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Politik

Neue Partnerschaften gegen Lebensmittelkrise

In Brüssel trafen sich Spitzenpolitiker der Europäischen Union mit Vertretern der Welternährungsorganisation FAO, der Vereinten Nationen und der Entwicklungsländer. Es ging um die Frage "Wer ernährt die Welt?"

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Brot oder Kraftstoff - das ist hier die Frage

Weder mit radikaler Liberalisierung noch mit einer Abschottung der nationalen Märkte für Agrarprodukte werde man des Problems langfristig Herr werden, sagte der französische Landwirtschaftsminister Michel Barnier, der zurzeit Ratsvorsitzender der Agrarminister der Europäischen Union ist. Die knappen Nahrungsmittel könnten nur wieder billiger werden, wenn die Produktion ausgeweitet würde. Dazu müssten reiche Agrarstaaten im Norden und arme Staaten im Süden dringend neue Partnerschaften schließen, forderte der Direktor der Welternährungsorganisation FAO, Jacques Diouf.

Bekämpfung der Landflucht

Der EU-Kommissar für Entwicklungshilfe Louis Michel forderte die Regierungen der Entwicklungsländer auf, ihren Bauern stärker zu helfen. Sie bräuchten vor allem bessere Verkehrswege und Lagerkapazitäten. Die EU-Kommissarin für Landwirtschaft, Mariann Fischer-Boel kündigte ein Hilfspaket für Landwirte in den Entwicklungsländern an: "Wir wollen ihnen mit Geld helfen, damit sie Saatgut und Dünger kaufen können. So sollen sie ihre Menschen ernähren und hoffentlich eine Flucht in die Städte verhindern, wo es keine Zukunft gibt."

Jacques Diouf Generaldirektor der Welternährungsorganisation

Jacques Diouf, Generaldirektor Welternährungsorganisation (FAO)

Die Höhe der Finanzhilfen soll erst nächste Woche bekannt gegeben werden. Noch ist die EU-Kommission dabei, Haushaltsmittel im Agrarbereich umzuschichten. Etwa 860 Millionen Menschen leiden nach Schätzungen der EU akut an Hunger. Allein im letzten Jahr sind wegen der explodieren Preise für Getreide und Grundnahrungsmittel 50 Millionen Menschen hinzugekommen, sagte FAO-Direktor Jacques Diouf. EU-Entwicklungshilfe-Kommissar Louis Michel sprach sich dagegen aus, wieder einen neuen Hilfsfonds zu gründen, wie das Frankreich angeregt hatte. Viel sinnvoller sei es, Hilfsprogramme für jedes einzelne Entwicklungsland besser zu koordinieren. Es gehe um bessere Verteilung von Saatgut und eine bessere Wasserversorgung.

Änderung der Prioritäten

EU-Landwirtschafts-Kommissarin Mariann Fischer Boel wies erneut Vorwürfe zurück, die EU sei mit ihren Subventionen für die eigenen Bauern Schuld an der Nahrungsmittelkrise in den Entwicklungsländern. Frau Fischer Boel sagte, es gebe außer bei Milchprodukten so gut wie keine Exportbeihilfen mehr. Das Problem sei vielmehr, dass die Entwicklungsländer so wenig produzieren, dass sie einfach nur sehr wenig zu exportieren hätten. Ohne Importe aus der EU würde in manchen Ländern die Versorgung völlig zusammenbrechen.

Die Europäische Union will übrigens nicht nur den Bauern im Ausland helfen, auch innerhalb der Union litten ärmere Bevölkerungsschichten den Anstieg der Nahrungsmittelpreise. Deshalb, so Mariann Fischer-Boel, würden sich auch die Prioritäten ihrer Arbeit verschieben: "Wir hatten ein System, das mit Überproduktion fertig werden musste. Das brauchen wir nicht mehr. Wir werden jetzt ein System schaffen, um den bedürftigen Menschen in der Europäischen Union zu helfen."

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