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Welt

Neue Kämpfe erschüttern Südsudan

Der erst kürzlich unabhängig gewordene Südsudan wird von ethnischen Unruhen erschüttert. Zehntausende sind auf der Flucht. Die Armee hat derweil die Kontrolle über die verwüstete Stadt Pibor zurückgewonnen.

Die Flagge des Südsudan(Foto: AP)

Südsudan: Alter Konflikt, neue Kämpfe

Am Montag hatten 6000 schwer bewaffnete Kämpfer der Volksgruppe der Lou Nuer die von rivalisierenden Murle bewohnte Stadt Pibor verwüstet, Hütten angezündet und ein von der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" betriebenes Krankenhaus geplündert. 400 Menschen sollen allein in den vergangenen Tagen ums Leben gekommen sein. Bereits im vergangenen Jahr forderten Revanche-Attacken zwischen den Vieh züchtenden Völkern der Lou Nuer und den Murle 1100 Opfer.

Augenzeugen der jüngsten Vergeltungsschläge der Lou Nuer bot sich ein Bild des Grauens: "Nur Geier und Bäume waren übrig", wird John Boloch Kumen, ein Entsandter der südsudanesischen Friedens- und Versöhnungskommission zitiert nach einem Besuch im Dorf Lekongele, 30 Kilometer nördlich von Pibor. Zuvor hatte Südsudans Vizepräsident Riek Machar vergeblich an die Lou Nuer appelliert, Ruhe zu bewahren.

Viehhirte der Mundari im Südsudan (Foto: DW/Jared Ferrie)

Streitobjekt: Vieh, Weidegrund, Wasser

Sowohl die Regierung des Südsudan als auch die Vereinten Nationen haben ihre Präsenz in Jonglei verstärkt. "Die Regierung muss jetzt handeln", hatte zuvor Hilde Johnson, Chefin der UN-Mission im Südsudan gefordert. Sie sei "tief besorgt" über die massiven Angriffe.


Präsident Salva Kiir hatte in seiner Neujahrsansprache eine massive Aufstockung von Polizei und Armee angekündigt. Die Vereinten Nationen haben ebenfalls Hunderte Blauhelm-Soldaten nach Pibor entsandt. "Wir erhöhen die Zahl der Patrouilleflüge über Jonglei, um die Gewalt einzudämmen", so UN-Sprecher Aleem Siddique. UN-Angaben zufolge sind bis zu 50.000 Menschen auf der Flucht vor der Gewalt.

Rivalität um Rinder

Die Kämpfe zwischen rivalisierenden Stämmen flammen seit Monaten immer wieder auf. Hintergrund ist der Streit um Rinderherden, Weidegrund und Wasserstellen, wie die Nothilfekoordinatorin der Vereinten Nationen für Südsudan, Lise Grande, aus eigener Anschauung weiß. "Die Ereignisse der vergangenen Tage reflektieren die Muster, die wir in diesem Staat seit einigen Jahren sehen". Einem Angriff folge unweigerlich der Vergeltungsschlag, so Grande. Die Staatengemeinschaft hatte gehofft, diesen Teufelskreis brechen zu können, und war von den neuerlichen Gewaltausbrüchen in Jonglei überrascht worden.

Inzwischen scheint die Regierung des Südsudan die Situation unter Kontrolle zu haben. Informationsminister Barnaba Marial Benjamin sagte, man werde verhindern, dass sein Land zu einer "Art Somalia" werde.

Vergeltungsschläge bedrohen junges Staatsgebilde

Südsudanese mit Flagge (Foto: DW/Simone Schlindwein)

Der jüngste Staat Afrikas: Südsudan

Doch die Sicherheitslage in der abgelegenen Region, die nur dünn besiedelt und kaum von Straßen erschlossen ist, bleibt angespannt und droht Afrikas jüngsten Staat nachhaltig zu erschüttern. Ein Ende der Rivalitäten scheint trotz der Beruhigung am Dienstag (03.01.2012) nicht in Sicht. Eine Gruppe mit dem Namen "Die weiße Armee der Nuer-Jugend" kündigte in einer Botschaft am Zweiten Weihnachtstag an, die gesamte Volksgruppe der Murle "ausradieren" zu wollen, um den Bestand der von den Viehzüchtern beider Seiten hoch geschätzten Rinderherden zu sichern.

Autor: James Shimanyula / Ludger Schadomsky
Redaktion: Stefanie Duckstein

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