1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Neue Hiobsbotschaft für VW

In der Abgasaffäre hat der Autobauer Volkswagen eine neue milliardenschwere Baustelle: Bei etlichen Motoren gibt es auch Unregelmäßigkeiten beim Kohlendioxid-Ausstoß. An der Börse bricht die VW-Aktie ein.

Video ansehen 01:51

VW legt weitere Unregelmäßigkeiten offen

Bei internen Untersuchungen sei festgestellt worden, dass bei der Typ-Zulassung einiger Fahrzeugmodelle zu niedrige CO2-Werte und damit auch falsche Verbrauchsangaben festgelegt worden seien, teilte der Wolfsburger Autobauer am Dienstag mit. Davon könnten nach derzeitiger Kenntnis rund 800.000 Fahrzeuge betroffen sein. Die wirtschaftlichen Risiken bezifferte der Konzern mit rund zwei Milliarden Euro. Betroffen seien überwiegend Diesel-Fahrzeuge. Der Aufsichtsrat nehme die Feststellung "mit Betroffenheit und Sorge" zur Kenntnis. Das Kontroll-Gremium und der Aufklärungs-Ausschuss des Konzerns würden zeitnah zusammen kommen, um über weitere Maßnahmen und Konsequenzen zu beraten.

Bereits im September hatte Volkswagen die Manipulation von Abgaswerten bei elf Millionen Diesel-Fahrzeugen weltweit zugegeben und für den Rückruf 6,7 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Dabei ging es um die Manipulation von Stickoxid-Werten.

Am Mittwoch ist die VW-Aktie stark eingebrochen. Der Wert des Wertpapiers sank an der Börse in Frankfurt am Main zum Handelsstart zeitweise um über zehn Prozent.

Die neuen Unregelmäßigkeiten seien im Rahmen der laufenden Überprüfung aller Prozesse und Abläufe seit Bekanntwerden des Skandals um manipulierte Diesel-Abgaswerte aufgefallen, teilte VW mit. Die einst bestimmten CO2-Werte seien nicht erklärbar. Volkswagen-Chef Matthias Müller hatte bei seinem Amtsantritt im September angekündigt, bei der Aufklärung jeden Stein umzudrehen. "Das ist ein schmerzhafter Prozess, aber er ist für uns ohne Alternative", sagte er am Dienstag und fügte hinzu: "Für uns zählt einzig und allein die Wahrheit." Dies sei Voraussetzung für die angekündigte Neuausrichtung.

Porsche stoppt Cayenne-Verkauf in Nordamerika

Deutschland Auto Porsche Cayenne S 2014

Verkaufsschlager Porsche Cayenne

Am kommenden Montag soll der Aufsichtsrat in Wolfsburg zusammenkommen, um über die wirtschaftlichen Folgen des Abgasskandals zu beraten. Dabei dürfte es auch um die jüngsten Anschuldigungen der US-Umweltbehörde EPA gehen. Die Behörde hatte Volkswagen am Montag vorgeworfen, auch bei Sechs-Zylinder-Motoren mit drei Litern Hubraum getrickst zu haben. Dies hatte VW zurückgewiesen und erklärt, dort seien keine Abgaswerte in unzulässiger Weise verändert worden. Damit steht Aussage gegen Aussage. Im September hatte die EPA zunächst nur den Vierzylinder-Motor EA 189 mit 2,0 Litern Hubraum aus den Jahren 2009 bis 2015 untersucht.

Betroffen von den neuen Ermittlungen ist nun auch die Sportwagentochter Porsche. Sie ist zusammen mit der Oberklassetochter Audi die Ertragsstütze des Wolfsburger Mehrmarken-Konzerns. Als Reaktion auf die jüngsten Vorwürfe setzt Porsche den Verkauf von Dieselmodellen des Geländewagens Cayenne in Nordamerika aus. Dabei handele es sich um eine freiwillige Maßnahme, betonte die Luxustochter des Volkswagen-Konzerns am Dienstag (Ortszeit) in einer Erklärung. Betroffen seien Fahrzeuge der Modelljahre 2014 bis 2016. Besitzer der Modelle könnten ihre Wagen weiter wie bisher fahren.

"Sollte sich der Vorwurf bewahrheiten, würde dies die Kosten für 'Dieselgate' deutlich in die Höhe treiben", sagte ein Börsianer. Zudem dürfte sich der Druck auf Volkswagen-Chef Müller erhöhen. Er war vor seinem Wechsel an die Konzernspitze Vorstandsvorsitzender von Porsche.

Ruf deutscher Industrie beschädigt?

Deutschland PK zum Treffen der G7-Wirtschaftsverbände

Besorgt: BDI-Chef Ulrich Grillo

Die Industrie ist wegen des Abgasskandals um ihren Ruf in der Welt besorgt. "Volkswagen hat damit der deutschen Industrie einen Bärendienst erwiesen", sagte BDI-Chef Ulrich Grillo in Berlin. Mit einer schnellen Aufarbeitung des Skandals stehe das Unternehmen auch in der Verantwortung für die ganze Industrie. Nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel stellt die Abgasaffäre bei Volkswagen das gute Image der deutschen Industrie in der Welt dagegen nicht infrage. Allerdings dringt auch sie auf eine transparente und schnelle Aufklärung.

Volkswagen hatte im September zugegeben, weltweit bis zu elf Millionen Diesel-Fahrzeuge mit einem Computerprogramm ausgestattet zu haben, mit dem Abgaswerte bei Tests manipuliert werden können. Die Software erkennt, ob ein Fahrzeug auf dem Prüfstand ist und regelt die Motorleistung so, dass die Abgasgrenzwerte eingehalten werden. Im Normalbetrieb auf der Straße wird die Leistung nicht einschränkt. In den USA drohen dem Konzern deshalb Strafen von umgerechnet bis zu 16 Milliarden Euro. Europaweit ruft der Wolfsburger Konzern wegen der Manipulationen 8,5 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten, allein in Deutschland sind es auf Anordnung des Kraftfahrt-Bundesamtes 2,4 Millionen.

zdh/wen (rtr, afp)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema