbritanniens Premierminister Gordon Brown betonte, es werde kein Zurück zu den alten Zeiten geben. Auch die Sinn-Fein-Partei, die lange Zeit als der politische Arm der einstigen Terrororganisation IRA galt, distanzierte sich von der Bluttat. Der regionale Sinn-Fein-Abgeordnete, John O'Dowd, nannte die Tat einen Anschlag auf den Friedensprozess. Das sei falsch und kontraproduktiv, so O'Dowd.

Gordon Brown (l.), Nordirlands Premierminister Peter Robinson (M.) und der stellvertretende Regierungschef Martin McGuinness (Foto: AP)
Gordon Brown (l.), Nordirlands Premierminister Peter Robinson (M.) und der stellvertretende Regierungschef Martin McGuinnessBild: AP

Bei dem Anschlag auf die Kaserne von Antrim am Samstag erschossen Unbekannte zwei Soldaten und verletzten vier Männer. Zu der Bluttat hatte sich die "Wahre IRA", eine andere Splittergruppe der irisch-republikanischen Terrororganisation IRA, bekannt.

Der britische Premierminister Gordon Brown glaubt nicht an eine Gefahr für den Frieden in der Region. Bei seinem Besuch in Belfast sagte Brown am Montag, der Friedensprozess in Nordirland wäre nicht zu stoppen. Die Menschen und die politischen Parteien ständen geeint hinter dem politischen Friedensschluss, an dem die Menschen seit Jahren gearbeitet hätten.

Alle politischen Parteien hatten den Anschlag verurteilt - auch die Partei "Sinn-Fein", der politische Arm der IRA. Der Vorsitzende Gerry Adams betonte am Montag, dass die Partei die Ermittlungen unterstützen werde.

Gerry Adams (Foto: AP)
Präsident der Partei "Sinn-Fein" Gerry AdamsBild: AP

Der Konflikt zwischen pro-britischen Protestanten und republikanischen Katholiken, die eine Abspaltung von Großbritannien und eine Vereinigung mit Irland anstreben, kostete seit den 1960er Jahren mehr als 3500 Menschen das Leben. Der Anschlag auf die Kaserne am Wochenende war der erste seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens vor elf Jahren.

"Wahre IRA"

Die Splittergruppe "Wahre IRA" spaltete sich 1997 von der IRA (Irisch-Republikanische Armee) ab, nachdem diese einen Waffenstillstand verkündet hatte. Die "Wahre IRA" sah darin eine "Kapitulation" vor den "britischen Besatzern" und setzte den bewaffneten Kampf für eine Vereinigung Nordirlands mit der Republik Irland fort.

Bei der Abspaltung konnte die Organisation Teile des IRA-Waffenarsenals für sich abzweigen. Sie verfügt unter anderem über Granatwerfer, Maschinenpistolen, Sturmgewehre, Plastiksprengstoff und Zeitzünder. Ihre schätzungsweise 50 Kämpfer operieren in kleinen Zellen. Die Organisation wird für das schwerste Attentat in der Geschichte des Nordirland-Konfliktes verantwortlich gemacht: nur wenige Wochen nach dem Karfreitagsabkommen, das das Ende des Bürgerkrieges zwischen Protestanten und Katholiken besiegelte, starben in Omagh bei einem Bombenattentat 29 Menschen. (sas/sam/kis)