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Afrika

Neue Regierung, altes Problem

Vor einem Jahr wurde in Kenia eine neue Koalitionsregierung verkündet. Trotz anfänglicher Versprechen ist sie geprägt von Missmanagement und Korruption. Beides ist verantwortlich für die Nahrungsmittelkrise im Land.

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Kenia 2008: Präsident Kibaki ernennt Odinga zum Premierminister

John Githongo ist ein kräftiger, großer Mann, der in seiner Freizeit oft Gewichte stemmt. Trotzdem musste er vor wenigen Jahren sein Land aus Angst verlassen, denn Githongo war von 2003 bis 2005 der Korruptionsberater von Präsident Kibaki. Als früherer Journalist nahm er seine Aufgabe nach der Meinung vieler Politiker zu ernst und wurde vielen ein Dorn im Auge. Nach zwei Jahren im Amt warf Githongo wegen mangelnder Unterstützung der Regierung schließlich das Handtuch. Als er auch noch Todesdrohungen erhielt, flüchtete er nach Großbritannien. Mittlerweile hat Kenia seit mehr als einem Jahr eine neue Regierung, aber noch immer die alten Probleme. "Damals war der Wille, Korruption von oben herab zu bekämpfen noch nicht da. Und er ist immer noch nicht da", meint Githongo.

Millionen Kenianer vom Hunger bedroht

Dürre Nordkenia

Nicht nur die Dürre ist für die Nahrungsmittelkrise verantwortlich

Das beweist auch der aktuellste Fall, der an Dreistigkeit kaum zu überbieten ist. Kenia plagte schon 2008 eine heftige Dürre und eine Nahrungsmittelkrise bahnte sich an. Trotzdem wurden rund eine Million Sack Mais gewinnbringend an den Südsudan verkauft und Agrarminister William Ruto soll die Zahlen der nationalen Maisreserve einfach manipuliert haben. Außerdem sind etliche Sack Mais spurlos verschwunden und der Preis wurde künstlich in die Höhe getrieben. Mittlerweile sind zehn Millionen Kenianer von der Nahrungsmittelkrise betroffen, der Notstand musste ausgerufen werden. Kenia musste die Importzölle für Mais streichen, um wieder Nahrung ins Land zu holen. "Ich habe meine Verantwortung als Landwirtschaftsminister mit all meinen Möglichkeiten und so gut ich konnte erfüllt", bleibt der Agrarminister Ruto standhaft. "Wenn es einen Grund für mich geben würde zurückzutreten, würde ich nicht einen Tag oder eine Minute zögern. Ich würde das ehrenhaft machen!"

Der Unmut der Bevölkerung wächst

Kenia Wahlen Unruhen Gewalt Feuer

Es brodelt unter der Oberfläche - Unruhen in Kenia Anfang 2008

In der vergangenen Woche gab es im Parlament ein Misstrauensvotum gegen den Agrarminister, der mit einer klaren Mehrheit im Amt blieb. Mit ihm wächst aber auch der Unmut der Bevölkerung weiter. In einer Umfrage des kenianischen Forschungsinstitutes der Steadman Group forderten 56 Prozent der befragten Kenianer den Rücktritt des Agrarministers. Auch das Ansehen der gesamten Regierung ist rapide gesunken, denn 70 Prozent der Befragten sind der Studie zufolge der Meinung, dass die große Koalition bisher nichts erreicht habe.

"Was jetzt passiert hat direkte Auswirkungen auf den Preis, den die Leute für alltägliche Produkte wie Mais zahlen. Und das merkt man sehr direkt und am eigenen Leibe", erklärt der Anti-Korruptionsaktivist John Githongo. "Es trifft direkt den Geldbeutel der Bevölkerung und deshalb ist ihr Ärger viel größer. Sie fühlen die Schmerzen jetzt viel stärker."

Wandel in Sicht?

Schulkinder / Aids-Waisen in Nairobi (Kenia)

Immer noch leben Millionen Kinder unterhalb der Armutsgrenze

Die Wut der Bevölkerung wird durch das internationale Korruptions-Ranking von Transparancy International gestützt. Da belegte Kenia im vergangenen Jahr Platz 147 von 180 getesteten Staaten - Tendenz fallend. Aber John Githongo ist von einem möglichen Wandel überzeugt und kam wieder zurück in sein Heimatland. Githongo weiß, dass die Korruption Kenia zerfrisst, die Bevölkerung weiß, dass die Korruption ihre Nahrung frisst, aber solange die Regierungsspitze die Korruption nicht entschlossener bekämpft, wird das große Fressen der großen Koalition weitergehen.

Autor: Adrian Kriesch

Redaktion: Katrin Ogunsade


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