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Politik

Neue Kämpfe im Irak

Kein Ende der Gewalt im Irak: In mehreren Städten lieferten sich Koalitionssoldaten und radikale Schiiten heftige Kämpfe. Unterdessen räumte der britische "Daily Mirror" die Verbreitung gefälschter Folter-Bilder ein.

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Schiitische Kämpfer in Nadschaf

In den schiitischen Städten Nadschaf und Nassirijah kam es am Freitag (14.5.2004) zu schwere Gefechten zwischen US-geführten Koalitionstruppen und Anhängern des radikalen Schiitenführers Muktada el Sadr. Dabei wurde offenbar in Nadschaf eines der wichtigsten Heiligtümer der Schiiten beschädigt; in Nassirijah wurde das Hauptquartier der Verbündeten beschossen. Die Lage wurde als sehr gespannt bezeichnet.

Gebäude als Schutzschilde

Der Chefsprecher der US-Streitkräfte in Irak, Brigadegeneral Mark Kimmitt, versuchte den möglicherweise verheerenden Auswirkungen der von arabischen Fernsehsendern ausgestrahlten Bilder von den Einschusslöchern in der goldenen Kuppel des Schreins von Imam Ali entgegenzutreten. Er wies den Verdacht zurück, US-Truppen hätten das Heiligtum beschädigt und warf den Kämpfern des radikalen Schiitenführers Muktada el Sadr vor, religiöse Stätten "wie menschliche Schutzschilde" zu gebrauchen. Dessen Leute müssten sich fragen lassen, warum sie von dem Heiligtum aus feuerten und darin Waffen lagerten.

Ein Sprecher des Schiitenführers El Sadr machte dagegen die US-Truppen für den Schaden verantwortlich. Bei den Gefechten seien drei Mitglieder von El Sadrs Miliz El Mahdi ums Leben gekommen. Ein Krankenhaus meldete vier Tote und 22 Verletzte. Bei den meisten handele es sich um irakische Zivilisten.

Angriff auf Hauptquartier

Irakische Aufständische griffen am Abend das Hauptquartier der Koalitionstruppen in Nassirijah an. Wie Sprecher der Koalition mitteilten, wurden mehrere Mitarbeiter in dem Gebäude eingeschlossen. In dem Gebäude befänden sich italienische Soldaten, philippinische Sicherheitskräfte sowie Briten und Amerikaner.

Unterdessen ist der Skandal um die vermeintlichen Folter-Bilder von irakischen Gefangenen durch britische Soldaten offenbar aufgeklärt. Der Chefredakteur der britischen Boulevardzeitung "Daily Mirror", Piers Morgan trat am Freitag zurück. Dies geschah unmittelbar, nachdem sich die Zeitung vorbehaltlos für die Anfang Mai veröffentlichten Fotos entschuldigte, auf denen britische Soldaten vermeintliche Gefangene malträtieren.

Kaserne in Nordengland

Die britische Regierung hatte die Bilder tags zuvor bereits offiziell als Fälschung bezeichnet. In der Stellungnahme der Zeitung hieß es, sie sei Opfer einer "gewollten und böswilligen Täuschung" geworden. Der "Mirror" bedauerte, dem Ansehen der britischen Truppen im Irak geschadet zu haben und kündigte eine "vollständige Zusammenarbeit" zur Untersuchung des Betrugs an. Die Verlagsleitung habe entschieden, dass es "für Piers Morgan unangemessen wäre, weiter Chefredakteur des 'Daily Mirror' zu sein, weshalb er mit sofortiger Wirkung zurücktritt".

Nach einer Untersuchung der britischen Militärpolizei wurden die Fotos gestellt und nicht im Irak aufgenommen. Britische Zeitungen berichteten am Freitag, dass die angeblichen Sensationsbilder aus dem Irak von einem Kasernengelände in Nordengland stammen. Dort nämlich habe man genau den Militärlastwagen gefunden, der auf den Fotos zu sehen ist, berichtete die "Daily Mail." (mik)

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