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Politik

Neue Heimat für kolumbianische Flüchtlinge

Hunderttausende Kolumbianer sind in den Nachbarländern gestrandet. Die UN-Flüchtlingsorganisation will eine massive Umsiedlung der Heimatlosen erreichen - neuerdings verstärkt in sichere Länder der Region.

Kolumbianische Flüchtlinge, Quelle: dpa

Kolumbien hat ein riesiges Flüchtlingsproblem

Sie sind arm, sie sind verstört, sie sind gerade so mit dem Leben davon gekommen. Die kolumbianischen Flüchtlinge, die ihre Heimatregionen verlassen haben, leiden weiter. Nicht wenige müssen auch außerhalb der Landesgrenzen um ihr Leben fürchten. Dort wo sie hinwandern, wandert der Konflikt mit.

Auch in den Grenzgebieten der Nachbarländer sind die kolumbianischen Terrorgruppen aktiv. "Das hat dazu geführt, dass in Ecuador eine neuartige Fluchtbewegung eingesetzt hat. Die alteingesessene Bevölkerung, also Ecuadorianer aus den Grenzgebieten zu Kolumbien, verlässt ihre Heimat und sucht im Landesinneren Schutz", berichtete Amerika-Direktor Philippe Lavanchy des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) bei seinem Antrittsbesuch in Argentinien (11.4.07).

Der Kolumbien-Experte von Amnesty International Deutschland, Jörg Lehnert, bestätigt, dass der kolumbianische Konflikt auch auf Venezuela ausstrahlt. "Im Umkreis von etwa 50-60 Kilometern nahe der Grenze gibt es kein venezolanisches Militär", berichtet er. "Die Gegend ist zu unsicher."

Krise strahlt auf Nachbarregionen aus

Schätzungen zufolge sind 500.000 Kolumbianer nach Ecuador geflohen. Laut UNHCR sind dort 250.000 offiziell registriert. Die Internationale Organisation zählt 200.000 kolumbianische Flüchtlinge in Venezuela, 12.000 in Panama und 20.000 in Costa Rica. Die Lage in Kolumbien selbst ist noch dramatischer: Drei Millionen Binnenflüchtlinge irren durch das Land. Nach Somalia und dem Kongo liegt Kolumbien weltweit auf Platz drei dieser traurigen Statistik.

Kriegsgefangene der kolumbianischen Rebellenorganisation FARC, Quelle: AP

Kriegsgefangene der kolumbianischen Rebellenorganisation FARC (Archivfoto)

Der UNHCR kümmert sich seit vielen Jahren um die Umsiedlung von Flüchtlingen. Es sind Härtefälle der Tragödie, die auch im Ausland verfolgt werden. 600 Flüchtlinge in Ecuador und 350 in Costa Rica sollen noch in diesem Jahr neuangesiedelt werden.

Neue Heimat für Härtefälle

Der UNHCR hat spezielle Kriterien, nach denen er diese Härtefälle auswählt. Das Ergebnis gibt er an die Regierungen verschiedener potentieller Aufnahmestaaten weiter. Auf Vorschlag des UN-Flüchtlingshilfswerks werten Experten aus den Aufnahmestaaten die Einzelfälle noch einmal aus. Traditionell nehmen Staaten wie Schweden, Finnland und die USA hunderte solcher Flüchtlinge im Jahr auf. "Natürlich ist eine Umsiedlung zum Beispiel nach Skandinavien gut, für die Betroffenen aber schon klimatisch und kulturell ein Schock", so UNHCR-Sprecher Roland Schönbauer. Idealerweise sollen die Neuangesiedelten in der Region bleiben: in Lateinamerika. Das ist die Hoffnung der Internationalen Organisation und zugleich eine große Herausforderung.

Ziel-Länder: Brasilien, Argentinien, Chile

In diesem Sinne hat der Hohe Flüchtlingskommissar António Gutierrez ein Solidarabkommen mit Brasilien, Argentinien und Chile unterzeichnet. Diese drei Länder habe sich bereit erklärt, kolumbianische Flüchtlinge aufzunehmen, die sich zurzeit in Ecuador und Costa Rica aufhalten. Sie stellen die Unterkunft und unterstützen die Integration der Schutzsuchenden. Im ersten Halbjahr 2006 haben Brasilien und Chile bereits einige Dutzend Flüchtlinge aufgenommen, berichtet Schönbauer. Aber das solle jetzt mehr werden. Auch Schweden und die USA hätten mit wenigen angefangen und dann die Aufnahme-Menge gesteigert.

Roland Schönbauer vom UNHCR spricht von einer "neuen Welle der Solidarität in Lateinamerika". Lehnert von Amnesty International begrüßt die Initiative: Diese sei zwar "kein Quantensprung", aber ein richtiger und notwendiger Schritt in Richtung mehr Sicherheit, so der Kolumbienexperte von Amnesty International.

Die Nachbarstaaten Kolumbiens sollten entlastet werden. Aber vor allem geht es um die existentiellen Nöte der Menschen, wie UNHCR-Chef Gutierrez betont: "Es werden nur solche Flüchtlinge für die Neuansiedlung ausgewählt, die sich in Lebensgefahr befinden, weil sie im Ausland weiterhin von illegalen Gruppen verfolgt werden. Nur solche, die unbedingt weg müssen, weil sie sonst umgebracht werden."

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