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Asien

Neue Großoffensive gegen die Taliban

Es ist die größte Offensive seit dem Sturz der Taliban Ende 2001: Im Süden Afghanistans haben 15.000 Soldaten einen Kampfeinsatz gegen die Taliban-Hochburg Mardscha in der Provinz Helmand gestartet.

US-Soldaten in Afghanistan(Foto: AP)

US-Bodentruppen stoßen in das Taliban-Gebiet vor

Ziel der Militäraktion "Muschtarak" (Gemeinsam) ist nach NATO-Angaben, die letzte Bastion der Taliban in der Provinz Helmand wieder unter die Kontrolle der afghanischen Regierung zu stellen, bevor 2011 der Abzug der internationalen Truppen eingeleitet werden soll. Die afghanischen und ausländischen Soldaten seien zu Fuß, in Lastwagen und mit Hubschraubern auf dem Vormarsch, sagte US-Armeesprecher Abraham Sipe am Samstag (13.02.2010).

Bei den Gefechten wurden nach Militärangaben zwei NATO-Soldaten und mindestens 20 Taliban getötet. Elf Aufständische wurden gefangengenommen, wie der Kommandeur der afghanischen Streitkräfte, General Scher Mohammad Sasai, erklärte. Bei den getöteten Soldaten handelte es sich nach NATO-Angaben um einen Briten und einen Amerikaner. Der Brite sei einem Bombenanschlag auf sein Militärfahrzeug nördlich von Mardscha zum Opfer gefallen, der US-Soldat sei bei Gefechten getötet worden.

Widersprüchliche Angaben

Generalmajor Nick Carter, der NATO-Kommandeur im südlichen Afghanistan, erklärte, die Soldaten seien mit Erfolg in die Stadt eingerückt. Die Operation verlaufe ohne Probleme. Die Taliban widersprachen den Angaben über den Einmarsch der NATO-Truppen in Mardscha. "Wir beherrschen die Stadt weiter und leisten Widerstand", erklärte ein Sprecher.

US-Militärs befürchteten, dass die Taliban das Gelände vermint haben. Die vorrückenden Truppen "gehen davon aus, dass Taliban- Kämpfer bis zum Tode kämpfen werden", hieß es.

Strategie-Test

Die Offensive ist der erste Test für die neue Strategie von US-Präsident Barack Obama, der die amerikanischen Truppen in Afghanistan um 30.000 Mann aufgestockt hat. Nach Informationen der britischen BBC sind an der Offensive bis zu 15.000 Soldaten beteiligt, unter ihnen 2500 Afghanen.

US-Marineinfanteristen (Foto: AP)

Im Einsatz: Amerikanische Marineinfanteristen in der südafghanischen Provinz Helmand

Wochenlange Gefechte?

In der 80.000-Einwohner-Stadt Mardscha werden bis zu 1000 Taliban-Kämpfer vermutet. Sie zu besiegen, wird nach NATO-Einschätzung einige Wochen dauern. Mit Kampfhubschraubern wurden US-Marineinfanteristen und afghanische Soldaten direkt in die Stadt geflogen - über die vermuteten Minenfelder vor den Toren Mardschas hinweg, wie US-Kompaniechef Joshua Winfrey erläuterte.

Im Gegensatz zu früheren Offensiven wurde der Angriff auf Mardscha lange im Voraus öffentlich angekündigt. Um der Gewalt zu entgehen, haben viele Einwohner ihre Stadt verlassen. Sie fanden größtenteils in der Provinzhauptstadt Laschkar Gah eine Notunterkunft. Die zurückgebliebene Zivilbevölkerung wurde von den NATO-Streitkräften in Flugblättern und über Lautsprecher aufgefordert, nach Beginn der Offensive in ihren Häusern zu bleiben und Taliban-Kämpfern keinen Unterschlupf zu gewähren.

Feldfrüchte statt Schlafmohn

Im Bezirk Mardscha machen Taliban und Drogenhändler seit Jahren gemeinsame Sache. Das aus Schlafmohn gewonnene Opium gehört zu den Haupteinnahmequellen der Aufständischen. Dem Vernehmen nach sollen nach dem Ende der Offensive bis zu 1000 afghanische Polizisten in die Region kommen und dabei helfen, ein ziviles System mit Schulen, Krankenhäusern und normaler Rechtssprechung einzurichten. Bauern sollen zudem dabei unterstützt werden, ihren Mohn-Anbau auf Feldfrüchte umzustellen.

Autoren: Annamaria Sigrist / Christian Walz (afp, apn, rtr, dpa)
Redaktion: Martin Schrader

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