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Fokus Osteuropa

Neue Spannungen in Süd-Serbien

Nach der Tötung eines jungen Albaners im Presevo-Tal an der Grenze zu Mazedonien hat sich die Lage in Süd-Serbien wieder zugespitzt. Die Bemühungen um einen Dialog sind zunächst gescheitert.

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Bereits im Jahr 2003 kam es im Presevo-Tal zu Unruhen

Die Armee Serbien-Montenegros erschoss am vergangenen Freitag (7.1.) einen minderjährigen Albaner beim Versuch, die mazedonisch-serbische Grenze rechtswidrig zu übertreten. Der Leichnam des 16-jährigen Dashim Hajrulahu wurde 450 Meter von der Grenzlinie gefunden. Serbien-Montenegros Verteidigungsminister Prvoslav Davinic erklärte daraufhin, Armee und Grenzschutz hätten sich vorschriftsmäßig verhalten. Der Leiter des Koordinationszentrums für Süd-Serbien, Nebojsa Covic, warf dagegen dem Verteidigungsminister vor, er verstehe nicht genug von seiner Arbeit. Eine Militärreform bedeute nicht nur die Pensionierung von Generälen. Covic forderte, die Rolle von Berufssoldaten zu stärken, insbesondere für eine so krisengeschüttelte Region, wie es im mehrheitlich von Albanern bewohnten Süd-Serbien der Fall sei.

Protest im Presevo-Tal

Der Tod des Minderjährigen hat die albanische Bevölkerung im Presevo-Tal aufgebracht. In einem Trauerzug durch die Stadt Presevo erteilten 20.000 Personen Dashim Hajrulahu am Sonntag (09.01.) die letzte Ehre. Tags darauf erschienen rund 5.000 Personen zu einer Protestversammlung im Zentrum Presevos. Sie unterstützten damit die Forderungen des Stadtrats an Belgrad, die Angehörigen der Streitkräfte sowie der Gendarmerie aus Süd-Serbien zurückzuziehen sowie mehr Grenzübergänge zum Kosovo zu eröffnen. Die internationale Gemeinschaft wurde aufgefordert, dringend diplomatisch einzugreifen.

Dialogversuch gescheitert

Zwar reisten Nebojsa Covic und der serbisch-montenegrinische Minister für Menschen- und Minderheitenrechte, Rasim Ljajic, umgehend nach Südserbien, doch sie erwarteten ihre albanischen Gesprächspartner im Büro des Koordinationszentrums in Bujanovac. Dorthin wollten die albanischen Politiker sich allerdings nicht begeben, Covic und Ljajic weigerten sich wiederum, nach Presevo zu fahren. Somit kam kein Dialog zu Stande, und die Positionen der politischen Vertreter der Albaner und die der Regierung aus Belgrad verhärteten sich eher. Minister Ljajic versuchte auf einer Pressekonferenz am späten Montagnachmittag (10.1.) zu beschwichtigen: „Die Ermordung des albanischen Jugendlichen ist ein Unglücksfall und darf nicht zu politischen Zwecken missbraucht werden.“ Er kündigte ferner an, dass das Koordinationszentrum für die Gemeinden Bujanovac, Presevo und Medvedja restrukturiert und sowohl serbische als auch erstmals albanische Vertreter aus Süd-Serbien darin mitarbeiten sollten.

Albanische Vertreter noch uneins

Die serbische und auch die serbisch-montenegrinische Regierungsspitze billigte am Dienstag (11.1.) die Beteiligung von albanischen Vertretern aus dem Presevo-Tal im Koordinationszentrum. Die politische Führung der Albaner reagierte zurückhaltend: So verwarf der Bürgermeister von Presevo und Vorsitzender der Partei des demokratischen Handelns, Riza Halimi, eine Beteiligung der albanischen Gemeinschaft. Er erklärte, ihm sei nicht bekannt, wie das Koordinationszentrum reorganisiert werden solle, und daher wisse er auch nicht, wer die Albaner aus Südserbien darin vertreten könne. Auch die Vertreter von drei weiteren albanischen Parteien lehnten eine Mitarbeit zunächst ab, meinten allerdings auch, dass darüber noch entschieden werden müsse.

Verspätetes Handeln in Belgrad

Die Spannungen in Süd-Serbien waren auch Thema einer Podiumsdiskussion anlässlich des 15. Jahrestages vom Forum für interethnische Beziehungen in Belgrad. Dem Koordinator dieses Forums, Dusan Janjic, zufolge sei das größte Manko der Behörden in Belgrad, dass sie verzögert reagierten und nichts unternehmen würden, um Spannungen vorzubeugen. Bereits vor drei Jahren sei vorgeschlagen worden, die Vertreter der Serben und Albaner aus Süd-Serbien im Koordinationszentrum einzubinden. Allerdings sei dies nie umgesetzt worden, weil Einzelne die Kontrolle in ihren Händen wissen wollten. Nach Janjics Einschätzung ist die gegenwärtige Krise lösbar. Er warnt aber auch davor, dass „sie außer Kontrolle geraten und sich zu einem regionalen Problem ausweiten kann.“

Grüne Grenze für Schmuggler

Janjic wies darauf hin, dass immer noch viel zu wenig Menschen in Serbien und noch weniger im Ausland wüssten, wie die Situation entlang der Grenze aussehe: „Das sind Schmuggelzonen. Jetzt ist es nur ein so genannter kleiner Grenzverkehr für Schmuggler. Es könnte aber ein Grenzübergang für legalen Handel werden. Dieser kann sehr einfach legalisiert werden, dass kann aber nur der Staat lösen.“

DW-RADIO / Serbisch, 13.1.2005

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