1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Nahost

Neue heftige Kämpfe im Jemen

Die Waffenruhe im Jemen scheint hinfällig: Aus dem Norden werden heftige Kämpfe mit mehr als 68 Toten gemeldet. Wegen Verstößen gegen die Feuerpause hatten die Rebellen gestern bereits die Friedensgespräche ausgesetzt.

Jemen Kämpfe in Taiz

Die Feuerpause im jemenitischen Bürgerkriegs scheint hinfällig (Archivbild)

Mindestens 68 Kämpfer sollen in der nördlichen Hajiah-Provinz bei Gefechten zwischen Armee und schiitischen Rebellen getötet worden sein. Das verlautet aus "Sicherheitskreisen" und Angaben von Augenzeugen. Demnach kamen nahe der Stadt Haradh mindestens 28 regierungstreue Soldaten und 40 Huthi-Rebellen ums Leben.

Schon vor Bekanntwerden der neuerlichen Kämpfe hatte sich der UN-Sondergesandte Ismail Ould Cheikh Ahmed beunruhigt über die Lage gezeigt. Er rief die Konfliktparteien auf, die vereinbarte Feuerpause einzuhalten und humanitäre Hilfe in die am stärksten von den Kämpfen betroffenen Gebiete zu lassen. Vertreter der jemenitischen Regierung und der Huthi-Rebellen hatten am vierten Tag der Friedensgespräche in der Schweiz zugesagt, sich an die seit Dienstag geltende Waffenruhe zu halten.

Keine Einigung zu künftigem Rahmen von Friedensgesprächen

Die Konfliktparteien beschlossen bei den Gesprächen in Magglingen bei Bern ein "neutrales militärisches Komitee", das die Einhaltung der Waffenruhe überwachen solle, wie es aus Verhandlungskreisen hieß. Die UN schlug ihrerseits die Schaffung eines "Deeskalationskomitees" vor, um die Gewalt zu überwinden. Der fünfte Verhandlungstag ging ohne Annäherung bei anderen Punkten am Samstag zu Ende, wie es aus Verhandlungskreisen weiter hieß. So gab es keine Einigung etwa zu einem künftigen Rahmen von Friedensgesprächen, zu Korridoren für humanitäre Hilfe in dem Land oder zur Fortsetzung eines Gefangenenaustauschs.

US-Präsident Barack Obama rief "dringend" zu einer Einhaltung der Feuerpause auf, um eine erneute Eskalation des Konflikts in dem Land zu verhindern. Alle Konfliktparteien sollten nach einer diplomatischen Lösung für den Konflikt suchen, sagte Obama nach Angaben des Weißen Hauses in einem Telefongespräch mit dem Mitglied der Königsfamilie von Abu Dhabi, Scheich Mansur Bin Sajed Al-Nahjan.

Städte zurückerobert

Regierungstruppen hatten nach Agenturberichten innerhalb von 24 Stunden zwei Städte zurückerobert. Dabei wurden nach Auskunft eines Militärsprechers viele Aufständische getötet. Die Verbände marschierten zunächst in die Stadt Harad ein und dann nach Hasm, in die Hauptstadt der Provinz Dschawf. An den Kämpfen gegen die schiitischen Huthi-Rebellen waren den Meldungen zufolge Einheiten beteiligt, die dem Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi unterstellt sind.

In dem Konflikt zwischen den Huthi-Rebellen und den regierungstreuen Kräften sind nach Angaben der Vereinten Nationen inzwischen mehr als 5800 Menschen getötet worden, etwa die Hälfte von ihnen waren Zivilisten.

Seit März hat Saudi-Arabien in die Kämpfe eingegriffen und die Führung der Militärkoalition übernommen, die gegen die Aufständischen vorgeht. Dabei werden auch Luftangriffe auf Stellungen der Huthi-Rebellen geflogen. Die schiitischen Huthi geben vor, die Korruption im Land und das Ausbreiten der Al-Kaida bekämpfen zu wollen. Die regierungsfreundliche Militärkoalition sieht in den Rebellen dagegen den Versuch des schiitischen Iran, seinen Einfluss in der Region auszuweiten.

Der jemenitische Staatschef Hadi war im Februar aus der Hauptstadt Sanaa in die südliche Hafenstadt Aden geflohen. Als die Rebellen im März auf Aden vorrückten, setzte sich Hadi nach Saudi-Arabien ab und bat das Königreich um militärische Hilfe. Nach wie vor kontrollieren die Aufständischen Sanaa und andere Gebiete.

tön/ml/sc (dpa,afp)