1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Neue Strategie der Taliban-Milizen

Afghanistan steht vor einer neuen Serie von Attentaten. Hintergrund ist die Kritik gemäßigter islamischer Geistlicher an den Taliban-Milizen. Diese versuchen nun ihre kritischen Glaubensbrüder zum Schweigen zu bringen.

default

US-Soldaten in Afghanistan auf der Suche nach Taliban-Kämpfern

Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Moschee in der südafghanischen Stadt Kandahar sind am Mittwoch (1.6.) mindestens zwanzig Menschen getötet worden. Der Terrorakt richtete sich gegen eine Trauerfeier für einen Geistlichen, der als Kritiker der fundamentalistischen Taliban-Miliz erst am Sonntag (29.5.) einem Attentat zum Opfer gefallen war.

Der Selbstmordanschlag in Kandahar stellt keineswegs ein zufälliges und isoliertes Ereignis dar. Im Gegenteil: Es ist ein wichtiger Bestandteil einer neuen Strategie der Taliban-Milizen. Nach den terroristischen Anschlägen im Süden und Osten Afghanistans zunehmend in Isolation geraten, versucht nun ein harter Kern der fanatischen Milizen neben den Anschlägen auf Angehörige der internationalen Koalition gegen Terrorismus selbst gemäßigte Geistliche des Landes einzuschüchtern.

Parlamentswahlen

Taliban-Delegierter Wakil Ahmad Mutawakil

Taliban-Delegierter Wakil Ahmad Mutawakil (Archiv)

Andererseits versuchen einige, selbst dem Chef der Milizen Mullah Omar nahe stehende Kader, sich ein neues politisches Image zu verpassen, um mit der afghanischen Regierung politische Gespräche zu führen. Als eine Konsequenz dieser Gespräche haben sich nun vier ehemalige Kader der Milizen, darunter auch der ehemalige Außenminister der Taliban Wakil Mutawakil (Foto), für die Parlamentswahlen als Kandidaten aufstellen lassen. Diese sind für den 18. September geplant.

Dem Selbstmordanschlag am Mittwoch fiel unter anderen auch ein prominenter Afghane zum Opfer: der Polizeichef von Kabul, Akram Khakrieswal. Er war in der afghanischen politischen Szene kein unbeschriebenes Blatt. Der aus Kandahar stammende General hat sich seinerzeit im Kampf gegen die Taliban-Milizen als populärer Kommandeur profiliert. Er war nun aus der Hauptstadt nach Kandahar geflogen, um an der Trauerfeier für den am Sonntag (29.5.) erschossenen Geistlichen Fayas teilzunehmen.

Kritik an Taliban

Als ein gemäßigter Mullah war auch Mawlawi Abdullah Fayas in Kandahar sehr beliebt. Die Moschee seines Vaters Mawlawi Abdul Rab im Süden der Stadt hatte sich zu einem beliebten Zentrum der gemäßigten Geistlichen des Landes entwickelt. Der 54-jährige Fayas hatte als Vorsitzender der "Schorai Uloma" - des Rates der Geistlichen - in seinen Predigten schon immer eine sehr starke Position gegen die Taliban-Milizen bezogen. Zum Beispiel forderte er die Aberkennung des Titels Amirul Momenien, "Fürst der Gläubigen", den sich der Chef der Taliban Mullah Omar zugelegt hatte. Damit hat zum ersten Mal ein Geistlicher die Autorität von Mullah Omar in Frage gestellt. Zudem hat Fayas die Aufforderung der Taliban-Milizen zum "Dschihad" - dem heiligen Krieg - als unislamisch bezeichnet.

In einer ersten Reaktion auf den Anschlag bezeichnete Shahsada Khan, Sprecher der zuständigen Behörde in Kandahar, in einem Interview mit der Deutschen Welle den Anschlag als ein Werk der "Feinde des Friedensprozesses in Afghanistan". Die Suche nach den Hintermännern dauere an. Eine Untersuchung des Attentats habe noch nicht stattfinden können.

Mit der Ausweitung ihrer Terrorakte selbst auf gemäßigte Geistliche des Landes haben die Taliban-Milizen dem traditionellen Islam in Afghanistan den Kampf angesagt. Die Konfrontation mit dem im afghanischen Volk verwurzelten Islam wird dazu führen, dass sich die Taliban-Milizen noch mehr von den frommen Moslems des Landes isolieren und letzten Endes als eine bewaffnete Bande entlarven, die den Friedensprozess am Hindukusch um jeden Preis zerstören will.

Die Redaktion empfiehlt