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Nahost

Neue schwere Gewalt bei Protesten in Jemen

Die Unruhen in Jemen nehmen immer mehr Züge eines Bürgerkriegs an: Bei Massenprotesten ist es erneut zu schwerer Gewalt gekommen. Die Regierung reagiert zunehmend nervös und lässt die Armee aufmarschieren.

Massenprotest gegen Präsident Saleh in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa am 14.03.2011 (Foto: AP)

Auch am Montag kam es in Sanaa zu Massenprotesten gegen Präsident Saleh

Zeugen berichteten am Montag (14.03.2011) aus der Stadt Tais von heftigem Gewehrfeuer. "Über Opfer können wir noch keine Angaben machen", sagte ein Aktivist per Telefon der Nachrichtenagentur Reuters. In der Hauptstadt Sanaa versuchten Soldaten mit gepanzerten Fahrzeugen, eine Gruppe von etwa 20.000 Demonstranten zu umstellen, die dort seit Wochen ausharren. "Wir erwarten jederzeit einen Angriff", sagte ein Mann. "Aber wir werden nicht weichen, bis das Regime gestürzt ist."

Tausende Demonstranten verlangten in Sanaa am Montag, 14.03.2011, erneut den Rücktritt von Präsident Saleh (Foto: AP)

Tausende Demonstranten verlangten am Montag erneut den Rücktritt von Präsident Saleh

Saleh feuert Minister

Nach neuerlichen Zusammenstößen zwischen Regierungsgegnern und Sicherheitskräften am Wochenende hatte der jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh den zuständigen Minister entlassen. Laut einem Dekret vom Sonntagabend musste Hamud al Hattar sein Amt aufgeben und wurde durch Jugendminister Hamud Abad ersetzt. Al Hattar hatte sich zuvor vergeblich bemüht, die Opposition davon zu überzeugen, ein Dialogangebot Salehs anzunehmen.

Am Samstag hatten die Sicherheitskräfte in Sanaa, in der südlichen Hafenstadt Aden und in Mukalla im Südosten des Landes sieben Menschen getötet, unter ihnen einen 12-jährigen Jungen. Augenzeugen beschrieben das Vorgehen als äußerst brutal. Die Polizisten hatten nicht nur Tränengas und Wasserwerfer, sondern auch scharfe Munition eingesetzt.

USA zeigen sich alarmiert

Zurückgelassene Steine nach den Protesten in Sanaa vom Montag, 14.03.2011 (Foto: AP)

von den Protestierern zurückgelassene Steine

Die USA zeigten sich am Sonntagabend nach den Worten von Außenamtssprecher Philip Crowley "tief besorgt" über die Gewalt und riefen die Regierung in Sanaa auf, die Vorfälle umgehend zu untersuchen. Die jemenitische Regierung müsse alle notwendigen Schritte zum Schutz der Rechte ihrer Bürger unternehmen, wie es Präsident Saleh zugesagt habe.

Regierungsgegner fordern seit Wochen das Ende der Ära von Präsident Ali Abdullah Saleh, der seit 32 Jahren an der Macht ist. Sie demonstrieren auch gegen die Korruption und Arbeitslosigkeit in dem armen südarabischen Land, wo 40 Prozent der Bevölkerung mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen müssen. Die von den Umstürzen in Ägypten und Tunesien inspirierten Revolten haben Saleh geschwächt. Er hat angeboten, die Verfassung zu ändern und dem Parlament mehr Rechte einzuräumen. Einen Rücktritt hat er jedoch mehrfach abgelehnt. Die USA betrachten den Jemen als wichtigen Verbündeten im Kampf gegen die islamistische Al-Kaida, die in dem Land agiert.

Autor: Sven Töniges (rtr, afp, ap, dpa)

Redaktion: Stephanie Gebert

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