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Umweltverschmutzung

Neue Initiativen gegen Plastikmüll im Meer

Mikroplastik, Reste von Fischernetzen, Handyteile: Was Wissenschaftler in den Mägen von Seevögeln und Fischen finden, ist erschreckend. Dennoch scheitern immer wieder Projekte zur Eindämmung des Mülls in den Ozeanen.

So wie das vor rund einem Jahr gegründete Netzwerk aus zehn deutschen Unternehmen, das bis 2018 eine Lösung für die Befreiung der Meere von Plastikmüll entwickeln wollte. "Einige der Partner haben sich in dem Projekt mit ihren Ansätzen nicht mehr wiedergefunden", sagte der Kieler Schiffsbauer und Unternehmer Dirk Lindenau Lindenau über das Vorhaben, das im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wurde.

Lindenau lässt sich trotz des Rückschlages nicht davon abhalten, weiter gegen die Umweltverschmutzung zu kämpfen. Er will einen Neuanlauf starten. "Ein Netzwerk aus Industrie und Wissenschaft in ganz Deutschland - das ist unser Ziel", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Kiel.

Einbindung der Schwellenländer

Interesse an der neuen Initiative Lindenaus haben unter anderem ein Hersteller von Schiffsbedarf signalisiert, ein Institut für Meeresfischerei und eine Reederei. Bei erfolgreichem Antrag winken Fördermittel. Und die Unternehmer dürfen auf Aufträge und neue Geschäftsfelder hoffen. Wer wolle, dass sich auch Schwellenländer für den Schutz der Meere einsetzten, müsse sie beim Aufbau funktionierender Abfallsysteme unterstützen und Anreize schaffen, sagt Lindenau. "Wenn sie keinen Zugang zu Trinkwasser und Nahrung haben und möglicherweise in einem Krisengebiet leben, sind ihnen andere Themen wichtiger. Diese Spannbreite dürfen wir bei unseren Lösungen nicht außer acht lassen."

Beim Ringen um globale Lösungen könne die norddeutsche Küstenregion als maritimer Wissensstandort eine Vorreiterrolle einnehmen. Und die deutsche Abfallwirtschaft könnte Pate stehen für Länder ohne funktionierendes Entsorgungssystem, glaubt Lindenau.

Treibender Plastikmüll im Atlantik (DW/G. Rueter)

Treibender Plastikmüll im Atlantik

Wie der Wissenstransfer vom Recycling-Weltmeister Deutschland zu Ländern ohne moderne Abfallwirtschaft gelingen könnte, zeigt ein System, das der Unternehmer für die Kapverdischen Inseln entwickelt hat: Ein Schiff soll zwischen den Inseln pendeln und den Müll einsammeln, ein anderes dient als Recyclinganlage, auf dem der Müll verdichtet und aufbereitet wird. Auf einem weiteren Schiff wird aus dem Abfall Energie gewonnen. Die Erträge sollen das Abfallsystem mitfinanzieren.

Einen anderen Ansatz testet die Umweltstiftung WWF unter anderem in der Ostsee. Mit einer kleinen Harke - ein etwa 20 Zentimeter langes Gerät mit Widerhaken - bergen die Umweltschützer dort seit März 2016 Geisternetze. Das sind verloren gegangene Fischernetze aus Kunststoff, die sich auf den Meeresböden ablagern und über Jahrhunderte zur tödlichen Falle für Meerestiere werden. Offen ist, wie sich das Harken auf empfindliche Lebensräume auswirkt. "Wir gehen grundsätzlich nicht auf Seegraswiesen oder an Muschelbänken auf die Suche. Auch Schiffswracks, die unter Denkmalschutz stehen, umfahren wir", sagt Angela Stolte vom WWF-Büro in Stralsund. Erkenntnisse sollen im August in einer Studie veröffentlicht werden. Es zeichne sich aber bereits ab, dass "die Schadwirkung im Vergleich zu anderen Geräten gering" sei, sagt Stolte.

Neue Geschäftsmodelle

Auch beim WWF geht es um Kreislaufwirtschaft, um die Frage, wie aus Müll ein nachhaltiger Rohstoff wird, wie aus Nylonnetzen Outdoorklamotten und Rucksäcke werden können. Es ist die Vision eines Umweltschutzes, der nicht nur auf Idealismus setzt, sondern auch Geschäftsmodelle und Aufträge für Unternehmer bereithält.

Selbst für die USA scheint der Schutz der Meere von Bedeutung zu sein. So schlossen sich die Vereinigten Staaten gerade bei der ersten UN-Meereskonferenz einem globalen Appell zum Schutz der Ozeane an. Die US-Regierung unterzeichnete am Freitag (Ortszeit) in New York zusammen mit den übrigen 192 UN-Mitgliedstaaten das Abschlussdokument, das unter anderem dazu aufruft, den Plastikmüll zu reduzieren und Maßnahmen gegen die Übersäuerung der Meere zu ergreifen.

Die USA distanzierten sich aber von einer Passage, in der auf die Auswirkungen des Klimawandels und die besondere Bedeutung des Pariser Klimaabkommens hingewiesen wird. US-Vertreter David Balton erinnerte daran, dass US-Präsident Donald Trump Anfang Juni den Ausstieg der USA aus dem Abkommen verkündet hatte.

Alarmierende Zahlen

Die Zahlen sind indes bereits jetzt schon alarmierend. Rund 322 Millionen Tonnen Plastik wurden nach Angaben des Weltwirtschaftsforums 2015 produziert, Tendenz steigend. Allein von den Plastikverpackungen gelangen nach WWF-Angaben weltweit 32 Prozent in die Umwelt - ein Teil davon ins Meer. Das wird auch an den deutschen Küsten sichtbar. Nach jüngsten Daten des Umweltbundesamts finden sich in den Küstenregionen auf 100 Metern Strand durchschnittlich 389 Müllteile - eine Zahl, die ohne die funktionierende Abfallwirtschaft in Deutschland nach Ansicht von Experten weit höher wäre.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres (Getty Images/AFP/J. Samad)

UN-Generalsekretär Antonio Guterres

So warnte UN-Generalsekretär António Guterres bei der UN-Konferenz: Schon 2050 könnte das Gewicht des in den Ozeanen treibenden Plastiks größer sein als das Gesamtgewicht der dort lebenden Fische, wenn nicht mehr gegen den Müll getan werde.

cgn/rb (afp, dpa)