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Kultur

Neue Heimat für Muslime in Duisburg

Deutschlands größte Moschee steht in Duisburg-Marxloh. Als Vorbild für das islamische Gotteshaus im Ruhrgebiet diente der traditionelle osmanische Kuppelmoschee.

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Merkez-Moschee, Duisburg-Marxloh - Deutschlands größtes islamisches Gotteshaus

Marxloh, ein Stadtteil Duisburgs, gilt als sozialer Brennpunkt. Dunkelrote Backsteinbauten reihen sich endlich aneinander. An jedem dritten Haustürschild steht ein ausländischer Name.

Minarett neben Schornsteinen

In dreieinhalb jähriger Bauzeit ist hier die größte Moschee Deutschlands entstanden. Freundlich wirkt der helle Sandsteinbau. Die goldfarbenen Spitzen mit dem Halbmond auf den Kuppeln verleihen der vom Kohlenstaub geprägten Landschaft Glanz. Wie eine Festung ragt das 34 Meter hohe Minarett in die Luft, übertroffen nur noch von den stillgelegten Schornsteinen, Überbleibseln der einst prosperierenden Industrielandschaft des Ruhrgebiets.

Moschee Neubau in Duisburg

Die Merkez-Moschee steht in Nachbarschaft mit christlichen Kirchen

Glanzpunkt im Industriegrau

"Ich finde sie beeindruckend und schön", sagt der junge Mann mit den Rastazöpfen, der im Viertel aufwuchs und der nun die Moschee auch gerne von innen betrachten möchte.

Auch die Mutter, die mit ihrem Sohn die Straße entlang geht, hat ihre anfänglichen Berührungsängste längst überwunden. Schließlich wohnt sie in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem neuen Zentrum der Muslime. Ihrem vierjährigen Sohn gefällt besonders die Akustik. Sie schwärmt von dem monumentalen Leuchter von acht Metern Durchmesser. Vorher habe an dieser Stelle ein niedriges Gebäude gestanden, das erst als Kantine der Zeche genutzt wurde und später den Muslimen als Gebetsraum gedient habe.

Moscheeeröfnnung in Duisburg

Kronleuchter mit Koran-Inschriften

Der 82-jährige ehemalige Steiger, der sich hinzu gesellt, bewundert ebenfalls den imposanten Bau, der seiner Meinung nach schöner ist als "unsere" Kirchen.

Früher, im Bergbau hat er mit Türken zusammengearbeitet, nun habe er keinen Kontakt mehr zu den ehemaligen Gastarbeitern, die mit ihren Kindern und Enkeln in Duisburg sesshaft geworden sind. Es seien zu viele, gibt er zu bedenken, aber "wenn sie sich mit uns vertragen, sei das in Ordnung".

Die Moschee - ein Stück Heimat

Direkt vor dem Eingang der Moschee steht Osman Calek und diskutiert mit anderen türkischen Rentnern. Jeden Tag ist er zur Baustelle gepilgert. Dreieinhalb Jahre lang. Der Stolz steht ihm ins zerfurchte Gesicht geschrieben. Mit strahlenden Augen erzählt er, dass endlich ein Traum in Erfüllung gegangen sei. Seit 40 Jahren lebt Osman Calek in Deutschland mit seinen Kindern und Enkeln, alle praktizierende Muslime. Eine neue Heimat hofft er zu finden in dem neuen würdigen Gotteshaus. Und er wünscht sich, dass viele kommen, um in der Begegnungsstätte Geburtstage, Beschneidungsfeste, Hochzeiten zu feiern.

Balsam für die Seele

Geborgenheit und Ruhe glaubt Zülfiye Kaykin in der Moschee zu finden. Für ihren Einsatz um den interkulturellen Dialog wurde das Mitglied der Türkisch-Islamischen Union mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Sie hat sich für die großen bodentiefen Fenster eingesetzt. Jeder soll von außen sehen, dass die Muslime im Innern des Gebäudes nichts zu verbergen haben.

Innen ist die Moschee prunkvoller als es die äußere Erscheinung vermuten lässt - mit goldenen, roten und blaufarbenen Deckenbemalungen, riesigen vergoldeten Leuchtern und Wandmosaiken. 1200 Gläubige finden hier Platz.

Moscheeeröffnung in Duisburg

florale Deckenmalerei

Den interkulturellen Dialog pflegen

Doch auch Nichtmuslime sollen den Weg in das Gebäude finden. In dem Gebetshaus integriert wurden eine interkulturelle und interreligiöse Begegnungsstätte mit Bibliothek, Seminarräumen und Cafeteria. Dafür haben das Bundesland Nordrhein-Westfalen und die Europäische Union mit 3,2 Millionen Euro fast die Hälfte der Gesamtkosten bereit gestellt.

Solidarität und Gemeinwesen im Vordergrund

Auch die nicht-muslimische Gesellschaft war aktiv in die Planung und Umsetzung des Projekts miteinbezogen. Zehn Jahren lang hat sich Brigitte Schwantes im Beirat zum Moschee-Bau engagiert. Natürlich gebe es hier im Stadtteil Ängste vor Überfremdung, sagt die pensionierte Lehrerin. Sie selbst empfindet diese rasante Entwicklung als spannend.

Imame predigen auf Türkisch

Dennoch befürchten viele deutsche Bürger, dass die Parallelgesellschaft, gefördert wird und damit die Separation statt Integration, denn der Islamgottesdienst wird nicht auf Deutsch, sondern auf Türkisch gehalten. Mustafa Kücük vom Moschee-Beirat wirbt um Verständnis. Es gebe in Deutschland erst seit wenigen Jahren die Möglichkeit islamische Theologie zu studieren. Er sei froh, dass die Imame, die aus der Türkei stammten, die Gläubigen angelockt hätten, denn "wir hätten sonst viel mehr Radikale und Extremisten in dieser Szene". Viele seien sich dessen gar nicht bewusst. Und fast entschuldigend fügt Mustafa Kücük hinzu: Das müsse man gar nicht negativ bewerten.

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