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Musik

Neue Intendantin in Bonn

Sie trägt einen berühmten Namen, ist Urenkelin von Richard Wagner und Ururenkelin des Komponisten Franz Liszt. Und auf Wunsch der Stadt Bonn soll Nike Wagner ab 2014 die neue Chefin des Beethovenfestes werden.

Die Entscheidung fiel einstimmig: Einen Tag nach dem Kulturausschuss hat auch der Rat der Stadt einer Berufung Wagners zur Intendantin und Geschäftsführerin der Beethovenfeste Bonn zugestimmt. Damit steht einer Bestellung durch die Gesellschafterversammlung, zu der neben der Stadt auch die Deutsche Welle gehört, nichts mehr im Wege.

Nike Wagner, geboren 1945 und aufgewachsen in Bayreuth, ist in der Musikszene keine Unbekannte. Seit 1975 arbeitet sie als freiberufliche Kultur- und Literaturwissenschaftlerin und wirkt an internationalen Symposien und Kolloquien mit. Als Autorin wurde sie vor allem bekannt durch ihre Arbeiten zur Kultur- und Geistesgeschichte der europäischen Jahrhundertwende und als scharfzüngige Kritikerin der Festspiele in Bayreuth, denen sie "künstlerische Erstarrung" vorwirft.

Wiederholt übte die Tochter Wieland Wagners Kritik an ihrem Onkel Wolfgang Wagner, dem langjährigen Leiter der Bayreuther Festspiele. Mehrfach meldete sie Ansprüche auf die Übernahme des Amtes an.

Wagner als Marionettentheater

Seit 2004 leitet Nike Wagner erfolgreich das "Pèlerinages"-Kunstfest in Weimar. Vor allem durch ihre Kreativität in Programmfragen und durch ihre Auswahl der "Artists in Residence", darunter Geiger Gidon Kremer, Pianist András Schiff und Komponist Jörg Widmann, hat sie dem Festival zu einem eigenen Profil und zu hohem Ansehen verholfen. Allerdings brachte ihr der Zuschauerschwund der letzten Jahre auch herbe Kritik ein: Deutlich formulierten die Weimarer Kulturpolitiker ihr Missfallen über Nike Wagners Konzeption des Festivals.

Portrait Nike Wagner(Foto: picture-alliance/dpa)

Nike Wagner ist guter Dinge und blickt voller Ideen auf die neuen Aufgaben beim Beethovenfest in der Bundesstadt Bonn

Ihr letztes Weimarer Kunstfest im Wagner-Jahr 2013 widmet sie im August und September ganz ihrem Urgroßvater Richard Wagner, dessen 200. Geburtstag groß gefeiert wird. Vorgesehen sind unter anderem eine Aufführung des "Lohengrin" und des gesamten "Ring", allerdings in der "Light"-Version des Salzburger Marionettentheaters: Siegfried, Brünnhilde, Hagen und Co nicht in Menschengröße, sondern als 70 Zentimeter große Puppen, statt 16 Stunden Musik in vier Tagen, nur kompakte zweieinhalb an einem Abend.

"Pilgerfahrt zu Beethoven"

Nike Wagners Ururgroßvater Franz Liszt war der vielleicht glühendste Beethoven-Verehrer des 19. Jahrhunderts. Er hat das Beethovenfest in der Geburtsstadt des Komponisten begründet und von ihm ging auch die Initiative zur Errichtung der ersten Beethovenhalle aus. Ihr Urgroßvater Richard Wagner hat sogar eine literarische "Pilgerfahrt zu Beethoven" unternommen. Was liegt da also näher, Nike Wagner - als Mitglied des Beethoven liebenden Wagner-Clans - zur neuen Chefin des Beethovenfestes zu berufen?

Kulturausschuss und Rat der Stadt Bonn versprechen sich von ihr vor allem "neue konzeptionelle Ansätze und Ideen", auch im Hinblick auf Beethovens 250. Geburtstag im Jahre 2020: "Ihre Vita und ihr bisheriges kulturelles Wirken deuten an, dass Sie vieles mitbringt, um in Bonn interessante und spannende kulturelle Akzente zu setzen," erklärte Markus Schuck, der CDU-Kultursprecher im Bonner Rathaus. Vielleicht erhofft man sich von der energischen neuen Chefin sogar die Wiederbelebung des schon tot geglaubten Beethoven-Festspielhauses. Der örtlichen Presse sagte Nike Wagner jedenfalls: "Ich werde meine Kräfte und meine Erfahrung gerne einbringen."

Beethoven Festspielhaus von Zaha Hadid (Foto: Zaha Hadid Architects / London, Deutsche Post AG)

So könnte es aussehen: das neue Beethoven Festspielhaus von Zaha Hadid


Eine Sache des Vertrauens

Trotz der breiten Zustimmung zur Wahl der neuen Intendantin, gibt es in Bonn auch kritische Stimmen: Denn dass Nike Wagner insgeheim immer noch mit einem wehmütigen Auge auf den "Grünen Hügel" blickt, ist kein Geheimnis. So begrüßte Jürgen Repschläger von den Grünen zwar, dass man mit Nike Wagner eine kompetente Persönlichkeit und "eine hervorragende Netzwerkerin in Sachen Sponsoring" gefunden hätte. Aber für ihn gibt es auch einen negativen Beigeschmack: "Ob mit Frau Wagner tatsächlich eine Intendantin gefunden wurde, die auch das Beethovenfest 2020 in ihrer Verantwortung durchführt, erscheint zweifelhaft, da sie nach wie vor auch mit Bayreuth liebäugelt."

Mit einem "Ja" haben die Bonner Entscheidungsträger - darunter auch die DW als Medienpartner und Mitgesellschafter des Beethovenfestes - Nike Wagner jetzt einen Vertrauensvorschuss gegeben. Ihre Programmkonzepte werden mit Spannung erwartet.

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