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Fußball

Neue Ligastars trotz Sparkurs

Nach der WM hat es Altstars wie Raul und Ballack in die Bundesliga gezogen. Jung-Stars wie Özil, Khedira und Boateng wanderten jedoch ab. Insgesamt hat sich die Liga auf dem Transfermarkt bisher zurückgehalten.

Symbolbild Raul und Ballack (Foto: AP/DW-Montage)

Bayern-Spieler feiern die Meisterschaft (Foto: AP)

Bayern wieder klarer Titelfavorit

Die Bundesliga entwickelt weltweit immer mehr Anziehungskraft - als letzte große Station für alternde Stars, aber auch als Fundgrube für junge Talente. Das hat mit dem erfrischenden Fußball der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika zu tun, aber auch mit dem Produkt Bundesliga, das viele Zuschauer anlockt und über eine solide wirtschaftliche Basis verfügt.

Von den Bewegungen auf dem Transfermarkt zeigt sich vor der neuen Saison nur Meister Bayern München bisher unbeeindruckt. "Wir haben keine Veränderungen, nur Toni Kroos kommt von Bayer Leverkusen zurück", erläutert Kapitän Mark van Bommel. "Ansonsten passiert bis jetzt noch gar nichts." Und warum auch sollten die Bayern viel Geld für neue Spieler ausgeben? Das Team ist Doublegewinner aus Meisterschaft und DFB-Pokal und stand gegen Inter Mailand im Finale der Champions League (0:2). Zudem ist der Kader mit Topstars wie Franck Ribery, Arjen Robben, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und WM-Torschützenkönig Thomas Müller hervorragend besetzt. Mit Kroos, Andreas Ottl, Breno (beide 1.FC Nürnberg), Edson Braafheid (Celtic Glasgow) und Jose Ernesto Sosa (Estudiantes de la Plata) holten die Bayern aber gleich fünf ausgeliehene Spieler wieder an die Isar zurück.

Schalke mit Real-Stars

Der Trainer des Bundesligavereins FC Schalke 04, Felix Magath, links, und der spanische Fussballspieler Raul (Foto: AP)

Magath und sein Star Raul

Aufgerüstet hat dagegen Vize-Champion Schalke 04. Ablösefrei kam Stürmerstar Raul von Real Madrid nach Gelsenkirchen. "Er ist eine Persönlichkeit auf und neben dem Feld, der Freude daran hat, mit anderen zusammen erfolgreich zu sein", bemerkt Schalke-Trainer Felix Magath.

Der 33-jährige Spanier hat sich zum Karriereabschluss große Ziele gesteckt. "Ich hoffe, dass wir und auch die Fans viel Spaß an der Mannschaft haben werden und dass wir möglichst unsere Ziele dieses Jahr erreichen." Gemeint ist vor allem die erste Meisterschaft der Königsblauen nach 52 Jahren. Mit Raul kam auch dessen Teamkollege bei Real Madrid, Innenverteidiger Christoph Metzelder. Insgesamt holte Trainer Magath zehn neue Profis, im Gegenzug verließen 15 Spieler den Verein, darunter Kevin Kuranyi (Dynamo Moskau), Heiko Westermann (Hamburger SV) und Rafinha (FC Genua 93).

Özil verlässt Werder

Spielszene Mesut Özil (Foto: AP)

Özil geht zu Real

Bei Werder Bremen, dem Dritten der Vorsaison, hofften die Fans vergeblich, dass Mesut Özil an der Weser bleibt. Der Mittelfeldspieler wechselt zu Real Madrid. Über die Höhe der Ablösesumme machte Werder keine Angaben. Der technisch begabte Spieler hat für die deutsche Nationalmannschaft bisher 17 Spiele absolviert. Bei der Weltmeisterschaft in Südafrika war er zu einem der zehn besten Spieler des Turnier gewählt worden.

Verpflichtet haben die Bremer den Österreicher Marko Arnautovic, der für 6,5 Millionen Euro von Twente Enschede kam und zuletzt an Inter Mailand ausgeliehen war. "Ich will hier Champions-League-Sieger, Pokalsieger und Meister werden", gibt sich Arnautovic nicht gerade bescheiden. Das 21-jährige Stürmertalent gilt als nicht ganz einfach im Umgang und eckt gerne an, wie auch Geschäftsführer Allofs einräumt. "Für den diplomatischen Dienst wäre Marko, glaube ich, eine Fehlbesetzung."

Ballack da, Khedira weg

Einen alten Bekannten präsentiert Bayer Leverkusen: Michael Ballack, schon von 1999 bis 2002 in Diensten der Rheinländer, kam ablösefrei vom FC Chelsea. Der 33-Jährige will mit dem Bayer-Team endlich einen Titel gewinnen. "Es steckt sehr viel Potenzial in der Mannschaft. Das Wichtigste für mich war, dass ich hier eine Chance habe, um die Meisterschaft mitzuspielen und auch international dabei zu sein", sagt Ballack, der für die WM wegen einer Verletzung absagen musste.

Sami Khedira jubelt im Stuttgarter Trikot (Foto: dpa)

Khedira ist nach seinem Wechsel zu Real Madrid in der Bundesliga nicht mehr zu sehen

Zu Real Madrid hat es auch Sami Khedira vom VfB Stuttgart gezogen. Der Nationalspieler wechselte für geschätzte 14 Millionen Euro Ablöse zum spanischen Rekordmeister. Nach einem Treffen mit dem neuen Real-Trainer Jose Mourinho "habe ich relativ schnell die Entscheidung für mich getroffen. Bei so einem Verein mit so einem Trainer konnte ich dieses Angebot überhaupt nicht ausschlagen", sagt der 23-Jährige, einer der deutschen Shootingstars bei der WM in Südafrika. Stuttgarts neuer Sportdirektor Fredi Bobic kann dem Abgang Khediras immerhin auch Positives abgewinnen. "Es gibt sicherlich schlimmere Dinge, als einen Spieler an Real Madrid zu verlieren. Das bedeutet also, dass wir eigentlich gute Arbeit leisten."

Was macht Dzeko?

Der Wolfsburger Edin Dzeko hält die Torjägerkanone in den Händen (Foto: dpa)

Will weg: Torjäger Dzeko

Ungeklärt ist beim VfL Wolfsburg immer noch die Personalie Edin Dzeko. Der Torschützenkönig will weg, hat aber noch keinen neuen Verein gefunden. Vor allem Bayern München soll am Bosnier Interesse bekundet haben. Doch VfL-Manager Dieter Hoeneß erklärte den Stürmer für unverkäuflich. Verpflichtet hat der Meister von 2009 Nationalverteidiger Arne Friedrich von Absteiger Hertha BSC. "Ich hatte ein schweres Jahr mit Berlin und eine Super-Weltmeisterschaft. Ich glaube, dass Wolfsburg ein Team mit sehr viel Potenzial ist, und möchte versuchen, mit der Mannschaft richtig anzugreifen", kündigte der 31-jährige Abwehrspieler ehrgeizig an. Wolfsburg hat auch den teuersten Transfer getätigt. Der dänische WM-Verteidiger Simon Kjaer wechselte für zwölf Millionen Euro von US Palermo nach Niedersachsen.

Der Hamburger SV setzt nach einer enttäuschenden Saison auf die Qualitäten des Verteidigers Heiko Westermann, der von Schalke an die Elbe kam. Neu im Team um Altstar Ruud van Nistelrooy ist auch der Berliner Torhüter Jaroslav Drobny. Er kämpft mit Frank Rost um die Nummer 1 beim HSV. Nationalspieler Piotr Trochowski findet es gut, "wenn Positionen doppelt besetzt sind. Jeder muss noch mehr Gas geben, deswegen ist das nur positiv für die ganze Mannschaft." Nicht mehr dabei ist Jerome Boateng, für den der HSV 12,5 Millionen Euro von Manchester City kassierte. Borussia Dortmund gab für Stürmer Robert Lewandowski (Lech Posen) 4,5 Millionen Euro aus. Ein kleiner Coup gelang Aufsteiger FC St. Pauli. Die Hamburger holten ablösefrei den ehemaligen Nationalspieler Gerald Asamoah von Schalke 04.

Sparsame Liga

Wolfsburgs Grafite (2.v.l.) erzielt ein Hackentor gegen die Bayern (Foto: AP)

Meisterliches Duell zum Saisonstart der Bundesliga

Insgesamt zeigt sich die Bundesliga sparsam. Rund 87 Millionen Euro investierten die Clubs bislang für neue Spieler - 62 Millionen weniger als im Vorjahr. Das spricht für einen neuen Branchentrend. Immer mehr Vereine vertrauen Spielern aus den eigenen Jugend- und Amateurteams - 34 neue Jungprofis schafften den Sprung in die Kader. Und auch die Entwicklung zum ablösefreien Geschäft hält an.

Doch in den kommenden Wochen wird sich noch viel tun, denn das Transferfenster ist bis zum 31. August geöffnet. Die 48. Saison der Bundesliga-Geschichte beginnt dagegen bereits am 20. August mit dem Spiel der letzten beiden Titelträger: Bayern München trifft auf den VfL Wolfsburg.

Autor: Arnulf Boettcher
Redaktion: Stefan Nestler

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