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Zentralafrikanische Republik

Neue Gewalt in der Zentralafrikanischen Republik

Präsident Touadéra hat sein Amt mit einem großen Versprechen angetreten: Er wollte Frieden. Doch von einer Einigung sind die Milizen in der zentralafrikanischen Republik weit entfernt. Jetzt gab es wieder viele Tote.

Bei einem neuen Gewaltausbruch sind in der vergangenen Woche 85 Menschen getötet worden, 11.000 wurden vertrieben. Bewaffnete Gruppen sind in Bria, 600 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bangui, zusammengestoßen. Beide Gruppen entstammen der Rebellengruppe Séléka, die sich als Vertreter der muslimischen Minderheit sehen und einer der Hauptakteure im Bürgerkrieg sind. Seit 2013 kämpfen sie gegen die christlichen Anti-Balaka-Milizen.

Doch die Toten und Vertriebenen von Bria sind Opfer von Auseinandersetzungen zwischen Splittergruppen der Séléka: Milizionäre der "Popular Front of the Renaissance of Central African Republic" sollen dabei gezielt Jagd auf Angehörige der ethnischen Gruppe der Fulani gemacht haben. Denn die konkurrierende Miliz, "Union for Peace in Central Africa", besteht überwiegend aus Fulani.

Rocka Rollin Landoung, Direktor der zentralafrikanischen Onlinepublikation Kadéï Vox, sieht eine neue Dimension des Konflikts: "Wir bewegen uns in Richtung eines ethnischen Konflikts", sagt er der DW. "Wenn wir jetzt von einem interreligiösen zu einem ethnischen Konflikt kommen, dann hat das negative Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt."

Zentralafrikanischen Republik - Flüchtlingslager Benz-Vi (picture-alliance/dpa/J. Bätz)

Hunderttausende Menschen sind innerhalb des Landes vor der Gewalt geflohen, wie in dieses Flüchtlingslager in der Hauptstadt Bangui

Schwierige Entwaffnung

Von einem gesellschaftlichen Zusammenhalt kann allerdings keine Rede sein. Seit rund drei Jahren zerreißt die Gewalt das zentralafrikanische Land. "Wenn man dieses Sicherheitsproblem weiter so ignoriert und versucht die Lage gesund zu reden, löst man langfristig nicht die Probleme des Landes", sagt Ulrich Delius von der Gesellschaft für bedrohte Völker. Die verschiedenen Milizen müssten deshalb gewaltsam entwaffnet werden, fordert er.

Tim Glawion, vom GIGA-Institut für Afrikastudien in Hamburg, hält das für unrealistisch:  "Eine Entwaffnung ist sehr, sehr schwierig, da alle Gruppen den Anspruch erheben, bestimmte Gruppen der Bevölkerung zu repräsentieren und zu beschützen." Man könne nicht alle Milizen gleichzeitig entwaffnen. Das bedeute dann häufig, dass eine andere Gruppe nicht nur die entwaffnete Gruppe angreife, sondern auch die Bevölkerung unter deren Schutz.

Delius weiß, dass seine Forderung nach einer gewaltsamen Entwaffnung problematisch ist: "Das ist uns bewusst. Wir wollen nur das Augenmerk auf das richten, was uns besonders wichtig ist."

Korruption statt Frieden?

Auch Präsident Faustin-Archange Touadéra will die Milizen entwaffnen - allerdings nicht mit Gewalt, sondern mit Geld. Drei Milliarden Euro hatte er für den Wiederaufbau seines Landes gefordert; zwei Milliarden hat ihm die internationale Gebergemeinschaft versprochen.

Faustin Archange Touadera (imago/Pacific Press Agency)

Faustin-Archange Touadéra

Delius sieht das skeptisch: "Alle Erfahrungen aus anderen Bürgerkriegsregionen haben uns gelehrt, dass der Zustrom von neuem Geld eher zu mehr Korruption führt als  zu einer sicherheitspolitischen Stabilisierung." 

Eine Stabilisierung des Landes hatte Touadéra seinen Wählern bei seinem Amtsantritt im Februar eigentlich versprochen. Doch die Umsetzung seines Versprechens habe er nicht in der Hand, sagt Glawion vom GIGA-Institut: Er habe rund 2000 Sicherheitskräfte in einem Land, das so groß sei wie Frankreich. "Egal, was die Regierung machen will, sie hat nicht die Möglichkeit, im Moment wirklich Einfluss auf die Sicherheitssituation im Land zu nehmen."

Überforderte Blauhelme

Die UN-Mission MINUSCA hat noch 12.000 Blauhelmsoldaten im Land; Frankreich hat seine Mission in der Zentralafrikanischen Republik Ende Oktober beendet.

Zentralafrikanische Republik UN-Kräfte Minusca (picture-alliance/AP Photo/J. Delay)

Die Truppen der UN-Mission MINUSCA sind umstritten

"Wir haben immer davor gewarnt, dass der Abzug der Franzosen kein gutes Signal für die Entwicklung im Land ist", sagt Delius. Die MINUSCA könne diese Lücke nicht füllen.

"Die UN-Mission zieht sich immer weiter aus dem Alltag zurück und ist jetzt schon mehrmals bei Attacken nicht rechtzeitig und nicht stark genug interveniert", kritisiert auch Glawion. Dadurch werde in der Bevölkerung das Gefühl immer stärker, der Gewalt Gruppen schutzlos ausgeliefert zu sein. "Deshalb schließen sich die Menschen den bewaffneten Gruppen an, von denen sie das Gefühl haben, dass sie sie beschützen."

Mitarbeit: Eric Topona

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