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Deutschland

Neue Töne einer neuen Ministerin

Der erste Auftritt vor der Bundespressekonferenz ist für Politiker eine wichtige Premiere. Auch die neue Bildungsministerin Johanna Wanka gab vor den Hauptstadtjournalisten ihr Debüt und setzte überraschende Akzente.

Johanna Wanka (Foto: dpa)

Johanna Wanka

Noch etwas unsicher betrat die frisch ernannte Bildungs- und Forschungsministerin Johanna Wanka den roten Teppich des Pressesaals und begrüßte die Journalisten mit einem leisen "Guten Tag". Auch mit dem typischen Blitzlichtgewitter ging die neue Bundesministerin im Kabinett von Angela Merkel noch etwas schüchtern um.

Zunächst einmal hat die 61-Jährige nur sieben Monate Zeit bis zur nächsten Bundestagswahl im September, das von ihrer Vorgängerin Annette Schavan - wie sie sagt - "gut bestellte Feld" zu beackern. In ihrer Rede machte sie klar, dass sie sowohl ernten, als auch neue Saat setzen möchte. Ex-Ministerin Schavan, die wegen einer Plagiatsaffäre zurücktrat, hatte während ihrer Amtszeit eine stete Erhöhung ihrer Etats erkämpft. Das will Johanna Wanka natürlich fortsetzen. Weiterführen möchte die Bundesministerin auch den Hochschulpakt zwischen Bund und Ländern, mit dem die steigenden Studentenzahlen in Deutschland bewältigt werden sollen. Punkt zwei und drei auf ihrer Liste seien die Qualitätsoffensive in der Lehrerbildung und weitere Verhandlungen zu gemeinsamen Forschungsvorhaben zwischen Bund und Ländern, so Wanka.

Neue Töne

Die neue Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (Foto: dpa)

Wanka will sich für mehr Bildungsgerechtigkeit einsetzen

"Die Möglichkeit zu gestalten, ist das Schönste für mich", sagte Wanka und nannte auch gleich drei Punkte, die sie anpacken möchte. Das Thema Bildungsgerechtigkeit liege ihr sehr am Herzen. Obwohl Deutschland mit einer niedrigen Jugendarbeitslosigkeit und sinkenden Schulabbrecherquoten in Europa erfolgreich dastehe, sei die Wahrnehmung bei vielen Menschen eine andere. Wanka möchte deshalb Schwachstellen bei den Übergängen zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung abbauen. Als Beispiel nannte sie hierfür den Tischler, der bei entsprechender Leistung auch Design studieren können soll. Ebenso müsste Studienabbrechern ein geordneter Weg ins Arbeitsleben möglich sein. "Dabei geht es mir nicht nur um die Frage der Fachkräftesicherung, sondern um individuelles Glück und ein erfülltes Leben."

Das waren durchaus neue Töne, die Wanka anstimmte. Die deutsche Politik richtet ihre Arbeitsmarktpolitik seit Jahren streng wirtschaftspolitisch, also auf die Interessen der Unternehmen und der Staatsfinanzen aus. Ungewohnt bürgernah klang auch das Vorhaben der neuen Ministerin, Forschungen zu Volkskrankheiten schneller für die Patienten nutzbar machen zu wollen. "Das ist wichtig für unser Leben", so Wanka.

Nicht nur Projekte

Mehrmals sprach Wanka von Strategien, die sie entwickeln möchte. Es ginge nicht nur darum, Projekte auf den Weg zu bringen. Bei der Kooperation zwischen Bund und Ländern sollte es zudem nicht immer nur um Finanzierungsfragen gehen, sondern auch um Wege, um Deutschlands Hochschul- und Forschungslandschaft international erfolgreich zu machen. Und beim zentralen Vorhaben der Energiewende möchte die Ministerin ein "neues Format entwickeln, um die Energieforschung zu bündeln". Denn es gebe zum Beispiel beim Thema Energiespeicherung "sehr viele Fragen, die noch beantwortet werden müssen". Hier wolle sie mit dem Wirtschaft- und dem Umweltministerium gemeinsam vorangehen.

Die neue Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (Foto: dpa)

Auch die Frauenföderung liegt der neuen Ministerin am Herzen

Bei einigen aktuellen Diskussionen hielt sich Wanka zurück. Zur Debatte um den Sinn oder Unsinn des Sitzenbleibens möchte sie keinen Kommentar abgeben. Beim Thema Studiengebühren sei sie als Bundesministerin nicht gefragt, dies sei Sache der Bundesländer. Nur dem Thema Frauenquote konnte sie sich letztlich nicht entziehen. Allerdings setzte Wanka, die schon in der DDR als Professorin für Ingenieurmathematik eine akademische Karriere machte, auch bei diesem Thema einen etwas anderen Akzent als manche ihre Kabinettskolleginnen. Frauenförderung sei für sie nicht nur eine Frage der Familienförderung und der Schaffung von Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. "Wir brauchen eine Förderung von Frauen im akademischen Bereich", forderte Wanka. Darüber habe sie vor Jahren zugegebenermaßen noch anders gedacht, weil an ihrer Hochschule im ostdeutschen Merseburg jede dritte Professorenstelle mit einer Frau besetzt war. Sie musste lernen, dass es im wiedervereinigten Deutschland dann doch eine gläserne Decke gibt, die Karriere von Frauen auf diesem Gebiet behindere.

Rund eine Stunde dauerte die Premiere von Frau Wanka in der Bundespressekonferenz. Die Stimmung war am Ende gut, auch weil die Ministerin bestimmt und dennoch freundlich auftrat. Sie wirkte dabei glaubhaft. Dieser Stil könnte das politische Leben in Berlin durchaus bereichern.