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Aktuell Europa

Neue Gewalt gegen Demonstranten in der Türkei

Die türkische Polizei ist gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen, die einem jungen Opfer der Gezi-Proteste 2013 gedachten. In Istanbul, Ankara und Izmir löste die Polizei Protestveranstaltungen zu dessen Todestag auf.

Ausschreitungen in Istanbul bei Gedenken an Gezi-Opfer Berkin Elvan

Unter anderem in Istanbul ging die Polizei mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vor

Auf dem Istanbuler Taksim-Platz ging die Polizei gegen eine Gruppe Demonstranten vor, die sich an den Händen hielt. Der Sender CNN-Turk berichtete, dass sie abgeführt und zehn von ihnen festgenommen wurden.

In Ankara setzte die Polizei Wasserwerfer gegen Demonstranten ein. Elf Menschen wurden festgenommen, wie örtliche Medien berichteten. Auch im westtürkischen Izmir wurde demnach eine Demonstration beendet.

Ausschreitungen in Istanbul bei Gedenken an Gezi-Opfer Berkin Elvan

Gewalt und Gegengewalt

Landesweit sollten den ganzen Tag über zahlreiche Veranstaltungen in Gedenken an den Teenager Berkin Elvan stattfinden, der 2013 am Rande der Gezi-Park-Proteste in Istanbul von einer Tränengaskartusche am Kopf getroffen wurde. Er fiel ins Koma und starb am 11. März 2014 im Alter von 15 Jahren.

Der Junge wurde zu einer Symbolfigur für die Opfer von Polizeigewalt. Nach seinem Tod vor einem Jahr nahmen hunderttausende Menschen an seiner Beisetzung teil.

Kritik an schleppenden Ermittlungen

Die Ermittlungen der Justiz wegen des Todes des Jungen treten auf der Stelle. Auch heute kritisierte der Intellektuellen-Verband "Sanat Meclisi", dass die Verantwortlichen für den Tod von Elvan noch nicht ermittelt worden sind.

Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete den Teenager als Mitglied einer Terrororganisation, der mit einer Steinschleuder bewaffnet gewesen sei. Elvans Eltern sagen dagegen, der Junge sei unterwegs gewesen, um Brot zu kaufen, als er getroffen wurde.

Wochenlanger Protest

Insgesamt wurden während der wochenlangen Gezi-Proteste, die sich an einem Bauprojekt der Regierung im kleinen Istanbuler Gezi-Park entzündeten, mindestens acht Menschen getötet. Regierungskritiker werfen den Behörden vor, gewalttätige Polizisten vor der Strafverfolgung zu schützen. Erdogan hatte der wegen ihres extrem harten Vorgehens im In- und Ausland kritisierten türkischen Polizei bescheinigt, mit ihrem Vorgehen während der Gezi-Unruhen ein "Heldenepos" geschrieben zu haben. Das Parlament prüft derzeit ein Gesetzesvorhaben, das der Polizei bei Demonstrationen noch mehr Handlungsspielraum geben soll.

chr / uh (dpa, afp)