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Wirtschaft

Neue große Bankenpleite in den USA

In den USA ist erneut eine Bank im Zuge der Immobilienkrise zusammengebrochen: Die Schließung der Indymac-Bank wurde durch einen schlagartigen Vertrauensverlust der Kunden mit verursacht.

Filiale von IndyMac (AP Photo/Reed Saxon)

Die Geschäfte regelt nun eine staatliche Behörde

Der staatliche Einlagensicherungsfonds der US-Banken (FDIC) übernahm am Freitag (11.07.2008) den größten unabhängigen börsennotierten US-Hypothekenfinanzierer Indymac, der in Kapitalnöte geraten ist, und sucht nun nach einem Käufer. Indymac ist das zweitgrößte Finanzinstitut in der US-Geschichte, das seine Geschäfte einstellen muss und die fünfte Bankenpleite in den USA in diesem Jahr.

Ende März verfügte Indymac über Einlagen von 19,06 Milliarden Dollar. Das Institut ist wie viele andere in den Sog der Immobilienkrise geraten, nachdem im Spätsommer 2007 viele Kreditverträge für Häuser nicht mehr bedient werden konnten.

Kosten trägt der Steuerzahler

Der FDIC rechnet mit Kosten zwischen vier und acht Milliarden Dollar. Die Bausparkassen-Aufsicht OTS erwartet aber keine großen Auswirkungen auf den Markt, weil die Zahl der Indymac-Geschäftspartner relativ gering sei.

Indymac hatte erst vor wenigen Tagen angekündigt, wegen der Krise über die Hälfte seiner 7200 Mitarbeiter zu entlassen und sein Geschäft weitgehend einzustellen. Zuvor war die OTS zu dem Urteil gekommen, dass das Institut nicht länger über ausreichend Kapital verfüge.

2007 hatte Indymac noch Hypotheken von 77 Milliarden Dollar ausgegeben und lag nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters mit einem Marktanteil von gut drei Prozent insgesamt auf dem neunten Platz der Branche. Inzwischen haben über 100 US-Hypothekenfirmen im Zuge der Krise ihr Geschäft eingestellt oder sind Pleite gegangen.

Hat Senator einen "Run" ausgelöst?

Kundenschlange vor Northern-Rock-Filiale. Picture date: Monday September 17, 2007. +++(c) dpa - Report+++

Auch die britische Northern Rock erlebte einen Ansturm besorgter Kunden (Archivfotos)

Die OTS machte New Yorker Senator Charles Schumer für die Indymac-Pleite mitverantwortlich. Seine Äußerungen von Ende Juni, in denen er angezweifelt habe, dass das Unternehmen die Häuserkrise überleben könne, hätten zu einem Ansturm der Sparer auf die Konten und damit zu einem rasanten Kapitalabfluss geführt. Allein in den folgenden elf Geschäftstagen hätten Sparer mehr als 1,3 Milliarden Dollar bei Indymac abgezogen. Der demokratische Politiker wies die Anschuldigungen zurück und warf der Aufsichtsbehörde im Gegenzug vor, ihre Arbeit vernachlässigt und Indymac nicht an seiner verlustträchtigen Kreditvergabe-Praxis gehindert zu haben.

Die Krise bei Indymac weckt Erinnerungen an die Schieflage der britischen Hypothekenbank Northern Rock im Vorjahr. Das Institut war in Refinanzierungsnöte geraten und musste letztlich verstaatlicht werden. Zeitweise standen Hunderte besorgte Kunden vor Londoner Filialen der Bank, um ihr Erspartes abzuheben.

Auch die Branchenführer sind angeschlagen

Die schweren Turbulenzen im US-Immobiliengeschäft belasten auch die beiden größten Hypothekenfinanzierer des Landes: Fannie Mae und Freddie Mac. Experten zufolge könnten diese Banken weit mehr frisches Kapital benötigen als gedacht. An der Börse stürzten die Aktien der beiden teilstaatlichen Gesellschaften in den vergangenen Tagen dramatisch ab.

Fannie Mae und Nummer zwei Freddie Mac stehen hinter weit mehr als der Hälfte aller Hypotheken in den USA. Die von der öffentlichen Hand gegründeten Institute besitzen letztlich staatliche Kreditgarantien. Nachdem Wettbewerber ohne solche Sicherheiten ihr Geschäft wegen der Kreditkrise stutzen mussten, übernahmen Fannie Mae und Freddie Mac deutlich mehr Finanzierungen. In den vergangenen neun Monaten schrieben die beiden Institute zusammen Verluste von rund 11 Milliarden Dollar. Fannie Mae musste sich bereits eine Kapitalspritze besorgen. Der Investmentbank Lehman Brothers zufolge könnten den beiden Häusern nun wegen neuer Regeln in der Rechnungslegung weitere Milliardensummen fehlen. (mas)

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